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Stahl nach Riad: Wie Deutschland den Jemen-Krieg gegen das eigene Gewissen verkauft

13. Juli 2026 — — — Hagen, Oberstleutnant a.D.

Hören Sie zu. Ich sage Ihnen, was ich sehe — von hier, aus diesem Bürostuhl, mit dem Rücken zur Wand und dem Blick auf den Bildschirm, auf dem die Zahlen laufen.

Deutschland ist auf dem internationalen Rüstungsmarkt stark vertreten und hat seinen Marktanteil in den letzten Jahren erheblich ausgebaut. Das ist die Überschrift, die Sie morgen in den Wirtschaftsteilen lesen werden, sauber verpackt zwischen Bilanzen und Quartalsberichten. Ich sage Ihnen, was dahintersteht.

Die Bundesregierung hat ihre traditionelle Haltung geändert, Saudi-Arabien keine schweren Waffen mehr zu liefern. Früher hieß es: Lieferungen nach Riad, das geht nicht — Israel, Sicherheit, Bündnis, Geschichte. Diese Linie ist gefallen. Gefallen wie ein Vorhang nach der letzten Vorstellung. Die Bedenken bezüglich der Sicherheit Israels? Weggewogen. In einer Aktennotiz, irgendwo, zwischen zwei Sitzungen.

Die Begründung der Bundesregierung: Die Beteiligung am Jemen-Krieg sei eine andere als die der Saudis. Man müsse unterscheiden. Das ist der Satz, den ich seit dreißig Jahren in allen Variationen gehört habe. Damals hieß es: Wir liefern Waffen, wir führen den Krieg nicht. Stimmt. Wir führen ihn nicht. Wir liefern ihn.

Schauen wir auf Rheinmetall. Armin Papperger, der Chef, sitzt oben und sieht klar. Er sagt, was ich seit Jahren in jede Kamera sage: Deutschland ist bei militärischen Problemen stark abhängig von den Vereinigten Staaten. Das ist keine Nachricht — das ist eine Diagnose. Und die Therapie heißt: mehr eigene Produktion, mehr eigene Kapazität, mehr eigene Verträge. Mit wem? Mit jedem, der zahlt.

Papierger benennt die Abhängigkeit. Die Bundesregierung sieht neue Absatzmärkte. Rheinmetall sieht Gewinne. Die Kette ist kurz: Aufrüstungspolitik, Rüstungsausgaben, Aktionäre. Oben wachsen die Zahlen. Unten — schauen wir nach unten.

Saudi-Arabien führt eine militärische Koalition gegen die Huthi-Rebellen im Jemen. Unterstützt von mehreren Ländern und Organisationen. Die Koalition fliegt. Sie fliegt mit Material, das irgendwo gewartet, irgendwo trainiert, irgendwo produziert wurde. Die Logistik kennt keine Grenzen. Sie kennt nur Aufträge und Lieferwege. Und am Ende jeder Lieferkette steht eine Patrone, ein Geschoss, eine Rakete — oder das Teil, ohne das nichts davon funktioniert.

Und die zivilen Verluste? Hoch. Sehr hoch. Die meisten Todesopfer im Jemen entstehen nicht durch die Kugel, nicht durch die Splitterbombe. Sie sterben durch indirekte Folgen — Unterernährung, weil Häfen blockiert werden. Weil Transporte nicht durchkommen. Weil Krankenhäuser keine Medikamente mehr haben. Weil Kinder nicht geimpft werden. Das ist die moderne Rechnung: kein Bombeneinschlag auf der Bilanz, aber das Ergebnis steht in den Leichenhallen von Sanaa, in den Berichten der Hilfsorganisationen, in den Bildern, die keiner mehr sehen will.

Ich sage Ihnen, wer profitiert. Die Rüstungsunternehmen — Rheinmetall vorneweg — sehen Gewinne, die ohne diese Politik nicht möglich wären. Die Bundesregierung sieht einen Hebel in der Außenpolitik, eine Währung, die überall eingelöst wird: Stahl, Pulver, Feuerleitsysteme. Wer verschweigt? Niemand verschweigt direkt. Man verpackt. Man unterscheidet. Man sagt: anderer Konflikt, andere Lage, andere Bewertung. Das ist die Sprache, die ich kenne — die Sprache der Stäbe, die hinter Linien auf Karten entscheiden, wer als Kollateralschaden zählt und wer als strategischer Partner.

Papperger nennt die Abhängigkeit von den USA beim Namen. Das ist mutig. Aber seine Antwort — mehr Aufrüstung, mehr Eigenproduktion — ist die Antwort eines Mannes, der die Geschäftsbilanz im Kopf hat, nicht die Leichen auf dem Boden. Die Aktivitäten von Rheinmetall und die Politik Merkels haben zu einem Anstieg der Rüstungsausgaben geführt. So steht es in den Papieren. So steht es in den Protokollen.

Ob das Land sicherer wird? Unklar bleibt, wem diese Sicherheit eigentlich nützt — dem Bürger an der Haltestelle oder dem Auftragsbuch eines Konzerns. Ob es ärmer wird? Unklar bleibt, wer am Ende den Preis zahlt — immer zahlt ihn jemand anderes, irgendwo, in einer Hauptstadt, deren Namen Sie nicht in der Zeitung lesen.

Eins aber ist sicher: 1937 bestellte jemand Stahl. Heute bestellt jemand Komponenten. Die Logik dahinter ist dieselbe. Nur die Überschriften sind netter geworden.

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