Die Leitung nach Budapest, das Konto in Zürich
1937. Jemand dreht den Hahn auf. Jemand dreht ihn zu. Beides kostet Leben.
Heute heißt der Hahn Budapest. Die Slowakei hängt am gleichen Strang. Pipeline nach Osten, Abhängigkeit nach Maß. Während Brüssel über Energiesouveränität redet, pumpen die Konzerne weiter durch die Druschba-Trasse. Russisches Öl. Für Länder, die sich weigern umzudrehen. Politisch gewollt. Wirtschaftlich eingebaut. Wer hier abdreht, dreht seine eigene Industrie ab.
Wer profitiert? Nicht der Mann an der Zapfsäule in Budapest. Auch nicht der in Bratislava. Wer profitiert, sitzt in Vorstandsetagen, die keine Schlagzeile wert sind. Shell zum Beispiel. 257,87 Milliarden Dollar Börsenwert. Wertvollster Mineralöl- und Erdgaskonzern Europas. Wenn der Preis steigt wegen geopolitischer Spannungen, steigt der Gewinn. Das ist keine Meinung. Das ist Mechanik. Wer die Mechanik kennt, sieht, wer den Hebel zieht.
Die andere Seite riecht nach Schweizer Geld und nach Schweigen. 7,5 Milliarden Franken eingefroren, sagt Bern. Klingt nach viel. Ist es nicht. G7 und EU drücken weiter. Mehr Sperrungen. Mehr Druck auf Banken, die seit 2014 wissen, wer bei ihnen sitzt. Mindestens zwanzig Oligarchen hatten damals Konten in der Schweiz. Die meisten sind mittlerweile sanktioniert. Die meisten. Nicht alle.
Offene Frage, die mir nicht aus dem Kopf geht: Wer sind die Konten, die noch offen stehen? Und warum hält die Schweiz — größter Vermögensverwalter der Welt — an diesem Modell fest, während sie selbst sagt, sie wolle mit der internationalen Gemeinschaft kooperieren? Kooperation klingt nach Einsicht. Es klingt nach Verhandlung über den Preis der Kooperation.
Die Banken stehen unter Druck, Sanktionen anzuwenden, um rechtliche Konsequenzen zu vermeiden. Anwenden. Nicht verstehen. Nicht hinterfragen. Anwenden. Das klingt nach Bürokratie. Es klingt nach einem System, das lange funktioniert hat, weil niemand hinschaut. Jetzt wird hingeschaut. Aber Hinschauen ist kein Handeln.
Ungarn importiert weiter. Die Slowakei importiert weiter. Schweizer Banken verwalten weiter. Ölpreise steigen weiter. Shell verdient weiter. Die Struktur bleibt. Wer sie trägt, fragt niemand.
Übermorgen fragt niemand mehr. Das ist der Deal. Das war schon immer der Deal.