Die Hundert und die Quittung
Dreckige Stiefel. Wieder. Ich lese Bohrkernprofile und ich lese Pressemitteilungen, und ich sage Ihnen: beides ist Geologie. Schichten, die sich ablagern. Schuld, die sich verdichtet.
Da ist die Idee. Eine Klimaschadenssteuer. Sie soll erhebliche Mittel generieren, sagt das Papier, um klimagefährdete Gemeinschaften zu stützen. Schön. Wer zahlt? Rund siebzig Prozent der weltweiten Emissionen stammen von etwa hundert großen fossilen Brennstoffunternehmen. Hundert. Eine Zahl, die sich liest wie ein Bohrkern: kompakt, lang gestreckt über ein Jahrhundert Förderung, Verbrennung, Vertuschung.
Die Erde schreibt mit. Langsam. Geduldig. Aber sie schreibt.
ExxonMobil. Der Name steht in den Akten wie ein Ölfleck, der sich nicht wegwischen lässt. Irreführende Darstellung der wissenschaftlichen Einigkeit. Förderung von Zweifel, dort wo Gewissheit war. Die Royal Society hat ExxonMobil angegriffen wegen der Unterstützung von Organisationen, die falsche Informationen verbreiten. Die Wissenschaft hat gesprochen. Die Industrie hat genickt und weitergebohrt.
Die Bundesregierung rechtfertigt das Ganze als notwendiges Kriseninstrument zur Entlastung von Bürgern und Unternehmen. Notwendig, sagt sie. Ich höre: bequem. Der Widerspruch zur Klimaschutzpolitik steht im Raum wie der Geruch von verbrannter Erde, den keiner wahrnehmen will.
Die Abschaffung der Gasspeicherumlage würde den Preis für fossiles Gas senken. Senken, in einer Zeit, in der wir über Dekarbonisierung von Verkehr, Gebäuden und Wirtschaft reden und den Ausbau erneuerbarer Energien fördern. Das ist keine Subvention, sagen sie. Ich sage: das ist dasselbe in Grün.
Der Bund hat bereits rund zweieinhalb Milliarden Franken pro Jahr für Klimaschutz und Biodiversität bereitgestellt. Groß, bis man die Zahl neben die Schäden stellt, die der Staub der Hundert anrichtet.
Unklar bleibt, wer die Rechnung am Ende wirklich begleicht. Nicht die Hundert. Nicht die Politik. Die Erde kennt nur ein Gesetz: Druck baut sich ab, irgendwann, irgendwo.