Stimmzettel ohne Schreiber — die stille Maschine in Kamerun
Die Felder reden. Die Städte hören nicht zu. In Kamerun redet auch die Wahlurne, nur dass niemand mehr hineinspricht. Die MRC boykottiert die Wahl, und sie sagt warum: das System ist zugeschnitten auf die Regierungspartei RDPC, ein Apparat, der sich selbst nicht mehr messen lassen muss. Was übrig bleibt, ist kein Urnengang, sondern eine Inszenierung der Bestätigung.
Wer profitiert vom Schweigen der Stimmzettel? Die Frage ist erlaubt. Die Struktur antwortet ohne Worte. Der RDPC braucht keine Mehrheit mehr zu erringen, wenn die Opposition die Wahlurne meidet und die zweite große Kraft — die SDF in ihrer anglophonen Hochburg im Nordwesten — unter Repressalien schrumpft. Mitglieder wandern ab. Lokalstrukturen fallen. Was an Protest übrig war, wird leiser, nicht weil die Menschen aufhören zu denken, sondern weil man ihnen die Luft abgewöhnt.
Die Regierung pflügt das Feld leer und nennt es Ordnung. Felder, die keine Ernte tragen, kenne ich. Man sieht es am Boden, an der Farbe, am Geruch. Hier sieht man es an den Wahllokalen, die geöffnet werden, damit geschlossen werden kann. Wer kontrolliert die Listen? Wer zählt die Stimmen, wenn kaum welche fallen? Unklar bleibt, welche Schicht der Verwaltung das Wahlsystem konkret trägt — die regionalen Präfekten, die Wahlkommission, das Innenministerium. Die Verantwortung verschwimmt wie Regen auf trockener Erde.
Die MRC nennt es Boykott. Das Wort klingt nach Trotz. Es ist Berechnung. Wer nicht antritt, verliert nicht an der Urne, sondern an der Deutung der Zukunft. Das ist der Preis. Die SDF zahlt ihn anders — sie tritt an, sieht ihre Hochburg schrumpfen, Mitglieder gehen, weil die Repression die Luft dünn macht. Zwei Wege, dasselbe Ergebnis: ein Feld ohne Bestellung, ein Tisch ohne Brot.
Was bleibt: das Feld. Bestellt oder nicht, es wartet.