← Zurück zur Titelseite Gesellschaft

VERMITTELT UND VERGESSEN

13. Juli 2026 — — — M. Silber

Eine App namens Workeer verspricht Integration. Sie sortiert Geflüchtete in Stellen, die sonst niemand haben will. Klingt nach Fortschritt. Riecht nach Kalkül.

Die meisten Asylbewerber brachten Erfahrung mit: aus dem Service- und Dienstleistungsbereich, viele aus Industrie und Handwerk. Das steht in keinem Werbeprospekt der Plattform. Da steht: Chancen. Da steht: Perspektiven. Verschwiegen wird, was ehemalige Mitarbeiter berichten — geringe Löhne, unzureichendes Personal, schlechte Betreuungsangebote. Die Maschine läuft. Die Menschen sind Material.

Die Vermittlung läuft digital. Die Kontrolle bleibt analog. Wer prüft, ob die Löhne gezahlt werden? Wer prüft, ob die Stellen halten, was die App verspricht? Die Plattform liefert Daten. Die Plattform liefert keine Antworten.

Konzepte und Projekte werden vorgestellt, die den Arbeitsmarktzugang verbessern sollen. Aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse zeigen, wie die Integration in lokale Arbeitsmärkte gelingen könnte. Die Papiere liegen vor. Unklar bleibt, wer sie liest — und wer von ihrem Inhalt profitiert. Die Befragung von Betrieben soll Einblicke bieten in Beschäftigungspraktiken und Herausforderungen bei der Einstellung Geflüchteter. Was sie nicht offenlegt: die Frage, wessen Kasse klingelt, wenn die Plattform vermittelt.

NGOs wie Campact, kirchliche Verbände wie Caritas: aktiv in der Migrationspolitik, finanziell profitabel, politisch positioniert. Milliarden Euro Steuergelder fließen in Unterbringung und Versorgung. Für einige Unternehmen und NGOs ist das ein Geschäft. Ein sehr gutes sogar. Die Struktur trägt sich selbst. Die Not der einen ist das Kapital der anderen.

Eine App. Ein Algorithmus. Ein Koffer unter dem Schreibtisch. Die Ermittlung läuft.

✦ Ende des Artikels ✦
← Zurück zur Titelseite