Wenn RWE haften soll: Die Klage, die das Spiel dreht
Eine Kleinstadt in Peru klagt. RWE soll zahlen. Nicht genug für die kaputten Deiche. Es geht nicht um Geld. Es geht ums Prinzip.
Dieser Fall ist einer der ersten, der ernsthaft vor Gericht landet mit der Frage: Tragen Konzerne Schuld am Klimawandel? Tragen sie Verantwortung für das, was ihre Kohlehalden und Pipelines angerichtet haben, seit jemand den Hahn aufgedreht hat?
RWE hat sich hübsch gemacht. Offshore-Wind, Partnerschaften mit Tech-Firmen, ein Drittel des Umsatzes aus Erneuerbaren. Dreißig Prozent grünes Mäntelchen über siebzig Prozent schwarzer Realität. Der Konzern weiß, wie man sich neu erfindet, wenn das alte Geschäft brennt. Im wahrsten Sinne.
Aber während die Werbeabteilung Windräder ins Logo setzt, diskutieren die Energiechefs Gaskraftwerke und neue Gasimporte. Der Iran-Konflikt treibt die Preise. Die Kohlekraftwerke sollen länger laufen. Die Wahrheit steht nicht in den Broschüren. Die Wahrheit steht in den Bilanzen.
Und da liegt das Problem. Neue Wettbewerber dominieren das Geschäft mit Erneuerbaren. RWE und E.On, die alten Herren, schleppen ihre Kohle mit sich rum wie alte Narben. Sie können nicht abschalten — das Geld ist noch da. Sie können nicht umsteigen — die neuen Player sind schneller. Also bleiben sie stehen und hoffen, dass die Justiz den Weg freimacht.
Die Klage aus Peru zielt nicht auf die Millionen. Sie zielt auf den Präzedenzfall. Wenn ein Richter entscheidet, dass ein Energiekonzern für Klimafolgen haftet, dann stehen die Aktienkurse der ganzen Branche auf dem Spiel. Dann wird aus einem peruanischen Dorf ein Grundsatzurteil. Dann wird aus einem Konzern ein Beklagter.
Offen bleibt, wer die Klage wirklich finanziert, wer das Spiel spielt, wessen Agenda hier läuft. Klar ist nur: Wenn der Hahn erstmal aufgedreht ist, lässt er sich nicht mehr zudrehen. Nicht ohne dass jemand dafür bezahlt.