Eigenmarken boomen — der Acker blutet still
Der Konsum verschiebt sich. Die Käufer greifen zum Billigsten, was das Regal hergibt — Eigenmarken, No-Name, das schmale Brot in der schmalen Verpackung. Preisbewusstsein nennt die Werbung das. Ich nenne es: ein Feld, das nicht mehr ernährt, was darauf wuchs.
Denn während der Verbraucher spart, fressen steigende Öl- und Rohstoffpreise die Margen der Produzenten auf. Dünger, Transport, Blech — alles wird teurer. Was bleibt den Konzernen? Preise erhöhen — oder über die Menge wachsen. Nestlé und andere FMCG-Riesen haben sich entschieden: volumenbasiertes Wachstum. Mehr Stück, weniger Gewinn pro Stück. Die Strategie ist alt wie die Krise.
Doch hier beginnt die Ermittlung. Die Sanktionen gegen Danone, Nestlé und Lactalis zeigen, dass Aufsichtsbehörden den Großen auf die Finger klopfen — wegen Preisabsprachen. Marktmanipulation, die den Wettbewerb verbiegt und Verbraucher schädigt. Welche weiteren Unternehmen in den Kartellen sitzen, ist noch nicht kartografiert. Unklar bleibt, wie tief das Netz reicht.
In Indien wächst die städtische Mittelschicht — auf dem Papier. In der Realität bremst die Inflation, stagnieren die Einkommen, die Menschen halten ihr Geld zusammen. Dispositionsausgaben werden zurückgefahren. Nicht aus Prinzip, sondern aus Not. Dasselbe Phänomen, das hier die Eigenmarke pusht, drückt dort den Konsum in seine Grundform: Was nährt, nicht was schmückt.
Und mittendrin taucht die Kontamination in der Babynahrung auf, die mehrere Länder traf. Eine Industrie, die an Mütter und Säuglinge verkauft, muss rein sein wie Quellwasser. Stattdessen Debatte über Lebensmittelsicherheitsstandards — zu spät für jene, deren Kinder bereits gegessen hatten.
Wer profitiert? Die Konzerne, die Preise setzen und gleichzeitig absprechen. Wer verschweigt? Jene, die zu lange wegsahen. Was bleibt? Ein Acker, der nicht anklagt, aber auch nicht mehr schweigt.