GESPALTENE SCHLÜSSEL, GESPALTENES VERTRAUEN: Die NSA und der Split-Key-Trick
Ich höre ein neues Geräusch auf den Drähten. Es klingt wie Kooperation. Vorsicht.
Die NSA fördert neuerdings ein Verfahren, das sich Split-Key-Verschlüsselung nennt — zwei Schlüssel, die gemeinsam eine Tür öffnen. Klingt nach Sicherheit. Ist es auch. Für jene, die den dritten Schlüssel besitzen. Und genau da sitzt der Haken: Dieser dritte Teil wandert in dieselben Hände, die seit den Snowden-Leaks auf jedem Kabel mitlesen. Die offizielle Lesart: man wolle auf verschlüsselte Daten zugreifen können. Die unausgesprochene Folge: ein Einfallstor, das bei jedem Bruch des zweiten Teils klafft wie ein aufgerissenes Kuvert. Datenschutzverletzungen sind hier kein Risiko, sondern eingepreiste Währung.
Parallel summt aus den Quantenlaboren eine andere Frequenz. Quantencomputer könnten — könnten — bestehende Kryptographie brechen wie ein Kind einen Streichholzkopf. Was das die Privatsphäre kostet, lässt sich noch nicht beziffern. Die Richtung steht: Wer heute verschlüsselt, verschlüsselt womöglich auf Bewährung.
Ein hierzulande gestartetes Projekt will Anwender vor unbefugten Verbindungen zu Überwachungsagenturen schützen — bemerkenswerterweise ohne den Umweg über Antimalware oder Ad-Blocker. Transparenz entsteht durch historische Leaks und eigene Recherche. Das ist löblich. Es ist auch überfällig.
Die Handschrift ist eindeutig. NSA, GCHQ — der britische Dienst spielt in der elektronischen Überwachung und Kryptoanalyse eine zentrale Rolle, das steht außer Frage. Die enge Zusammenarbeit zeigt die globale Dimension: kein nationales Verfahren, sondern ein Konzert. Big Tech sitzt im Orchester. Unklar bleibt, wer die Noten schreibt — und wie tief die Beeinflussung tatsächlich reicht.
Was bleibt vom Vertrauen in RSA? Es gilt als sicher, solange die Schlüssel groß genug sind. Die Mathematik: das Produkt zweier großer Primzahlen zu faktorisieren ist schwer — schwer, nicht unmöglich. Ein 829-Bit-Schlüssel wurde bereits gebrochen. Ein Menetekel an der Wand. Die Schlüssellänge entscheidet, und die Faktorisierungsalgorithme entwickeln sich weiter. Still. Stetig.
Mein Büro riecht heute nach Lötzinn und einer einzigen Frage: Wem nützt ein Schlüssel, der sich teilen lässt? Nicht mir. Nicht dir. Ihnen.