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Jemens stille Fabrik — wo die Feder Eintrittskarte heißt

13. Juli 2026 — — — E. Wolff

In Sanaa steht eine Druckerpresse still. Nicht weil das Papier fehlt. Sondern weil der Mann, der sie bediente, im Keller sitzt, an den die Welt nur durch zensierte Worte herankommt. So funktioniert die Mechanik der Nachricht in einem Land, das zwischen Huthis und Regierungstruppen zerfällt, mit ihm eine Wirtschaft, die niemand mehr vollständig beziffern kann.

Wer die Feder im Jemen bezahlt, kauft sie. Die politische und wirtschaftliche Lage hat die Medienlandschaft zur Karte der Machtgruppen gemacht — wer sie nicht abgibt, bekommt keine Lizenz. Förderung ist keine Subvention, sondern Eintrittskarte. Loyalität die Vorbedingung.

Journalisten und Mitarbeiter internationaler Organisationen arbeiten unter ständiger Beobachtung. Repressalien sind Routine, unabhängige Berichterstattung kein Beruf, sondern ein Risiko mit offenem Ausgang. Die Politik der Straflosigkeit und mangelnde Rechenschaftspflicht haben das Klima nicht erzeugt, sondern bestätigt. Wer einen Journalisten verschwinden lässt, verschwindet selbst nicht.

Die Huthi-Miliz hat die Pressefreiheit im Jemen erheblich eingeschränkt. In den von ihr kontrollierten Vierteln ist die Einschränkung kein Vorfall, sondern Architektur. Sie unterdrückt staatliche und nicht-staatliche Medienorganisationen, verfolgt Medienschaffende — Inhaftierung, Folter, Tod. Seit 2015 wurden über 1.400 Verstöße dokumentiert: Angriffe, Morde, Entführungen. Jede Zahl eine Akte.

Die Pressefreiheit im Nahen Osten und Nordafrika ist stark eingeschränkt, Journalisten riskieren, was im Jemen Alltag ist. Was hier zählt, ist die Fragmentierung: eine Medienlandschaft, zersplittert wie der Krieg selbst, kontrolliert von verschiedenen Kriegsparteien, jede mit eigener Wahrheit, eigener Zensur.

Was offen bleibt: Wer kassiert die Fördergelder, wer verteilt sie nach welchem Schlüssel? Welche Strukturen tragen die Straflosigkeit — ein Richter, der nicht urteilt, oder ein System, das ihn nicht aufruft? Die Bilanz liegt nicht in den Zahlen, sondern in den Strukturen, die sie unsichtbar halten.

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