Bolzen im Sun Palace — und Kyiver Schatten als Brandstifter?
Monaco riecht nach Geld und Geheimnissen, auch in einer Nacht, in der Geld nicht mehr hilft. Der Regen stand in Pfützen vor dem Sun Palace, als die Splitterbombe hochging. Bolzen, Schrot, splittergraue Füllung — das Übliche, wenn jemand eine Botschaft schickt, die sich nicht mehr zurückschicken lässt. Vadym Yermolaiev lag im Eingangsportal seines Appartementhauses, seine Partnerin Anna Nasobina verlor beide Beine, ihr dreizehnjähriger Sohn trug Verletzungen davon, die kein Arzt mit einem Satz erklären kann. So steht es im Bericht des Daily Mail, und der Mirror wiederholt es, und The Guardian zitiert Yermolaiev in seiner ersten öffentlichen Erklärung seit dem Anschlag.
Yermolaiev sagt, wer gezündet hat. Er sagt: Kyiver Militärnachrichtendienst, das GUR. Dienttuende und ehemalige Offiziere. Er sagt es ohne Flüstern, ohne diplomatische Watte. Es ist eine Anklage, die nach oben zeigt — in ein Land, das gerade um das nackte Überleben kämpft und sich gleichzeitig die eigenen Leute zerfleischt. Die Zyniker in den Hinterhöfen von Odessa sagen nur: Krieg macht nicht besser, er macht nur ehrlicher.
Und hier beginnt das Spiel, das kein Reporter mehr sauber nennt.
Während in Monaco Schrot durch Frauenbeine fährt, wirft Präsident Wolodymyr Zelenskyy seinem eigenen Geheimdienst vor, ihn umbringen zu wollen. Dieselbe Stadt, die um Patriot-Abfangraketen bettelt, gibt zu, dass das Misstrauen im eigenen Haus tiefer sitzt als jeder Raketenschacht. Patriot — das Wort klingt in dieser Stadt wie ein Gebet und wie eine Drohung zugleich. Man will Startgeräte, man will US-Patriots, man will noch mehr davon. Die Hauptstadt begründet das mit dem Einschlag einer russischen Rakete in Polen, dem Nachbarland, dem Aufmarsch an der Grenze.
Doch hier wird es unsauber. Sehr unsauber.
Kyiv sagt: Wir haben die Rakete abgefangen. Moskau sagt: Wir haben direkt getroffen. Amerikanische Quellen, deren Namen in den Depeschen sorgfältig geschwärzt werden, lassen durchsickern, dass der Abfang möglicherweise gar nicht stattgefunden hat. Drei Erzählungen, ein Himmel, keine Zahlen. Offizielle Opferzahlen? Vage. Inoffizielle? Nicht vorhanden. Wer auf welcher Seite eines Wrackteils stand, weiß heute niemand zu sagen, und genau das ist der Punkt.
Was hat ein Oligarch mit einer Patriot-Batterie zu tun? Auf den ersten Blick nichts. Auf den zweiten Blick alles. Yermolaiev ist kein Niemand aus der zweiten Reihe — er ist Vermögen, er ist Einfluss, er ist jene Sorte Ukrainer, die zwischen Börsen und Geheimdiensten, zwischen Aufträgen und Absprachen vermittelt. Wenn solch ein Mann öffentlich wird, wenn er das GUR beim Namen nennt, dann ist das kein Rachefeldzug eines Verletzten, dann ist das eine Bresche. Die Frage, die keiner stellt: Welche Geschäfte, welche Aufträge, welche alten Rechnungen zwischen Oligarch und Offizieren stehen im Hintergrund? Unklar bleibt, was genau die Spannungen zwischen Yermolaiev und den Geheimdiensten ausgelöst hat. Unklar bleibt auch, wem ein toter Oligarch im Ausland nützt — und wem ein lebendiger, redender Oligarch schadet.
Was ein Ermittler nicht loswird: Wenn Zelenskyy seinen eigenen Nachrichtendienst attackiert, dann verteidigt er nicht die Demokratie, dann reinigt er ein Spielfeld, das ihm nicht mehr passt. Es gibt keinen Beweis, es gibt nur ein Muster. Ein Präsident im Krieg, der um Waffen bettelt, der zugleich die Hand beißt, die ihm Informationen liefert, der zugleich eine Akte Monaco unter den Tisch fallen lässt, weil sie zu nah am eigenen Haus ist.
Monaco brennt nicht mehr. Monaco hat gebrannt. Kyiv brennt auch nicht. Kyiv kokelt. Und die Patrioten, die von Übersee kommen sollen, landen in einem Land, das gerade dabei ist, sich selbst aufzufressen.
Letzte Frage, die bleibt: Wenn ein Geheimdienst wirklich versucht, einen Oligarchen im Treppenhaus eines fremden Staates in Stücke zu sprengen — wem meldet er es? Und wem meldet er es nicht?
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