PICKAXE MOUNTAIN UND DER SCHATTEN VON DESERT ONE
Der Rauch von der Schreibmaschine brennt mir in den Augen. Passt zu einer Geschichte, die nach Pulver schmeckt. Pickaxe Mountain, Fordo, Isfahan — drei Namen, die in Washington über den Tisch gehen wie Spielmarken, während in der Wüste Männer in ihren Zwanzigern verrecken.
Denn das ist der Handel, den uns die blitzblanken Büros vorschlagen wollen: tausend Soldaten, schweres Gerät, eine Mini-Armee aus Spezialkräften — SEAL Team 6 mit seinem Silver Squadron, das 2. Ranger-Bataillon, die 21st Ordnance Company — die sich durch verminte Eingänge wühlen sollen, um zwanzigtausend Pfund angereichertes Uran aus dem Boden zu zerren. Zwanzigtausend Pfund. Das ist die Zahl, die die IAEA zuletzt 2025 notierte. Ob das Zeug noch dort liegt? Ob es überhaupt noch dort liegt? Darüber schweigen die Fachleute seit fast neun Monaten. Internationale Inspektoren haben den Standort seit beinahe neun Monaten nicht verifiziert. So steht es geschrieben. Lesen wir es nochmal: nicht verifiziert.
Joseph Rodgers, stellvertretender Direktor des Center for Strategic and International Studies, sagt es ganz offen. Verhandlungen führen nirgendwohin, also bleibt nur das Militär. Rodgers ist ein kluger Kopf. Er sitzt in Talkshows, zitiert Geographie, nickt bedächtig. Aber hört genau hin. Er sagt nicht, was nach der Operation passiert. Er sagt nicht, wer das Uran abtransportiert. Er sagt nicht, was mit den Menschen geschieht, die zwischen den Minen leben.
Richard Goldberg hat wenigstens gefragt. Goldberg war unter der ersten Trump-Regierung Direktor für die Bekämpfung iranischer Massenvernichtungswaffen im Nationalen Sicherheitsrat. Insider, kein Idealist. Seine Frage geht so: Wie lange hältst du den Perimeter, wie lange schaffst du deine Leute wieder raus?
Darauf gibt es keine Antwort.
Die Parallele? Die kennen wir. Operation Eagle Claw, 1980. Jimmy Carter schickt Hubschrauber in die Wüste, um Geiseln aus Teheran zu holen. Acht Amerikaner sterben bei Desert One, bevor die Befreier auch nur ankommen. Carter verliert die Wahl. Trump hat das im Juni selbst gesagt: "Ich wollte nicht Jimmy Carter sein." Das war, bevor die Pläne wieder aus der Schublade kamen. Jetzt liegen sie wieder auf dem Tisch. Mit mehr Truppen. Tiefer im Land. Gegen einen Feind, der seit Wochen mit Sprengfallen und Stolperdrähten auf den Besuch wartet.
Schauen wir auf die Karte. Isfahan ist vermint. Fordo ist zerstört, sagt man uns. Aber wer garantiert, dass das nicht die Falle ist? Wer garantiert, dass nicht unter den Trümmern genau das liegt, was den ganzen Aufwand überhaupt erst rechtfertigt?
Das Pentagon schweigt. CENTCOM schweigt. Die Verwundeten sterben anderswo, leise. Bahrain, Irak, Jordanien, Kuwait. Mindestens 446 Tote und Verwundete offiziell — eine Steigerung von mehr als fünfzehn Prozent seit der ersten Waffenruhe am 8. April. Die wirkliche Zahl? "Dutzende mehr", sagt ein Insider. Das Defense Casualty Analysis System, das dem Kongress und dem Präsidenten die Listen führt, führt sie nicht mehr richtig. Das ist kein Versagen. Das ist Architektur.
Pvt. Isabella Gonzales aus Texas war neunzehn. Lt. Tyler James Feehan aus Hawaii war fünfundzwanzig. Beide tot, beide in der vorigen Woche, beide von Raketen iranischer Bauart. Ein dritter Soldat wird vermisst. Die Überreste, die man später findet, gehören mit Sicherheit ihm. Das ist die Rechnung, die in Washington niemand vorzeigt.
Wer profitiert? Das ist die Frage, die mir die Evelyn unten im Café nicht beantworten kann. Die Auftragnehmer. Die Berater. Die Experten, die danach in Talkshows sitzen und erklären, warum es unvermeidlich war. Die Thinktanks, die schon die Folgebände schreiben. Die Generäle, die mit Orden nach Hause gehen, während ihre Leute in Särgen ankommen. Mojtaba Khamenei, der neue starke Mann in Teheran, soll angeblich offen sein für die fortgeschrittene Bombe. Das sagen uns Satelliten und Geheimdienstler. Aber Moment — wenn die Verhandlungen kollabieren, wenn Khamenei tatsächlich die Schwelle überschreitet, wer hat dann das Sagen? Dieselben Leute, die jetzt die Pickaxe-Operation planen. Dieselben Berater, die nicht einmal wissen, wo das Uran liegt.
Die Wahrheit ist: Es geht nicht um das Uran. Es geht um den Auftritt. Um das Foto des Präsidenten mit den Generälen, die das Material in Empfang nehmen. Um die Erzählung, die man sich in zwanzig Jahren am Stammtisch erzählt.
Unbekannt bleibt, wer in den vergangenen Monaten Zugang zu IAEA-Inspektoren hatte. Unbekannt bleibt, welche Fracht die Militärtransporte der letzten Wochen tatsächlich trugen. Unbekannt bleibt, warum CENTCOM die Verwundetenlisten nicht offenlegt.
Was wir wissen: Acht Soldaten starben 1980 in der Wüste. Heute sterben sie anderswo, und niemand zählt richtig.
Macht weiter so, Jungs.
❖ Ende des Artikels ❖
