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Das Hoch-T-Departement und das schrumpfende Magazin

5. August 2026 — — — Hagen, Oberstleutnant a.D.

Leser, ich muss Ihnen etwas übersetzen. Pete Hegseth hat keine neue Vorschrift erlassen. Er hat eine Liturgie eingeführt. Soldatinnen und Soldaten über dreißig, Frauen eingeschlossen, werden künftig jährlich zum Pflicht-Screening auf Testosteron-Mangel beordert. Unter dreißig darf freiwillig. Bei zu niedrigen Werten: Ersatztherapie. So hat er es angekündigt. Sein Vokabular: "biological foundation", "sustain the fight", "brutal and unrelenting battlefield". Und, damit niemand die Dringlichkeit verpasst: "sacred duty". Lethality ist sein Lieblingswort. Inzwischen steht es für alles, was er anfasst.

Ich bin ehemaliger Oberstleutnant. Ich habe Testosteron gesehen, ich habe Latrinen-Gerüchte gehört, ich habe Stiefel putzen sehen. Ich habe zwei Kriege gesehen. Und ich sage Ihnen: Wer die Einsatzbereitschaft einer Armee am Hormonspiegel festmacht, verkauft Ihnen etwas. Es ist nicht die Armee.

Hegseth nennt sein Haus das "High-T Department of War". Er selbst nennt sich Kriegsminister. Das ist keine Marotte. Das ist Trademark. Teddy Roosevelt ist sein Held. Hegseth schrieb 2016 ein Buch darüber, "In the Arena", über die "timeless truths" von Roosevelts "Man in the Arena". Er zitiert ihn, wo er kann. Diesen Monat wieder, vor US-Truppen in Kuba — auf Kuba, wo Roosevelt im Spanisch-Amerikanischen Krieg kämpfte, und wo Hegseth einst nach eigenen Worten "Islamic assholes" bewachte, flankiert von "hard-working, God-fearing, America-loving middle-class men", die er gegen die "millionaires at Princeton" stellt. Der Bogen ist klar: Die Nation muss männlich sein. Der Mann muss hart sein. Der Krieger braucht seinen Spiegel.

Princeton hat ihn aufgenommen. Das ist seine Wunde. Er trägt sie vor sich her wie einen Orden. Wer so etwas auf Staatskosten inszeniert, verkauft keine Gesundheitspolitik. Er verkauft eine Identität. Sie ist adressiert an jene Männer, die glauben, die Welt sei ihnen genommen worden, und die einen Mann mit Krawatte suchen, der ihnen das Gefühl zurückgibt.

Jetzt zur Inventur. Ich zähle, was zählbar ist.

CNN berichtet unter Berufung auf Insider: Nahezu achtzig Prozent der Abwehrraketen eines zentralen US-Raketenabwehrsystems sind nach fünf Monaten Iran-Krieg verbraucht. Reuters legt nach: Die landgestützten Langstreckenraketen ATACMS und die neueren PrSM — jene Systeme, die einmal diese Lücke füllen sollen — sind "weitestgehend" aufgebraucht. Analysten veranschlagen eine PrSM auf mehr als eine Million Dollar pro Stück. Patriot-Abfangraketen und THAAD-Systeme gehören zu den defensiven Beständen, über die Reporter ebenfalls schreiben. Das sind die Patronen, mit denen ein Konflikt mit China oder Russland zu bestreiten wäre.

Hegseth teilte das CNN-Banner auf X. Darunter: "NICHT WAHR, @CNN. Schämt euch." Fake News. Trump wiegelte ab: "Haben mehr, als wir benötigen." Der Kriegsminister und der Oberbefehlshaber — eine Geste.

Und am Tag darauf, oder davor, je nach Stunde: derselbe Mann, der öffentlich die Existenz seiner eigenen Lager leugnet, ruft die Truppe zur Hormon-Kur. "Biological foundation", "sustain the fight", "brutal and unrelenting". Er macht die Pflege des körpereigenen Androgens zur heiligen Pflicht.

Hier, Leser, beginnt das Loch im Lack.

Wer das Hormon prüfen lässt, der prüft den Mann. Wer den Mann prüft, der ordnet die Truppe. Wer die Truppe ordnet, der braucht eine Erzählung, die über die tatsächliche Bereitschaft hinausgreift. Die tatsächliche Bereitschaft — sehen wir — ist eine Materialschlacht. Raketen, die nachproduziert werden müssen. Lieferketten, die Monate brauchen. Fabriken, die hochfahren. Kongress, der zahlt. Öffentlichkeit, die fragt.

Stattdessen eine Show. Ein Hoch-T-Departement. Ein Kriegsminister, der das Kriegerethos so oft wiederholt, bis er selbst daran glaubt. Sehen Sie hinter die Kulissen, dann sehen Sie einen Mann mit ungeklärten Fragen zur eigenen Männlichkeit an der Spitze eines Hauses, das Munition verfeuert. Das Haus produziert Pressekonferenzen über Hormone, während CNN und Reuters über leere Magazine berichten, die das Pentagon öffentlich nicht beziffern will.

Ich sage nicht, dass der Screen medizinisch sinnlos ist. Endokrinologen werden Ihnen sagen, dass ein Mangel behandlungsbedürftig sein kann. Ich sage: Er ist politisch zweckmäßig. Er verschiebt das Gespräch von der Logistik in die Biografie, von der Fabrik in die Psyche, vom leeren Regal in den vollen Mann.

Wer profitiert? Zunächst der Kriegsminister selbst. Sein Image hängt an der Erzählung, nicht an der Bilanz. Wer verschweigt? Diejenigen, die wissen wollen, wie viele PrSM noch in den Regalen liegen. Was trägt es? Eine politische Struktur, die persönliche Stärke an die Stelle kollektiver Bereitschaft setzt. Unklar bleibt, wie viele es tatsächlich sind. Genau das ist der Punkt.

Wenn das nächste Hoch-T-Ritual angekündigt wird, fragen Sie nicht, ob Ihr Nachbar genug Testosteron hat. Fragen Sie, wie viele PrSM noch übrig sind. Und behalten Sie den Kriegsminister im Blick. Er trägt seine Wunde sichtbar vor sich her.

Hagen, Rüstungsredaktion, Terminal Tribune.

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