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Terminal Tribune

6. August 2026

Dossier · Krisen & Konflikte

BAB EL-MANDEB ZU — PICKAXE BRENNT, WER ZÄHLT NOCH MIT?

6. August 2026 — Morrison, over and out.

Die Meerenge ist zu. Bab el-Mandeb — jener schmale Schlund zwischen Jemen und dem Horn von Afrika, der das Rote Meer mit dem Golf von Aden und mit dem Golf von Aden den gesamten Indischen Ozean verbindet. Wer eine der größten Pulsadern des Welthandels mit einem Mal kappen kann, der sagt der Welt eine Sache: die Regeln, die wir kennen, gelten heute nicht.

KI-generierte Illustration zum Beitrag

Ansar Allah hat sie gekappt.

Und Washington? Washington zählt die Tage.

Die Operationen der Vereinigten Staaten begannen am 27. Februar. Was als chirurgischer Schlag geplant war, kommt jetzt als blutiger Rechenfehler zurück nach Hause. Iran hat zurückgeschlagen — wie genau, das erzählen uns die Bildschirme zwischen den Werbepausen nicht. Aber irgendwo zwischen dem Pentagon und den Talkshows ist eine Sicherung durchgebrannt. Und seither fragt jeder Reporter in dieser Stadt, was zum Teufel hier eigentlich gerade passiert.

Hier ist, was ich habe. Hier ist, was ich nicht habe. Und hier ist das, was zwischen den Zeilen steht und nach Kordit riecht.

Washington Post und der Telegraph — zwei Häuser, die sich sonst nicht mal darauf einigen, welcher Tag Mittwoch ist — bestätigen in dieser Woche dasselbe: die Vereinigten Staaten können diesen Krieg nicht durchhalten. Keine Phrasen, keine Schönfärberei. Die Munition, die Logistik, die Manpower, die Zeit — nichts davon reicht. Das ist das Eingeständnis. Wer es zuerst zugibt, hat es als Waffe benutzt, lange bevor es auf der Titelseite stand.

Aber das ist nur die Bühne vor dem Vorhang.

Hinter dem Vorhang liegt Pickaxe Mountain. Eine Quelle — wir nennen sie A, weil die Leute, die mich anrufen, alle ungenannt bleiben wollen, solange die Geheimdienstakten noch warm sind — sagt: Iran hat sein Nuklearprogramm dorthin verlegt und baut die Anlagen aus, Stück für Stück. Eine andere Quelle — B — sagt das Gegenteil: Iran lügt, was die Verhandlungen angeht, und nennt den Berg eine "nukleare Festung". Verlegung klingt nach Offensive. Ausbau klingt nach Bereitschaft. Festung klingt nach Verteidigung. Lüge klingt nach Verrat.

Was davon wahr ist, weiß heute niemand. Was davon morgen wahr sein wird, weiß jeder. Und genau in diesem Zwischenraum — zwischen A und B — sitzt die Möglichkeit eines nuklearen Schlags. Sie wird erwähnt. Sie wird nicht bestätigt. Sie wird auch nicht dementiert. Das ist das Vokabular, mit dem die Apokalypse getragen wird: man erwähnt sie, ohne sie zu benennen.

Douglas Macgregor, ein Oberst mit einer Stimme wie angerosteter Stahl, hat in dieser Woche in einer Analyse gesagt, was die Generäle hinter verschlossenen Türen längst flüstern: B-52 stehen bereit. Die Maschinen, die das Ende der Welt tragen können, stehen auf den Startbahnen. Das ist nicht mehr Gerücht. Das ist Logistik. Al Jazeera füttert die Kameras täglich mit neuen Bildern — eine fact-based Anstalt in einer Woche, in der die Fakten selber nicht mehr wissen, wo oben ist.

Aber wofür? Gegen wen? In wessen Auftrag?

In Riad geht das Gerücht, dass MBS vom Thron gestoßen wurde. Ich sage ausdrücklich: Gerücht. Wer in diesem Geschäft ein Gerücht nicht vom Faktum trennen kann, hat schon verloren. Aber wenn es wahr wäre, dann wüssten wir eines: in Saudi-Arabien hat ein anderer das Steuer übernommen — und kein Mensch in Washington will uns verraten, wer.

Dann die kleine Meldung, die zwischen den Apokalypsen fast untergeht: Washington spielt mit dem Gedanken, den designierten französischen Botschafter in Washington zu Fall zu bringen. Frankreich. Unser ältester Verbündeter. Unser Schuldner. Wieso legt man sich jetzt, in dieser Woche, mit Paris an? Weil man kann? Oder weil man von irgendetwas Größerem ablenken muss?

Und während in den Korridoren die Bomben gezählt werden, ermittelt die FTC — dieselbe Bundesbehörde, die Konzerne prüft — gegen die Konsolidierung im Veterinärwesen. Hundekliniken. Katzenpraxen. Megafusionen der Tiermedizin. In einer Woche, in der Pickaxe brennt. Ich weiß nicht, ob das Absicht ist oder ob die Maschine es einfach ausspuckt. Aber es sagt mir: irgendwo da oben sitzt jemand, dem die Tiermedizin wichtiger ist als der Nahe Osten. Und das ist entweder Trost oder der Anfang vom Wahnsinn.

Evelyn singt unten im Café. Es regnet. Bourbon in der zweiten Schublade. Die Tinte auf dem Telex ist noch feucht.

Und die Wahrheit läuft irgendwo zwischen Quelle A und Quelle B. Genau wie die Zeit.

Morgen mehr — wenn überhaupt noch jemand fragt.

❖ Ende des Artikels ❖

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