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6. August 2026

Dossier · Krisen & Konflikte

DER 50-JAHR-BETRUG — Wie The Omen das Pech seiner Toten zu Geld macht

6. August 2026 — Morrison, over and out.

Bourbon steht in der Tasse. Regen steht vor der Tür. Die Schlagzeile steht in der Zeitung, und sie steht da, als hätte ein Redakteur den Teufel persönlich um einen Aufmacher gebeten: The Omen wird fünfzig. Ein Horrorfilm von 1976, ein Antichrist in Kindertracht, Gregory Peck im Anzug. Ein ganzes Genre, das damals erfand, was heute jeder dritte Streaming-Klon im Programm hat. Fünfzig Jahre. Ein rundes Jubiläum. In dieser Branche heißt das: Kasse auf, Archiv auf, Hysterie auf. Meine Frage ist nicht, ob der Dämon kommt. Meine Frage ist, wem der Laden nützt, der uns weismachen will, er komme.

KI-generierte Illustration zum Beitrag

Dann die Fakten, so nüchtern wie die Daily Mail sie auftischt. Pünktlich zum Geburtstag rollt das Boulevard die Liste aus: Blitzeinschläge, die Mitwirkende des Films trafen. Unfälle, die das Wort harmlos Lügen strafen. Tödliche Tragödien unter jenen, die an dem Film mitbauten. Und — der eigentliche Zünder der ganzen Maschine — die Beteiligten selbst begannen zu glauben, der Teufel komme sie holen. Glauben. Nicht wissen. Glauben.

In dieselben Spalten wandert, was die Welt gerade hergibt. Eine Familie aus Michigan, mit Namen Amanda, Kristopher und Karolkiewicz in der Zeitung, stirbt bei einem verdächtigen Hausbrand. Die Tinte ist noch feucht, da landet der Fall schon im Omen-Strom der Jubiläums-Berichterstattung. Ein russischer Soldat wird Berichten zufolge vom Blitz erschlagen — wieder dieselbe Tonart, wieder dieselbe Spalte, wieder der gleiche Sound aus der Maschine: Schlagwort, Tragödie, Schlagwort.

TikTok wickelt den Rest ein. Hashtags wie #OmenCurse, #CursedMovies, #HorrorHistory füttern den Algorithmus, und der Algorithmus füttert die Augen, und die Augen füttern den Glauben. Wer einmal auf so ein Video stößt, bekommt zwei weitere vorgespült. Wer zweimal hängenbleibt, hat am Ende das Gefühl, mit dem Leibhaftigen auf Du zu sein. Die Industrie braucht keine Sekte mehr. Sie hat die For-You-Seite.

Und genau hier beginnt mein eigentlicher Verdacht. Wer verdient am runden Tisch? Die Rechteinhaber, deren Katalog mit jedem Gedenkjahr an Wert gewinnt. Die Boulevard-Presse, deren Klicks mit jeder Schlagzeile vom Blitz steigen. Die Streaming-Dienste, die ihre remasterten Fassungen aus dem Regal ziehen. Die Buchläden mit ihren Bildbänden. Sogar die Sekten — ehrlich gesagt — deren Türsteher am fünfzigsten Jahrestag wieder einen Vorwand haben, an der Haustür zu klopfen. Ein ganzes Ökosystem, das vom Mist einer einzigen Schlagzeile lebt.

Was die Toten angeht — die echten, nicht die erfundenen Damien-Thorn-Opfer —, werden sie zu Requisiten umetikettiert. Ein Blitz irgendwo in der Welt wird zur Quittung. Ein Hausbrand wird zur Erfüllung. Ein Soldat auf offenem Feld wird zum Beweis, dass der Teufel seinen Vertrag nicht vergisst. Niemand prüft, ob die Blitze im wirklichen Leben dort einschlugen, wo die Regie es wünschte. Niemand will es prüfen. Die Prüfung würde das Geschäft zerstören.

Die Römer hatten ein Wort dafür: Panem et circenses. Brot und Spiele. Heute sind es Brot und Grusel. Das Publikum bekommt seine Schauer, die Industrie bekommt ihre Klicks. Was bleibt, ist ein Haufen Erinnerungen an Menschen, die eines natürlichen oder unnatürlichen Todes starben, und die jetzt als Staffage in einem Franchise dienen, das sie nie unterschrieben haben.

Evelyn singt unten. Der Bourbon ist leer. Auf dem Schreibtisch liegt der Beweis: zwei Zeitungen, drei Namen aus Michigan, ein Soldat mit Loch im Himmel, und ein fünfzig Jahre alter Horrorfilm, der niemandem mehr gehört außer denen, die daran verdienen. Öffnen wir die Augen. Der Teufel kommt nicht. Der Teufel war nie da. Was kommt, ist die nächste Jubiläumsausgabe. Und sie kommt pünktlich, mit Blitz und ohne Frage.

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