Wenn die Kasse leer ist, stirbt die Ideologie
Die Maschine rattert. Bourbon steht kalt. Evelyn unten singt einen Blues durch den Lautsprecher, und draußen regnet es auf das Pflaster von irgendwo in Amerika. Das Pflaster ist überall gleich, wenn die Zapfsäule vier Dollar zeigt.
Und hier beginnt die Geschichte.
Die Reuters/Ipsos-Umfrage, durchgeführt zwischen dem 3. und 8. Juni, zeigt einen Mann, der sich selbst nicht mehr hört. Trumps Zustimmungswert unter ländlichen Amerikanern ist auf 50 Prozent gefallen — ein neuer Tiefstwert. Die Leute, die ihn auf den Schild gehoben haben, die mit den Pickups und den kaputten Maissilos, schauen jetzt auf den Kassenzettel vom Supermarkt und finden dort keinen Gott, keinen Messias, keinen Bauern — sondern nur den Preis für Eier und Brot.
Was treibt den Absturz? Die Antwort steht in derselben Umfrage, und sie ist so unromantisch wie ein Heizöltank im Februar: Missbilligung seiner Führung in der Lebenshaltungskostenfrage und der Wirtschaft. Sprich: die Wähler haben kein Problem mit seinem Mundwerk. Sie haben ein Problem damit, was an der Kasse abgeht.
Und jetzt die Chose.
Der Mann, dessen Basis bröckelt wie die Veranda eines Farmhauses aus den Zwanzigern, hält Reden. Er warnt vor dem "Wiederaufleben der kommunistischen Bedrohung" in den Vereinigten Staaten. Er behauptet, die amerikanische Identität sei einem "erneuerten Angriff" ausgesetzt — und zwar just in dem Augenblick, in dem das Land seinen 250. Geburtstag feiert. Die Zahl stimmt. Die Pointe stimmt nicht.
Denn: Wer braucht einen äußeren Feind, wenn die eigene Brieftasche der Feind ist?
Hier beginnt die Ermittlung. Wer profitiert, wenn in Iowa, Tennessee, West Virginia die Benzinpreise steigen und gleichzeitig in Washington das Wort "Kommunist" durch jede Rede gejagt wird? Wer hat ein Interesse daran, dass der wütende Blick nach Peking oder Caracas wandert, statt auf das Regal im eigenen Kühlhaus?
Die Struktur ist alt. Sie ist so alt wie die Römer, die den Senat mit Brot und Spielen fütterten, während die Legionen das Imperium dehnten. Das Brot ist gerade teuer, und die Spiele heißen jetzt: "Kampf gegen den Kommunismus" im Jubeljahr. Die Leute sehen zu. Aber das Spiel schmeckt nach Motoröl.
Schauen wir nach Manhattan. 68 Prozent der New Yorker sagen in einer Umfrage der Honan Strategy Group, sie seien stolz, Amerikaner zu sein. Stolz in der Stadt, die Trump verachtet und die ihn verachtet. Die Stadt, die trotzdem in der Mehrheit an die Fahne glaubt. Wer also führt diesen Krieg um die "amerikanische Identität" eigentlich, gegen wen, und mit wessen Mandat?
Unklar bleibt, wem diese Choreographie nützt. Klar ist nur, dass die Verschiebung stattfindet. Die gleiche Reuters/Ipsos-Erhebung zeigt den Stimmungswandel in einer Drastik, die kein Gelaber mehr zulässt: Trumps Ansehen unter ländlichen Wählern hat sich von positiv zu negativ gedreht. Kein Schritt. Eine Wende.
Und mittendrin, fast unbemerkt: die Generation Z. Chinesischstämmige Amerikaner, geboren zwischen den Großmächten, navigieren in einer Welt, in der Washington die kommunistische Bedrohung beschwört und ihre Großeltern am Sonntag Dim Sum essen. Sie werden in keiner dieser Reden erwähnt. Sie leben die Bruchlinie.
Die wahren Statisten dieses Dramas sitzen nicht in Peking. Sie sitzen an der Zapfsäule in der Provinz. Sie sitzen am Frühstückstisch, wenn der Kaffee teurer geworden ist und der Diesel auch. Das ist der Feind, den kein Präsident mit dem Wort "Kommunist" wegwischen kann. Das ist der Feind, der zählt, abwägt, und beim nächsten Mal das Kreuz woanders setzt.
Die Trommeln in Washington schlagen weiter. 250 Jahre. Erneuerter Angriff. Kommunistische Heimsuchung. Die Trommeln schlagen, und die Brieftasche wird leichter. Das Volk hat eine alte Eigenschaft: Es vergisst die Trommeln, sobald der Magen spricht.
Was bleibt? Eine Frage, die in dieser Stadt niemand beantworten will: Wenn die Verzweiflung des Alltags stärker gegen die populistischen Versprechen zieht als jeder Feind, den Washington benennt — wie lange hält dann noch das Manöver?
Evelyn singt. Der Bourbon ist warm. Und die Maschine wartet auf den nächsten Absatz, den ich nicht mehr schreiben werde.