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Terminal Tribune

8. August 2026

Dossier · Digitales & Überwachung

Caterpillar füttert die KI — Burry wettet dagegen

8. August 2026 — — Ada Voss, auf Sendung

Die Drähte summen. Eine Maschine aus dem letzten Jahrhundert bewegt Milliarden für eine Maschine, die es angeblich noch gar nicht gibt. Caterpillar, Erbauer von Baggern, Planierraupen und Dieselgeneratoren, hat im zweiten Quartal 20,54 Milliarden Dollar umgesetzt — ein Sprung von 24 Prozent gegenüber dem Vorjahr, satte eineinhalb Milliarden über dem, was der Bloomberg-Konsens erwartet hatte. Erstmals in der Firmengeschichte über 20 Milliarden in einem einzigen Quartal. Der Bereich Maschinen, Energie und Strom wuchs um 25 Prozent auf 19,58 Milliarden. Der operative Gewinn schnellte 51 Prozent in die Höhe auf 4,21 Milliarden Dollar, weit über den geschätzten 3,5 Milliarden. Joe Creed, der CEO, spricht von Meilenstein und wachsenden Auftragsbeständen in allen drei Segmenten. Die Forschungs- und Entwicklungsausgaben stiegen um 12 Prozent auf 616 Millionen. Das Finanzsegment steuerte 962 Millionen Umsatz bei, der operative Gewinn dort kletterte 24 Prozent auf 263 Millionen.

KI-generierte Illustration zum Beitrag

Auf den ersten Blick: Triumph. Eine altehrwürdige Industriefirma reitet die KI-Welle, weil irgendwo auf der Welt Rechenzentren aus dem Boden gestampft werden. Morgan Stanley erwartet eine Billion Dollar Hyperscaler-Investitionen in diesem Jahr. Siemens Energy vermeldet parallel Rekordzahlen, der Quartalsumsatz stieg um 18,5 Prozent auf 11,45 Milliarden Euro, der Gewinn vor Sondereinflüssen hat sich mehr als verdreifacht. Das Ökosystem scheint zu funktionieren.

Doch die Frequenz, auf die ich höre, ist eine andere.

Erstens: Vor einem Monat verlor die Caterpillar-Aktie 23 Prozent — der schlimmste Monat seit 2009. Auslöser: Sorgen um die Nachhaltigkeit der KI-Ausgaben. Ausverkauf bei Stromausrüstern, weil jemand die simple Frage stellte, ob das alles bezahlt wird. Jetzt die Gegenbewegung, acht Prozent vorbörslich. Das ist kein Vertrauen. Das ist Achterbahn.

Zweitens, und das ist der eigentliche Brummton auf der Leitung: Michael Burry hat Caterpillar leerverkauft. Erstmals in seinem Leben. Auch Tesla, NVIDIA und Applied Materials stehen auf seiner Short-Liste. Burry wettet nicht gegen ein einzelnes Unternehmen. Er wettet gegen eine Erzählung. Welche?

Die Erzählung lautet: KI-Rechenleistung ist endlos gefragt, Stromnetze wachsen mit, Kapital fließt weiter, irgendwann rechtfertigt die Rendite die Investition. Burry sagt offenbar: nein. Oder: zu teuer. Oder: zu früh.

Was sieht er, was die Börse nicht sehen will?

Die Rechenzentren brauchen Strom. Sie brauchen Wasser — die AIDataCenterMap zeigt über fünftausend Standorte in den USA, überlagert mit Wasserstress und erschöpften Aquiferen. Sie brauchen Land, Genehmigungen, eine Bevölkerung, die Lärm, Abwärme und steigende Strompreise hinnimmt. All das steht nicht in den Quartalszahlen. All das ist unsichtbar — bis es es nicht mehr ist.

Die traditionellen Industrien, die Caterpillar einst bediente — Straßenbau, Bergbau, Landwirtschaft —, was geschieht mit ihnen? Sie konkurrieren jetzt um dieselben Ressourcen mit Rechenzentren, die mehr zahlen können. Der Kapitalismus hat keine Hierarchie der Wichtigkeit. Er kennt nur Preise. Und wer am meisten zahlt, bekommt das Land, das Wasser, den Strom.

20,54 Milliarden in drei Monaten. Eine Maschine, die Bagger verkauft, nährt eine Maschine, die Antworten generiert, die niemand wirklich versteht. Wer kontrolliert diese Verbindung? Wer profitiert, wenn der Algorithmus Gewicht bekommt? Wer zahlt, wenn die Bagger stillstehen und die Server weiterlaufen?

Unklar bleibt, ob Burry die richtige Wette platziert hat. Unklar bleibt, ob die Billion an Hyperscaler-Kapital tatsächlich fließt oder nur auf den Bilanzen steht, bis jemand den Stecker zieht. Klar ist: Wenn der schwerste Name der alten Industrie vom leichtesten Versprechen der neuen zehrt, dann ist Vorsicht keine Paranoia. Dann ist sie das Handwerk.

Die Drähte summen weiter. Ich höre zu.

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