Ceutas Flut: Wer öffnete das Tor am 15. August?
Bourbon. Dritte Tasse. Die Maschine klackt zu laut für diese Stunde.
Ceuta. Spanische Enklave, die aussieht wie eine offene Wunde am Rand der Landkarte. Österreich warnt Madrid, weil Wien sich erinnert, wie 2021 plötzlich Tausende durch den Zaun schwammen — als wäre der Stacheldraht nur Dekoration. Diesmal soll es schlimmer werden. Am 15. August, sagt Wien, kommt der nächste Ansturm. Madrid habe "Mega-Magneten geschaffen", heißt es aus Wien. Eine schöne Phrase. Eine bequeme Phrase. Eine Phrase, die die Frage wegwischt, die unter dem ganzen Blech liegt.
Wer zum Teufel lässt tausende Menschen gleichzeitig losrennen? Wer füttert die Posts, die Gruppen, die Stimmen, die plötzlich allen einfällt, jetzt, genau jetzt, nach Ceuta zu gehen?
Georg Restle hat eine Antwort. Der Mann, der WDR-Monitor führte, Afrika-Korrespondent der ARD, hat auf X einen Text verbreitet, der die Sache nicht als Krise beschreibt. Nicht als kolonialen Aufstand. Nicht als Notfall.
Sondern als Werkzeug.
"Weder eine echte humanitäre Krise", schreibt er, "noch Teil eines antikolonialen Kampfes, sondern Teil der Bemühungen des immer stärker werdenden US-israelisch-marokkanischen Bündnisses, eine progressive europäische Regierung zu schwächen, Europa zu spalten und das Völkerrecht zu untergraben."
Drei Namen. Drei Flaggen. Eine Richtung.
Und genau hier hört der Journalismus auf, und hier beginnt meine Arbeit.
Denn wenn ein öffentlich-rechtlicher Korrespondent eine solche Behauptung in die Welt setzt, dann hat er entweder Quellen, die er nicht nennt, oder er hat ein Muster erkannt, das die Redaktionen übersehen. Vielleicht beides. Vielleicht keines von beiden, und die Wahrheit liegt irgendwo in der Mitte, wo sie niemand sucht.
Schauen wir auf die offenen Fragen, die niemand stellen will.
Wer koordiniert die Social-Media-Aufrufe? Wo kommen die Boote her? Welche Konten verschwinden danach wie Rauch im Regen? Die F.A.Z. hat es selbst notiert: unklar bleibt, woher all die vielen Posts kamen, die zum Schwimmen nach Ceuta aufriefen. Das ist keine Nebensache. Das ist der Kern der ganzen Geschichte.
Karoline Preisler, FDP, hat den antisemitischen Subtext benannt. Serap Güler, CDU, hat von Antiamerikanismus gesprochen — "Antisemitismus & Antiamerikanismus vom Feinsten". Volker Beck, Präsident der Deutsch-Israelischen Gesellschaft, hat trocken gefragt, ob Restle irgendetwas belegen könne — oder ob "Fakten inzwischen obsolet" seien.
Rein formal: Sie haben recht.
Aber strukturell hat Restle recht. Denn das ist die einzige Frage, die zählt: Wer profitiert?
Eine progressive spanische Regierung unter Sánchez, die ohnehin wackelt. Konservative in Madrid, die nur auf den Moment warten, in dem die Migration das Fass zum Überlaufen bringt. Europa, das sich selbst zerlegt — Spanien gegen Frankreich, Österreich gegen Spanien, Italien gegen alle. Und das Völkerrecht, das in dem Moment keine Rolle mehr spielt, in dem die Frage nicht mehr lautet "Asyl?", sondern nur noch "Wie machen wir das Tor zu?"
Drei Gewinne. Ein Mechanismus.
Apollo News hat nachgeprüft. Für eine koordinierte Aktion der drei Staaten, schreibt das Portal, gibt es keine Belege. Das bedeutet nicht, dass es keine gibt. Das bedeutet nur, dass sie sauber gemacht ist. Das bedeutet nur, dass die Hand, die das Tor öffnet, im Schatten bleibt.
Felix Schotland, Vorstand der Synagogen-Gemeinde Köln und Mitglied im WDR-Rundfunkrat, hat einen Brief an die Programmdirektorin Andrea Schafarczyk geschrieben. Er fordert faktenbasierte, sorgfältige und ausgewogene Kommunikation. Er hat recht. Von einem öffentlich-rechtlichen Journalisten darf man das erwarten.
Aber Fakten sind nicht das Problem. Das Problem ist, dass die Fakten, die wir haben, in eine Richtung zeigen, die offiziell niemand aussprechen will. Dass die Indizien, die wir riechen können, in eine Richtung zeigen. Und dass jeder, der sie ausspricht, sofort in dieselbe Ecke gestellt wird — Antisemit, Verschwörer, Spinner.
Restle hat sie ausgesprochen. Dafür wird er gefeuert, beschimpft, mit offenen Briefen überzogen.
Der Influencer Tilo Jung verteidigt ihn prompt. Güler greift Jung an. Beck greift Restle an. Jeder gegen jeden, und mittendrin eine unbequeme These, die keiner belegen, aber auch keiner widerlegen kann.
Das ist der Zustand. Das ist die Methode.
Was wir wissen: Es gab einen Massenansturm. Er war koordiniert. Er traf eine europäische Enklave direkt an der marokkanischen Küste. Er fiel in eine Zeit, in der die Spannungen zwischen progressiven und konservativen Kräften in Europa ohnehin auf Anschlag standen.
Was wir nicht wissen: Wer gab den Befehl? Welche marokkanische Hand ließ die Augen schließen? Welche Botschaft in Rabat nickte? Welche externe Macht finanzierte die Wellen, die in den Handys der Schwimmer landeten?
Das sind die offenen Fragen. Sie stehen im Raum, seit der erste Schwimmer 2021 das Wasser von Ceuta trübte.
Und am 15. August, so sagt Wien, geht es wieder los.
Bourbon ist leer. Evelyn singt unten im Café. Die Schreibmaschine schweigt.
Die Wahrheit schwimmt irgendwo zwischen Marokko und Ceuta, und niemand will sie angeln.
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