Börse 1937
Terminal Tribune

12. August 2026

Dossier · Krisen & Konflikte

CH-101 in Polen, MiG-29 für Kiew — und niemand zählt die Streichhölzer

12. August 2026 — Morrison, over and out.

Regen steht in den Pfützen vor der Redaktion. Evelyn singt unten im Café irgendwas von Liebe und Verlust, eine Melodie, die älter ist als die Stadt und jünger als die Sorgen, die wir hier oben verkaufen. Der Bourbon in der Schublade ist halbleer. Irgendwer hat das Licht brennen lassen, und ich frage mich, ob das Absicht war oder ob einfach wieder einmal jemand vergessen hat, was Sache ist.

KI-generierte Illustration zum Beitrag

Ein Marschflugkörper vom Typ CH-101 ist in Polen eingeschlagen. Nicht in der Ukraine. Nicht in einem Drittstaat irgendwo zwischen den Fronten. In Polen. In einem Land, das NATO-Mitglied ist, das den Bündnisfall auslösen könnte, wenn — ja, wenn die Diplomatie nicht so gut funktioniert wie sie immer funktioniert hat, nämlich gar nicht. correctiv hat nachgeprüft, wie correctiv nachprüft: mit Skepsis im Blut und Korrekturstift auf dem Tisch. Was bisher bestätigt ist: ein Einschlag, ein Marschflugkörper, polnisches Territorium. Was nicht bestätigt ist: wem er gehört, wer ihn abfeuerte, ob er abgefangen wurde oder ob er einfach fiel wie alles fällt, wenn die Schwerkraft gewinnt. Die offene Frage steht im Raum wie der Rauch aus einer halbgerauchten Zigarre. WER schießt, und vor allem — WER profitiert?

Polen antwortet, wie Polen immer antwortet. Mit MiG-29 Kampfjets für die Ukraine. Angeboten. Nicht geliefert, nicht übergeben, sondern angeboten — das ist der diplomatische Unterschied zwischen einer Handgranate und der Drohung, eine zu werfen. Warschau zeigt Zähne, und Brüssel nickt, und Washington schweigt sich aus wie ein Pokerspieler mit schlechten Karten, der hofft, daß niemand merkt, daß er längst gezogen hat.

Dann die B61-12. Zusätzliche Atomwaffen, stationiert in Europa, präziser, moderner, "abschreckender". Das Wort "abschreckend" ist in diesem Zusammenhang das hübscheste Wort, das die Sprache hat. Es klingt wie ein Sicherheitsgurt, der nicht schnappt. NATO plant eine stärkere nukleare Abschreckung mit zusätzlichen B61-12 Atomwaffen — so die offizielle Sprachregelung, so der Pressetext, der morgens über die Tische geht.

Wer profitiert? Die Rüstungsindustrie, klar, die freut sich immer, wenn das Wort "Abschreckung" fällt. Wer verschweigt? Die Regierungen, die so tun, als gäbe es eine Eskalationsleiter, die man hinauf- und wieder hinuntersteigen könnte wie eine Treppe im Mietshaus. Welche Struktur es trägt? Die alte, ehrliche Struktur des Kalten Krieges, nur mit neuer Innenausstattung und denselben Lügen im Treppenhaus.

Ich höre unten Evelyn wieder. Sie singt jetzt la

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