Börse 1937
Terminal Tribune

15. August 2026

Dossier · Krisen & Konflikte

Mamdanis Luxussteuer kehrt zurück — und Genf brennt bereits

15. August 2026 — Morrison, over and out.

Morrison, Terminal Tribune

KI-generierte Illustration zum Beitrag

Draußen regnet es. Evelyn singt irgendwo unten im Café — etwas von verlorenen Stunden und zu hohen Mieten. Passt. Passt immer.

In Manhattan hat ein Berufungsgericht die Blockade gegen Mamdanis sogenannte Pied-à-terre-Steuer aufgehoben. Eine juristische Schleuse öffnet sich. Die Steuer, gedacht als Stachel im Fleisch jener Zweitwohnungsbesitzer, die ihre Appartements in TriBeCa und am Central Park West parken wie Bargeld in einer Sicherheitsbox — diese Steuer atmet wieder.

Dass ein Richter den Weg freigibt, ist das eine. Dass in derselben Woche aus Genf eine Welle von Einbrüchen in Luxusvillen gemeldet wird, ist das andere. Die Quellenlage? Dünn wie ein Mietvertrag in der Bronx. Eine Meldung, keine Bestätigung durch zweite Hand, keine zweite Quelle, keine Gegenstimme. In diesem Haus nennen wir das: unbewiesen. Verdächtig. Aber das Muster sitzt wie ein Tonic nach zu vielen Runden.

Denn seien wir ehrlich: Wenn das Vermögen sich in immer weniger Hände sammelt — in Manhattan wie am Genfersee —, dann wachsen die Mauern, aber auch die Augen, die diese Mauern anstarren. Die Römer hatten ihre Latifundien, bewacht von Sklaven. Wir haben unsere Pied-à-terre, bewacht von Concierges und diskreten Anwälten. Die Steuer ist der Versuch des Staates, sich zwischen die Besitzer und die Bewacher zu klemmen. Und die Einbrecher? Die sind die dritte Kraft. Die unausgesprochene. Die, über die niemand spricht, weil sie das saubere Narrativ vom "rechtsstaatlichen Konflikt" beschmutzen.

Die Faktenlage, soweit sie von außen bestätigt ist: Mamdani, Bürgermeister von New York City, hatte die Luxussteuer für Zweitwohnungen eingeführt — eine Sonderabgabe auf jene Immobilien, die das halbe Jahr leer stehen und das andere halbe Jahr von irgendwelchen Fonds verwaltet werden. Ein Richter hatte sie per einstweiliger Verfügung gestoppt. Jetzt hat ein Berufungsgericht diesen Stopp aufgehoben. Mamdani kündigte an, weiterzukämpfen. Trump kritisierte das Vorhaben aus seinem Washingtoner Sessel heraus. Die Stadt kämpft auf zwei Fronten — juristisch und politisch-national. Stadt gegen Eigenheimbesitzer. Stadt gegen eine Welle, die das "Tax the rich"-Mantra längst als Kommunismus verkauft.

Was verschweigt das System? Zunächst einmal dies: Wer in Genf genau betroffen ist, wie viele Villen, welche Täter, welche Beute — all das steht in keiner unabhängig verifizierten Quelle. Nur eine Meldung. Dunkel. Wenn ich einen Tipp abgeben dürfte: Die wahren Besitzer jener Genfer Anwesen mit Seeblick sitzen selten dort. Sie sitzen in London, in Dubai, in Singapur, und eben in Manhattan. Die Steuer in New York trifft sie nicht in Genf. Aber der Geist der Besteuerung — der reist. Er reist mit dem Geld. Und er reist mit dem Unbehagen, das bleibt, wenn die Alarmanlagen ausfallen.

Die Struktur hinter dem Vorhang ist immer dieselbe, ob in Manhattan oder am Léman: Eine Klasse besitzt, eine andere bewacht, eine dritte beobachtet — und irgendwann greift eine vierte zu. Die Steuer ist der Versuch der Staatsmacht, sich zwischen die erste und die zweite Klasse zu drängen und die vierte Klasse in Schach zu halten. Das Berufungsgericht hat gerade entschieden, dass dieser Versuch weitergehen darf. Offen bleibt — und hier muss jeder Leser selbst weiterdenken, denn belegen kann ich es nicht —, ob die juristische Öffnung mehr ist als ein Pyrrhussieg. Denn wenn die Steuer kommt und das Kapital ausweicht, wenn die Villen leer stehen und die Alarmanlagen schweigen, dann hat am Ende niemand gewonnen. Außer jenen, die längst wissen, dass Vermögen keine Adresse hat. Es hat nur Anwälte. Und Schlüssel zu Türen, die niemand offiziell besitzt.

Es gibt eine alte Regel im Gerichtssaal: Wer die Fakten hat, hat die Macht. Wer die Fakten nicht hat, hat die Panik. In Genf hat offenbar niemand genug Fakten. In Manhattan hat man gerade genug, um weiterzukämpfen. Der Regen vor meinem Fenster hört nicht auf. Evelyn singt wieder. Und irgendwo in einer Schweizer Villa öffnet sich gerade eine Tür, zu der niemand den Schlüssel hat — außer denen, die schon längst drin sind.

❖ Ende des Artikels ❖

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