Hochschulen horten KI, Kaliforniens Jugend greift zum Werkzeug
Die Drähte summen. Nicht die alten Kupferdrähte meiner Telegraphistenzeit – neue Frequenzen, neue Signale. Was ich höre: Die elfenbeinerne Fassade der akademischen Bildung zerbröckelt, während die Hochschulbürokratie Millionen in fragwürdige Maschinen pumpt. Die Jugend steht nicht mehr Schlange vor dem Hörsaal. Sie steht vor dem Schweißgerät.
Die Faktenlage ist eindeutig, auch wenn sie aus einer einzigen Quelle stammt – und deshalb mit Vorsicht zu genießen. Kaliforniens Jugend wendet sich ab. Die Einschreibungen an berufsorientierten öffentlichen zweijährigen Colleges stiegen im Frühjahr 2026 laut dem Clearinghouse-Bericht um weitere 2,8 Prozent – rund 24.000 Studierende. Junge Leute unter 21 verdienen als Rammführer und Schweißer Berichten zufolge mehr als 100.000 Dollar im Jahr, vor ihrem einundzwanzigsten Geburtstag. Die Angst vor KI, die weiße Kragen ersetzt, treibt sie in die Werkhalle. Die Rationalität ist eiskalt: Warum einen Studienkredit aufnehmen, dessen Rendite schrumpft, während die Hände Arbeit finden, die keine Maschine – noch – übernimmt?
Die Hochschulen antworten auf diese Realität mit – Maschinen. Kaliforniens Colleges investieren Berichten zufolge Millionen in künstliche Intelligenz. Chatbots sollen Studierende beraten. Dieselben Berichte, die diese Investitionen preisen, melden: Die Systeme sind veraltet, fehlerhaft, oder beides. Hier setzt meine Lupe an. Wer profitiert, wenn eine Verwaltung Millionen in Software steckt, die nicht funktioniert? Die Anbieter, die verkaufen. Die Berater, die implementieren. Die Hochschulleitung, die im Jahresbericht von „Innovation" spricht, während die Studierenden an der Türschwelle kehrtmachen.
Die Struktur ist die alte: Institutionen, die ihre Selbsterhaltung über ihren Auftrag stellen. Das California Community Colleges Chancellor's Office hat die Berufsbildung ins Zentrum seiner „Vision 2030"-Initiative gerückt – immerhin. Der Staat ist der größte Anbieter von Workforce-Training in den USA, so die Berichte. Das ist die eine Seite. Die andere: Dieselbe Bürokratie, die jetzt Ausbildung feiert, hat zuvor jahrzehntelang das Versprechen des vierjährigen Abschlusses als einzigen Aufstiegspfad verkauft. Jetzt, da die Kosten explodieren und der Arbeitsmarkt neu sortiert, wird die Werkstatt als „alternative Karriere" umetikettiert. Es ist keine Alternative. Es ist die Rückkehr zur Mitte, die man der Jugend lange ausgeredet hat.
Der Bruch, der mich nicht schlafen lässt, ist nicht der zwischen Schweißbrille und Smartphone. Er ist der Bruch zwischen den Bilanzen der Hochschulen und den Lebensläufen der Achtzehnjährigen. Auf der einen Seite: Investitionen in KI, deren Nutzen fraglich ist, deren Fehler dokumentiert sind. Auf der anderen: junge Menschen, die handwerkliche Berufe wählen, nicht aus Romantisierung, sondern weil die Rechnung aufgeht. Wer kontrolliert diese Maschinen? Wer prüft sie? Welche Rendite liefern sie – den Studierenden, oder den Herstellern?
Unklar bleibt, welche konkreten Colleges die Millionen ausgegeben haben, welche Anbieter hinter den Chatbots stehen, und wie viele Studierende durch fehlerhafte KI-Beratung falsche Weichenstellungen trafen. Die Quellenlage ist dünn. Doch das Schweigen ist laut. Wo Millionen fließen, fehlen selten die Empfänger – sie fehlen nur in der öffentlichen Rechenschaft.
Die Mittelschicht, die ich meine, ist nicht die der Statistik. Es ist die Mittelschicht der Achtzehnjährigen, die noch glauben, sie könnten alles werden. Wenn die Institutionen, die diesen Traum verwalten, gleichzeitig das Geld für Werkzeuge ausgeben, die diesen Traum nicht halten können, dann ist das kein Versagen. Dann ist das ein Geschäftsmodell. Die Frage, die wir stellen müssen, ist nicht zuerst: Was passiert mit den Teens? Die Frage ist: Wer hat dieses System gebaut – und warum funktioniert es nur für die, die es verkaufen?
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