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Terminal Tribune

17. August 2026

Dossier · Krisen & Konflikte

BOARD OF PEACE – ERSTE TAT: EIN STÜTZPUNKT

17. August 2026 — — Hagen, Oberstleutnant a.D.

Zwei Worte wiederhole ich, bis sie blutig werden, weil jeder sie benutzt und keiner meint, was er sagt: „langer Prozess". Wer so redet, sagt: Ich werde nichts tun, aber sag es höflich.

KI-generierte Illustration zum Beitrag

Ein Board-of-Peace-Offizieller hat diese Woche dem Sender Al Jazeera gesagt, der Fokus liege auf der Umsetzung des Gaza-Fahrplans, „aber ein langer und schwieriger Prozess liegt vor uns". Das klingt nach Geduld. Geduld wovon? Geduld wofür?

Schauen wir nach, was im selben Atemzug beschlossen wurde.

Der erste Bauvertrag, den dieses Gremium unter dem Vorsitz des amerikanischen Präsidenten, mit seinem Schwiegersohn und seinem Freund an der Spitze, in Gaza unterschrieben hat, ist kein Spatenstich für eine Schule. Kein Krankenhaus. Keine Wasserleitung. Es ist eine „rudimentäre" Militärbasis, hundert mal hundertzwanzig Meter, Platz für hundertfünfzig Soldaten aus Marokko. Vergeben an Arkel International aus Louisiana. Dieselbe Firma, die für die US-Regierung im Irak gearbeitet hat. Wieder ein Aufbau. Wieder mit amerikanischem Auftragnehmer. Wieder unter Besatzungsbedingungen.

Die Basis liegt in dem Teil Gazas, den die israelische Armee direkt kontrolliert – sechzig Prozent des Streifens – plus der Pufferzone dahinter. Etwa eine Meile von der israelischen Grenze. Mit „schnellem Extraktionsweg". Für den Fall, dass die kleine Truppe angegriffen wird. Man baut den Fluchtweg vor dem Schutz. Das sagt mehr als jede Pressekonferenz.

Die marokkanischen Soldaten sollen aus Israel heraus rotieren. Aus Israel. Nicht aus Gaza, nicht aus Ägypten, nicht aus eigenem Hoheitsgebiet: von der anderen Seite der Grenze. Sie sind Gäste, die der Gastgeber ein- und ausfliegt. Das ist keine Stabilisierungstruppe. Das ist eine Einladung mit Rückfahrkarte.

Und jetzt zählen wir nach. Wer profitiert von diesem Vertrag? Arkel International. Wer kontrolliert das Territorium, auf dem gebaut wird? Israel. Wer liefert die Truppen, die dort wohnen sollen? Marokko. Wer hat die „Palästinensische Technokratengruppe" – das sogenannte Nationalkomitee für die Verwaltung Gazas – überhaupt eingesetzt? Dieselbe „Peace"-Behörde, die jetzt ihre eigenen Verträge schreibt. Es ist eine geschlossene Kette. Kein Glied davon ist palästinensisch.

Trump habe angekündigt, Hamas habe zugestimmt, sich zu entwaffnen. Doch es gibt, so die Quelle, „erhebliche Fragen", wie die Gruppe ihre Waffen abgeben soll. Die Antwort kommt aus dem Lager selbst: Ein Hamas-Funktionär namens Ghazi Hamad hat klargestellt, die Organisation werde nicht beginnen, ihre Waffen abzugeben, bis Israel sich vollständig aus Gaza zurückgezogen und seine Verpflichtungen erfüllt habe. Der gesamte Fahrplan ist nach Lesart von i24NEWS an einen israelischen Rückzug „in Phasen" gekoppelt. Israel hat den Plan abgelehnt. Israel hat die Luftangriffe verstärkt, nachdem Trump die Ankündigung gemacht hat.

Sehen Sie das Muster?

Die „Peace"-Behörde verhandelt über Waffenabgabe. Sie gibt keinen Quadratmeter Boden frei, der nicht bereits unter israelischer Kontrolle steht. Israel sagt: Erst die Waffen, dann reden wir. Hamas sagt: Erst der Abzug, dann die Waffen. Beide Seiten bekommen genau das nicht, was sie fordern – und genau das ist der Punkt. Ein „langer Prozess" ist nützlich, solange er den Status quo nicht antastet. Wer den Prozess am Laufen hält, ohne ihn je zu Ende zu bringen, hält auch die Waffen am Schweigen und die Toten unter dem Beton.

Achttausend Menschen werden noch unter den Trümmern Gazas vermisst. Seit dem Waffenstillstand am elften Oktober vergangenen Jahres sind mindestens 1.254 Menschen getötet und 4.121 verletzt worden. Die Gesamtzahl seit Oktober 2023: 73.300 Tote, 174.000 Verwundete. Diese Woche bargen Rettungskräfte neunzehn Leichen aus einem Wohnhaus in Gaza-Stadt, die meisten Frauen und Kinder. Vier Tage händisches Graben. Keine schweren Maschinen. Chronischer Mangel, sagt der Zivilschutz.

Und der erste Bauvertrag dieser Kommission? Eine Kaserne mit Fluchtweg.

Ich erinnere mich an Versailler Kommissionen, an Mandatsverwaltungen, an jede „Übergangsbehörde", die mit dem Versprechen auf Frieden antrat und mit der Geographie der Besatzung endete. Die Begriffe wechseln. Die Baupläne bleiben. Und eine Behörde, die sich – wie durchgesickerte Dokumente belegen – selbst Immunität zusprechen will, ist keine Vermittlerin. Sie ist ein Akteur mit Eigeninteresse. Wer sich selbst schützt, bevor er den Schutzbefohlenen hilft, hat die Reihenfolge verstanden, auch wenn er sie nicht ausspricht.

Drei Fragen bleiben offen, und ich werde sie stellen, bis sie jemand beantwortet: Wer hat den Mangel an schwerem Gerät in Gaza zu verantworten, während marokkanische Truppen in einer US-Baustelle einquartiert werden? Wie kann ein Fahrplan „umgesetzt" werden, dessen wichtigste Partei ihn ablehnt und gleichzeitig bombardiert? Und was kostet ein „langer Prozess", gemessen in Körpern unter Beton?

Ich habe in zwei Kriegen gedient. Ich weiß, wie man Frieden verspricht. Ich weiß auch, wie man ihn aufschiebt. Hier, fürchte ich, wird beides in derselben Betonmischung geliefert.

❖ Ende des Artikels ❖

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