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17. August 2026

Dossier · Digitales & Überwachung

Stille Turbinen, leere Stauseen: Telanganas Energiekette bricht

17. August 2026 — — Ada Voss, auf Sendung

457 von 621 Mandals – das sind 74 Prozent. So viel Land steht in Telangana unter einem Szenario, das jeder Meteorologe höflich „dürreähnlich" nennt und das in Wahrheit ein kollektiver Kollaps ist. 399 Mandals mit defizitärem Niederschlag, 58 mit großen Defiziten. 442 Mandals verteilen sich über die 32 ländlichen Distrikte. Sogar in Hyderabad zählt man 13 defizitäre Mandals, zwei davon schwer. Wenn die Hauptstadt selbst trockenfällt, ist das kein Wetterbericht mehr. Das ist eine Strukturfrage.

KI-generierte Illustration zum Beitrag

Die Geschichte beginnt nicht über Hyderabad. Sie beginnt in Maharashtra, in Karnataka – in den Einzugsgebieten, die Telangana nicht kontrolliert. Niemand auf der Klaviatur der Staatsregierung spielt dort mit. Erste Frage: Wer hat die Energieplanung eines Staates auf Quellen gestützt, die außerhalb seiner Gerichtsbarkeit liegen?

Die Zahlen, die The Hindu am 28. Juli veröffentlichte, lesen sich wie eine Obduktion. Außer dem Nagarjunasagar-Projekt hat kein einziges der großen Staubecken im Krishna- und Godavari-Becken auch nur fünf Tmc ft Hochwasser erhalten – die Untergrenze, an der eine Turbine zu singen beginnt. Almatti in Karnataka hat 120 Tmc ft gesehen, Narayanpur 30. Das Wasser floss – aber nicht nach Telangana. Es blieb im Oberlauf, in Dämmen, die ein anderer Staat kontrolliert. Srisailam, das Flaggschiff der Genco, steht bei 41,28 Tmc ft gegen eine Kapazität von 215,81. Rund ein Fünftel. Jurala, das Eingangstor des Krishna für die Telugu-Staaten, hat neun Tmc ft erhalten. Im Vorjahr waren es 134 – in Mai und Juni.

Hier liegt die Struktur, die es aufzudecken gilt. Im Mai 2025 liefen die Generatoren in Jurala auf Hochtouren. In diesem Jahr: zwei Monate Verspätung. Erst am 7. August nahmen die Jurala- und Lower-Jurala-Hydro-Stationen der TG-Genco die Arbeit wieder auf – 70 Millionen Einheiten an einem Tag, gespeist von 20.000 Cusecs aus dem Oberlauf. Sieben Wochen Stillstand. Sieben Wochen, in denen Megawatt ausfielen, die sonst billig sind. Billig ist hier das entscheidende Wort.

Denn was passiert, wenn billiger Wasserstrom ausfällt? Die Lücke füllt thermische Erzeugung. Wer an ihrem Verkauf verdient, weiß einen dürren Monsun zu schätzen. Die Hans India zitierte am 7. Juli Beamte ungewöhnlich offen: „Wasserstände auf Allzeittief, keine Hydel-Erzeugung in irgendeinem TG-Genco-Kraftwerk. Wegen der Nichtverfügbarkeit von Hydel-Strom zu günstigen Preisen…"

Der Satz bricht ab. Was nach den drei Punkten kommt, ist die Rechnung, die der Verbraucher zahlt. 6.699 Millionen Einheiten Strom wurden in 25 Julitagen verbraucht – ein Verbrauchssprung in einem Staat mit wachsender Industriekapazität. Die Nachfrage war da. Das Angebot war Wasser. Wasser war nicht da.

Wer zahlt den Preis? Die Industriekapazität Hyderabads und der 32 ländlichen Distrikte. Die Spinnereien, die Pharmawerke, die IT-Kühlung. Sie sitzen auf einer Energiekette, deren schwächstes Glied nicht das Kabel ist, sondern der Monsun über dem westlichen Ghats. Das ist kein Naturereignis. Das ist eine Planungsfrage.

Die zweite Frage: Warum wird das Trinkwasser-Argument vor das Energie-Argument geschoben? Eine Meldung dieser Woche versichert, Telangana werde keinen Trinkwassermangel erleiden, die großen Reservoirs reichten für den Hausgebrauch. Das ist beruhigend. Es ist auch ein Ablenkungsmanöver. Trinkwasser und Industriestrom bedienen nicht dasselbe Reservoir. Wenn die Behörden die Trinkwasserversorgung als gesichert verkaufen, verschweigen sie, dass die Energiebasis auf einem Bein steht – und dieses Bein ist jetzt gebrochen.

Am 7. und 8. August kam der Regen. Die Godavari bei Bhadrachalam stieg auf 28,70 Fuß. Am Kadem-Projekt wurden 16 von 18 Toren gehoben, am Taliperu zwölf. Sripada Yellampalli füllte sich auf 145,89 Meter, nur zwei unter Maximum. Das liest sich wie Entwarnung. Ist es nicht. Es ist die Gnade einer Woche. Die Frage bleibt: Was geschieht im September, wenn der Monsun nachlässt und die Speicher erneut auf das Niveau von 41,28 Tmc ft sinken, gegen 215,81?

In einem Senderaum hätte ich gesagt: Das Kabel ist dünn, der Mast wackelt, aber jemand verkauft die Stromrechnung. Man hat mir einmal gesagt, dieser Beruf sei für die Frequenzen, die andere nicht hören wollen. Recht hat er. Hier, im Jahr 2026, mitten in einem El-Niño-Zyklus, der vorhersehbar war, ist die Mechanik dieselbe. Wer die Hydel-Versicherung nicht in den Plänen hatte, verkauft jetzt die Thermalrechnung. Der Verbraucher ist der Bauer im Mandal, der Ingenieur in Hyderabad, die Hausfrau in Karimnagar. Sie zahlen den Preis einer Energiepolitik, die auf Regen gebaut war statt auf Redundanz.

Unklar bleibt, welche konkreten Verträge die TG-Genco derzeit mit thermischen Erzeugern nachschiebt, wer die Margen abschöpft, und ob die Regulierungsbehörde Tariferhöhungen prüft, die jetzt unausweichlich kommen. Die Akten sind nicht öffentlich. Sie sollten es werden.

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