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Terminal Tribune

19. August 2026

Dossier · Krisen & Konflikte

GLEICHE HAND, NEUE FLAGGE — Syriens Vettern kassieren weiter UN-Gelder

19. August 2026 — Morrison, over and out.

Der Bourbon steht kalt auf dem Schreibtisch, das Licht der Laterne unten zittert im Regen, und aus Damaskus kommt ein Duft, den jeder kennt, der schon einmal eine Zeitung gelesen hat: der Gestank nach altem Geld in neuen Händen.

KI-generierte Illustration zum Beitrag

Denn während die neuen Herren Syriens dieser Tage der Welt verkünden, sie würden das Nuklearprogramm der Assad-Ära nun UN-Inspektoren öffnen — als Beweis ihrer neuen Transparenz, als Geste des guten Willens —, fließen unter dem Deckmantel der humanitären Hilfe weiter Millionen an jene Firmen, deren Papiere noch nach dem alten Regime riechen. Die Flagge ist gewechselt. Die Kasse ist es nicht.

Die investigativen Daten, die in den letzten Monaten an die Öffentlichkeit gelangten, sind kein Gerücht und kein Zufall. Eine Recherche des International Consortium of Investigative Journalists, dokumentiert im Dezember 2025, hat offengelegt, dass die Vereinten Nationen einem syrischen Sicherheitsunternehmen mit nachgewiesenen Verbindungen zum Assad-Regime rund elf Millionen Dollar überwiesen haben. Elf Millionen, die — so legen die Unterlagen nahe — durch ein System flossen, das jene Akteure fütterte, die für Verschwinden, Folter und Massaker verantwortlich zeichneten. Das war nicht im letzten Jahrzehnt. Das war letzten Dezember.

Wer glaubt, der Sturz des Regimes habe diese Adern trockengelegt, hat die Akten nicht gelesen. Schon im Oktober 2022 hatte eine Untersuchung von Middle East Eye ein Muster freigelegt, das sich durch die ganze Hilfsarchitektur Syriens zog: Insider und Verwandte des Regimes schöpften profitable Summen aus UN-Verträgen. Ein Unternehmen, das mit Maher al-Assad, dem Bruder des gestürzten Präsidenten, in Verbindung gebracht wird, soll von Weltgesundheitsorganisation, Welternährungsprogramm und weiteren UN-Institutionen Aufträge im Wert von etwa 2,3 Millionen Dollar erhalten haben. Das Muster ist alt. Die Akteure sind es auch.

Nun, nach dem Zusammenbruch der alten Ordnung, die nächste Runde. Auch unter den neuen Machthabern Syriens, so belegen es aktuelle Erhebungen, vergibt die UN weiter Verträge in Millionenhöhe an Firmen mit Assad-Ära-Verbindungen. Die Summen mögen sich geändert haben. Die Adressaten, so scheint es, sind auffallend ortsfest.

Die Frage, die kein Pressesprecher dieser Welt beantworten will, ist so simpel wie unbequem: Wer sitzt in den Vergabegremien? Welche Namen tauchen in den neuen Verträgen wieder auf, die schon in den alten standen? Und wer hat ein Interesse daran, dass die Weltöffentlichkeit ausgerechnet jetzt auf das Atomprogramm schaut — während im Hintergrund die Kassen klingeln?

Hier beginnt die Arbeit, die kein offizielles Diktat leistet. Die Nachricht, dass Syrien seine nuklearen Archive für UN-Ermittler öffnet, ist zweifellos ein Signal. Doch sie ist auch ein Vorhang, hinter dem sich das eigentliche Geschäft vollzieht. Atominspekteure bekommen Akteneinsicht. Buchprüfer bekommen Schweigen.

Wer profitiert? Welche Strukturen tragen das Ganze? Das sind die zwei Fragen, die jede neue Regierung Syriens beantworten muss, bevor sie den Stempel der Legitimität erhält. Offen bleibt — und hier ist die Zurückhaltung des Reporters Pflicht —, welche konkreten Firmen heute unter den neuen Machthabern den Zuschlag erhalten. Namen, Summen, Vergabeverfahren: Die Hinweise verdichten sich, der vollständige Beleg steht aus. Wer hier spekuliert, schreibt kein Stück Investigativjournalismus, sondern eine Einladung an die Anwälte der Betroffenen.

Draußen singt Evelyn unten im Café etwas von vergessenen Liebschaften. Der Regen klopft an die Scheibe. Und in Damaskus wechseln die Gesichter an den Schalthebeln, während das Geld fließt wie eh und je. Die Welt schaut auf das Atomprogramm. Das Geld schaut zurück. Es lächelt nicht.

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