Siebenhundertzweiundvierzig Milliarden verkauft — wer zahlt morgen?
Neun Auktionen. Eine Woche. Siebenhundertzweiundvierzig Milliarden Dollar, bewegt durch den Auktionsschalter des US-Finanzministeriums. Das ist kein Tippfehler. Das ist auch keine Schlagzeile, die ich gerne schreibe. Aber Zahlen lügen nicht, und die stille Maschine, die hier Geld in Papier verwandelt und Papier in Zinsen, die lügt auch nicht.
Die Bilanz am Donnerstag: einunddreißig Milliarden Dollar für die längste Laufzeit, die der amerikanische Anleger dem Staat noch borgt — dreißig Jahre. Die Auktion schloss bei einer Rendite von 5,216 Prozent. Höchster Wert seit August 2001. Wer sich erinnert: Damals verschwand der 30-jährige Bond danach für vier Jahre vom Markt, weil die USA glaubten, sie bräuchten ihn nicht mehr. Große Budgetüberschüsse am Horizont. Die Überschüsse waren ein Wunschbild, kein Haushalt. 2005 kam der Bond zurück, die Defizite waren explodiert. Heute, sechs Jahre nach Beginn der Baisse am Anleihemarkt, zahlt der Markt dem Staat den höchsten Preis seit damals.
Die Zehn-Jahres-Note lief am Mittwoch bei 4,683 Prozent — Höchststand seit 2007. Die Drei-Jahres-Note am Vortag bei 4,291 Prozent. Im Sekundärhandel notierte die 30-jährige Rendite am Freitag bei 5,26 Prozent, hatte tags zuvor kurz 5,28 Prozent berührt. Das sind keine Ausreißer einer turbulenten Woche. Das ist ein Trend.
Und genau hier beginnt die Frage, die im täglichen Börsenlärm untergeht: Warum verkauft der US-Staat so viel, und zu welchem Preis?
Dreiundsiebzig Milliarden Dollar für die 3-Jahres-Note, dreiundfünfzig Milliarden für die 10-Jahres-Note, einunddreißig Milliarden für die 30-Jahres-Bond — das sind die langlaufenden Papiere. Hinzu kommen sechs T-Bill-Auktionen über insgesamt fünfhundertfünfundachtzig Milliarden, drei davon über hundert Milliarden pro Stück. Das meiste davon ist Rollover — auslaufende Papiere werden durch neue ersetzt. Aber das Volumen, das diese Maschine inzwischen durchschleust, ist nicht mehr Routine. Es ist eine Flut.
Die Logik dahinter: Der Staat braucht Geld, weil seine Ausgaben die Einnahmen übersteigen, seit Jahren übersteigen, und keine politische Kraft in Sicht ist, die diesen Hebel umlegt. Solange die Gläubiger kaufen, läuft die Maschine. Höhere Renditen sind der Preis, den der Markt dafür verlangt, dass er dieses Risiko trägt. Bei einer Laufzeit von dreißig Jahren ist das Risiko nicht abstrakt. Dreißig Jahre sind lang genug für Inflation, die aus dem Ruder läuft. Lang genug, dass die Fiskallage weiter kippt. Lang genug, dass die einzige Lösung des Schuldenbergs am Ende in einer höheren Inflation liegt — einer Inflation, die die Gläubiger mit ihren festen Kupons bezahlen. Der Markt weiß das. Der Markt verlangt Kompensation.
Jetzt, fast beiläufig platziert, die zweite Nachricht dieser Woche: Das US-Finanzministerium wird seine Rückkäufe langlaufender Schuldtitel verdoppeln. Buybacks — der Staat kauft eigene Papiere zurück, bevor sie fällig werden. Das nimmt dem Markt Liquidität. Das beruhigt. Aber wenn die Emissionen steigen und die Rückkäufe ebenfalls steigen, dann ist das kein Rückzug. Das ist ein Hebel, der in zwei Richtungen gleichzeitig zieht — und einer von beiden wird nachgeben.
Die offene Frage: Wer profitiert von dieser Maschine? Die klassischen Käufer — institutionelle Anleger, ausländische Zentralbanken — greifen seit Jahren weniger zu. Die japanischen Behörden, einst größter ausländischer Halter von US-Staatsanleihen, wurden in dieser Woche vom US-Finanzminister aktiv gestützt, damit sie nicht selbst verkaufen müssen, um Yen zu kaufen. Die Sorge dahinter: Wenn Tokio US-Bonds abwirft, drücken die Renditen weiter. Die Bond Vigilantes sind tot, heißt es. Aber die Mechanik, die sie einst erzwangen, läuft weiter — nur weniger sichtbar, nur maschineller.
Was passiert nächste Woche, nach dem Geldeinsammeln? Die Papiere wandern in die Depots. Die Zinsen ticken. Die nächste Auktion steht schon. Und die einzige Sicherheit, die der Markt dem Staat derzeit gibt, ist eine harte, kalte Zahl: fünf Komma zwei Prozent, dreißig Jahre lang, bar bezahlt. Was nach dem Verkauf folgt, ist die Frage aller Fragen — was löst diese Last aus, wenn die Rendite einmal da ist und der Käufer sein Geld für drei Jahrzehnte festgelegt hat? Das sind die Frequenzen, die ich höre. Die Maschine summt. Die Frage ist, wer am Ende des Drahtes steht.
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