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20. August 2026

Dossier · Digitales & Überwachung

Kein Echo auf 5,5 Milliarden Dollar — die Woodcock-Mail an Fauci

20. August 2026 — — Ada Voss, auf Sendung

Es riecht nach Lötzinn, kalter Kaffee dampft aus dem Becher, und auf dem Tisch liegt ein Dokument, das ich nicht drucken darf, ohne zu fragen: von wem, wozu, in wessen Auftrag.

KI-generierte Illustration zum Beitrag

Ein einzelnes Schreiben. 27. Mai 2021. Janet Woodcock, damals Chefin der US-Arzneimittelbehörde FDA, schreibt an Anthony Fauci und Francis Collins, die Köpfe des National Institute of Allergy and Infectious Diseases beziehungsweise der gesamten National Institutes of Health. Sie schreibt einen Satz, der in jedem Fall hätte auffallen müssen: „But my experience is, that if you let a problem fester, then it will come back to bite you later and you are not prepared." Lass ein Problem eitern, und es beißt dich später. Woodcock hat 37 Jahre FDA-Dienst hinter sich. Sie ist keine Anfängerin. Sie kennt die Mechanik des Schweigens.

Sie schreibt, weil sie Post bekommen hat. Von Ärztinnen und Ärzten, von Pflegepersonal, von Menschen, die nach einer COVID-Impfung Symptome zeigen, die sich nicht zu einem klaren Syndrom fügen, die sich nicht mit Standardlaborwerten messen lassen. Die Leute klagten vor allem darüber, dass sie niemand ernst nehme, dass niemand wisse, wie man sie behandle, dass niemand die Sache studiere. Woodcock schlägt eine Kohortenstudie vor. Sie nennt die pharmazeutische Industrie beim Namen: „I doubt the industry would support, for obvious reasons." Aus offenkundigen Gründen.

Zur selben Zeit — der Leser merke sich das — zählte das Vaccine Adverse Event Reporting System bereits 440.025 unerwünschte Ereignisse weltweit, darunter 8.650 Todesfälle im Zusammenhang mit der COVID-Injektion. 3.350 dieser Todesfälle, also 39 Prozent, traten innerhalb von zwei Tagen nach der Impfung ein. Woodcoks Mail trifft ein in eine Akte, die bereits blutet.

Was dann folgt, ist der Kern des Dokuments, und es ist eine Geste, die in jedem investigativen Vorgang ihre eigene Aussage trägt: Fauci antwortet nicht. Stattdessen leitet er die Mail am Folgetag an Collins weiter. Sein Begleittext, drei Sätze: „Janet [Woodcock] asks what we think of this? We cannot ignore her. We should probably bring in CDC and see what Rochelle [Walensky] thinks." Wir können sie nicht ignorieren. Wir sollten vermutlich die CDC hinzuziehen. Beachte das „können" und das „vermutlich". Das ist die Sprache von Männern, die gern nicht gehört hätten. Woodcock war zu ranghoch, um unbeantwortet zu bleiben — also antwortete man mit Weiterleitung. Ein Verwaltungshöflichkeitsakt, der die Frage begräbt, statt sie zu stellen.

Fauci hat, nach allem, was öffentlich bekannt ist, rund 5,5 Milliarden Dollar an Forschungsmitteln gesteuert. Eine Zahl, die in keinem Büro dieser Stadt Platz hat. Und es ist „nicht klar", ob jemals die Art von Studie durchgeführt wurde, die Woodcock anregte. Nicht klar. Das ist die offizielle Vokabel für: Wir haben es nicht gefunden, oder wir wollen es nicht gefunden haben.

Zur selben Akte gehört ein SMS-Konvolut, das Senator Ron Johnson aus Wisconsin und Senator Rand Paul aus Kentucky veröffentlicht haben — wahrscheinlich aus Faucis amtlichem E-Mail-Konto und seinem Diensthandy. Ein Text vom 25. Januar 2021: John Mascola, damals Direktor des Vaccine Research Center am NIAID, schreibt Fauci, frühe Impfstudien seien im ersten Trimester wegen „possible fever and higher rates of miscarriage" vermieden worden. Fauci gibt das wenige Stunden später an Rochelle Walensky, damals CDC-Chefin, und Vivek Murthy, den damaligen Surgeon General, weiter: Zytokinstürme nach der zweiten Dosis könnten „theoretically ... be associated with miscarriage in the 1st trimester." Walensky schreibt zurück: „definitely a good post, esp after dose two." Murthy ergänzt, er höre zudem Sorgen wegen möglicher „mutations" durch die mRNA beim ungeborenen Kind.

Schwangerschaftsverlust im ersten Trimester. Theoretisch. Ein Wort, das in der Medizin vorsichtig gebraucht wird und in der Öffentlichkeit eine ganz andere Sprengkraft hat. Schwangere Frauen wurden — so zeigen es die damaligen Pressekonferenzen — aktiv zur Impfung ermuntert. Eine erhöhte Rate ist eine Zahl, die man entweder untersucht oder unter den Tisch fallen lässt. Hier hat man sie weitergegeben, intern, mit dem Vermerk „theoretisch", und an die Öffentlichkeit ging eine andere Geschichte.

Ich frage mich, wie man das macht. Wie man eine Mail so weiterleitet, dass sie im Vorgang verschwindet, ohne dass eine Mail verschwindet. Wie man einen Text als „good post" abhakt, ohne zu sagen, für wen. Die Mechanik ist nicht kompliziert. Sie ist uralt. Man erweitert den Kreis der Mitwisser und verkleinert den Kreis der Handelnden. Man stellt eine Frage in einen Verteiler und wartet, bis die Frage an der Zahl der Adressaten erstickt. Man nimmt Milliarden an Forschungsmitteln, verteilt sie an andere Themen, und die Kohorte, von der Woodcock sprach, existiert weiter nur als Zeile in einer Mail, die keiner beantworten wollte.

Nun zur Quelle, denn eine Quelle ist kein Beweis, sie ist ein Anfang. Senator Johnson hat die Mails und Texte aus Faucis amtlichem E-Mail-Konto und seinem Diensthandy veröffentlicht. Er ist Republikaner aus Wisconsin, Vorsitzender des Permanent Subcommittee on Investigations. Sein Mandat ist Aufsicht, nicht Anklage — doch Aufsicht und Anklage liegen in Washington nah beieinander, wenn ein Wahljahr anbricht. Die Texte gelangen über FOIA, über Archivregeln oder über Whistleblower an die Öffentlichkeit — alles gangbare Wege. Aber jeder dieser Wege formt das Material. Ein FOIA-Schwaden enthält Metadaten, Header, Zeitstempel, manchmal Schwärzungen. Ein Text ohne Kontext ist ein Satz auf einem Bildschirm. Wer dafür bürgt, dass die Nachricht nicht aus dem Zusammenhang gerissen wurde, dass die Reihenfolge stimmt, dass nichts im Nachhinein eingefügt wurde — diese Bürgschaft ist nicht selbstverständlich.

Drei Dinge notiert. Erstens: Woodcoks Warnung ist fünf Jahre lang intern geblieben. Sie wurde erst relevant, als ein Senator sie politisch einsetzen konnte. Das ist die Biografie jedes Dokuments in Washington — es existiert in einem Safe, bis jemand den Schlüssel umdreht. Zweitens: Die privaten Warnungen wurden öffentlich heroisch übertönt. Die offizielle Sprachregel der CDC und des Weißen Hauses 2021 war nicht „wir untersuchen", sondern „die Impfung ist sicher und wirksam". Drittens: Das Schweigen, das Woodcock beklagte — dass niemand die Betroffenen ernst nehme — hat einen strukturellen Grund. Wer eine Warnung weiterleitet, statt sie zu beantworten, verlagert die Verantwortung von sich weg. Wer eine Warnung veröffentlicht, sobald sie politisch verwertbar ist, verlagert sie auf andere.

Wer profitiert? Die Pharmaindustrie, deren Studien Woodcock nicht behindern wollte, wird sich freuen, dass keine Kohortenstudie das Label ihrer Produkte mit unklaren Symptomen verband. Die Behörden, die Fauci weiterleitete, gewannen Zeit. Die Senatoren, die das Material jetzt veröffentlichen, gewinnen eine Erzählung, mit der sich Wahlkampf machen lässt. Wer zahlt den Preis? Die Menschen, deren Beschwerden Woodcock 2021 in einer Mail sammelte und die in keiner offiziellen Statistik auftauchen. Die Frauen, die im ersten Trimester impften, weil die offizielle Empfehlung die Spritze empfahl und das Wort „theoretisch" in keiner Pressekonferenz fiel.

Was bleibt offen? Ob Walensky jemals konsultiert wurde — die Akte schweigt. Ob Fauci und Collins die Studie wirklich nicht in Auftrag gaben, sondern nur keine Veröffentlichung darüber erfolgte. Welche Rolle das damalige Weiße Haus spielte. Ob es weitere Mails gibt, die noch im Archiv liegen.

Mein Kaffee ist kalt. Die Drähte summen weiter. Aber diesmal habe ich nicht nur das Rauschen gehört, sondern die Stellen, an denen jemand den Stecker zog. Der Unterschied zwischen einer Frequenz und ihrer Unterbrechung ist, im Funk wie in der Politik, eine Frage der Aufmerksamkeit. Woodcock stellte die Frage 2021. Fauci stellte sie weiter. Die Antwort steht noch aus.

❖ Ende des Artikels ❖

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