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21. August 2026

Dossier · Digitales & Überwachung

Drähte aus Peking: Kohle flüstert mit, Erneuerbare müssen warten

21. August 2026 — — Ada Voss, auf Sendung

Shanghai/Peking. Fünfjahresplan, fünfzehnte Ausgabe. Auf dem Papier ein Dokument, in der Praxis eine Landkarte der Macht. Ich habe die Drähte abgehört, die Pressekonferenzen der Nationalen Energiebehörde, die Nebenbei-Bekenntnisse der Funktionäre. Was dabei herauskam, riecht nicht nach grüner Revolution. Es riecht nach Kohlenstaub. Wohlgemerkt: Die folgende Lesart stützt sich auf eine schmale Quellenbasis. Wo die Drähte schweigen, sage ich, dass sie schweigen.

KI-generierte Illustration zum Beitrag

Die Zahl, die Peking seinen Kritikern entgegenhält: 1,8 Milliarden Tonnen Steinkohleeinheiten. So hoch soll der Anteil erneuerbarer Energien am chinesischen Energieverbrauch bis 2030 steigen. Eine beeindruckende Zahl — bis man die zweite danebenlegt. 2025 lag der Anteil bei 1,2 Milliarden Tonnen, der Gesamtverbrauch belief sich auf 6,2 Milliarden. Erneuerbare decken also rund ein Fünftel. Vier Fünftel sind etwas anderes.

Hier beginnt die Ermittlung. Wer zählt, wie gezählt wird, wem die Zählweise nützt. Die offizielle Sprache spricht von Aufstieg. Die Mathematik spricht von Substitution auf niedriger Basis. Eine Verdoppelung auf einem Fünftel bleibt ein Fünftel. Doppelt so viel von wenig ist immer noch wenig.

Dann die zweite Stimme aus dem Apparat. Wang Hongzhi, Chef der Nationalen Energiebehörde, sagte auf einer Pressekonferenz das, was kein Klimasprecher hören wollte: Kohle sei Chinas „größte Quelle der Zuversicht für eine stabile Energieversorgung." Nicht Solar, nicht Wind, nicht Kernkraft. Kohle. Das Schwarz, das die Städte heizt und die Fabriken am Laufen hält. Die größte Zuversicht.

Man darf sich fragen, wessen Zuversicht hier gemeint ist. Der Versorger, das Hüttenwerk, die Petrochemie — sie alle hören dieses Wort mit Wohlgefallen. Die Klimaziele, die parallel in internationalen Foren verkündet werden, klingen daneben wie Pflichtübungen.

Und hier wird der Widerspruch hart. Um das ältere Klimaversprechen Pekings zu erfüllen, hätte der laufende Plan eine Reduktion der Kohlenstoffintensität um 23 Prozent vorsehen müssen. Ob er das tut, ist in den vorliegenden Quellen nicht eindeutig zu klären — eine offene Frage, rot blinkend auf meiner Anzeige. Das neuere internationale Klimaversprechen für 2035, vergangenes Jahr vorgelegt, enthält jedenfalls keine Kohlenstoffintensitätsvorgabe mehr. Was bleibt, ist ein Bekenntnis ohne Mechanik. Ein Versprechen ohne Zähler.

Ein in den Quellen genannter Experte, Li, bringt es auf eine Formel: Der Konflikt werde die Rolle der Kohle im chinesischen Energiesystem verstärken — als Energieträger und als Rohstoff für Industriekommoditäten. Wer also auf einen scharfen Bruch mit der fossilen Vergangenheit wartet, wartet am falschen Draht.

Die globale Implikation liegt auf der Hand und wird doch selten ausgesprochen. Wer den größten Brocken des weltweiten Kohleverbrauchs hält, bestimmt das Tempo der globalen Emissionen. Pekings Bekenntnis zu Erneuerbaren ist gleichzeitig Lizenz für den Weiterbetrieb der Kohlemeiler. Das eine wächst, das andere wird nicht stillgelegt. Beides addiert sich zur brennenden Bilanz.

Wer kontrolliert die Zählweise? Die Nationale Energiebehörde, die ihre eigene Definition dessen pflegt, was als erneuerbar gilt. Wer profitiert? Die Kohlekonzerne, die Schwerindustrie, die Lokalregierungen, deren Steuereinnahmen am schwarzen Gold hängen. Wer zahlt den Preis? Die Küstengemeinden mit dem Atem ihrer Kinder, die Gletscher Hochasiens, deren Wasser halb Asien trinkt.

Drei offene Fragen bleiben auf dem Schreibblock: Erstens, wie viele Kohlemeiler werden im Planungszeitraum tatsächlich stillgelegt, und wer überwacht das? Zweitens, welche Instanz kontrolliert die Einhaltung der Energieeffizienzziele — die NEA, die Provinzbüros, die Parteikomitees vor Ort? Drittens, warum verschwindet die Kohlenstoffintensität aus dem internationalen Versprechen, während sie im Inland weiter als Messgröße dient?

Eines lässt sich sagen, auch wenn das Material schmal ist: Das Dröhnen der Drähte verstummt nicht. Es wird nur leiser, wenn man nicht hinhört. Peking hat einen Plan. Die Frage ist nicht, ob er funktioniert. Die Frage ist, für wen.

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