FOIA: WER HAT DIE DRÄHTE DURCHGESCHNITTEN?
Wir spielen das Fandomspiel nicht mit. Pogues, blaue Kronen, Scooby-Doo-Jagden durch fingierte Gassen, Stars die zerknirscht zugeben, dass die eigene Handlung gegen Ende absurd wurde: Klatschspaltenstoff. Uns interessiert die Frage, die eine einzelne Quelle jetzt laut stellt — und auf die niemand antwortet.
Die Quelle: ein Reporter, der über Jahre FOIA-Anträge gestellt hat. Tausende politische Ernennungen hat er verfolgt. Finanzdaten hat er veröffentlicht. Datenbanken hat er gefüllt. Sein Material kam vom Office of Personnel Management. Jetzt kommen Bounces.
Im Frühjahr 2025 fegte Elon Musks Department of Government Efficiency durch die Bundesbehörden. Beim OPM rissen sie das Privacy-Team ab. Eine ehemalige FOIA-Spezialistin schrieb im Februar per Email: „They just let the whole Privacy team go." Tags darauf wurde sie entlassen. Am Telefon sagte sie später, die Kürzungen hätten das Amt weniger leistungsfähig gemacht und die gesetzlichen Pflichten bedroht, die es zu erfüllen hat.
Die Zahlen, die uns vorliegen — und die wir nur durch diese eine Quelle kennen: Sechshundert Informationsspezialisten in der Bundesverwaltung sind seit Amtsantritt der zweiten Regierung gegangen oder gefeuert worden. Beim OPM allein: zwölf Abgänge, sieben Entlassungen, ein einziger Neuzugang. Ende des Haushaltsjahres 2025 stapelten sich über 1.600 FOIA-Anfragen im Rückstand — das Siebenfache gegenüber 2024. Einfache Anfragen brauchten im Schnitt 84 Tage. Im Jahr zuvor: die Hälfte.
Davor funktionierte es so: Eine Email, eine Textbeschreibung, fertig. Nicht schnell, nicht immer ergiebig — aber es ging.
Heute geht es nicht mehr.
Im Juli versuchte der Reporter, eine Anfrage über ein Webportal einzureichen. Klick auf „log in". Das System: „Something went wrong while processing your action." Die angegebene Hilfsadresse war tot. Die Firma dahinter hieß früher AINS. Heute heißt sie Opexus. Über fünfzig Millionen Dollar Bundesverträge. Bloomberg berichtet über lasche Cybersicherheit.
Das ist die Pointe. Hier wird Technik zur Metapher: Wenn die Infrastruktur, die Transparenz liefern soll, selbst zur Blackbox wird, ist das keine Panne. Das ist Programm. Wer hat die Aufträge unterschrieben? Wer hat entschieden, dass Anfragen in Portale umgeleitet werden, die nachweislich nicht funktionieren? Welche politische Ebene zieht diese Weichen? Wir wissen es nicht. Die zuständigen Stellen schweigen.
Wir halten fest: Wir haben eine Quelle. Wir haben keine zweite. Wir prüfen sie, gerade weil wir nur eine haben. Ihre Methode ist über Jahre dokumentiert. Ihr Befund deckt sich mit dem, was Insider seit Monaten flüstern. Aber wir nennen sie beim Beruf, nicht beim Namen — Namen ohne Bestätigung sind Schall. Was fehlt, ist die Gegenseite. Die Pressestelle. Der Sprecher. Die Gegendarstellung. Sie schweigen. Drei verwaiste Postfächer. Zwei Portale. Eine Telefonnummer ins Nichts. Das ist die Architektur der Verschleierung, in die uns die Quelle hat blicken lassen.
Was das mit einer Fernsehserie zu tun hat? Gar nichts. Außer dem Prinzip. Wer das Drehbuch schreibt, antwortet nicht. Wer die Behörde umbaut, antwortet nicht. Wer die Aufträge vergibt, antwortet nicht. Die Schauspieler mögen zugeben, dass die letzte Staffel absurd geriet. Die Maschinerie hinter dem Vorhang gibt keine Sätze.
Die Drähte summen nicht mehr. Aber wir hören das Rauschen trotzdem.
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