Bettwäsche für Tote: Wie Printfresh aus Stars Hollow Kapital schlägt
Die Schreibmaschine klappert. Bourbon dampft aus der Tasse. Irgendwo unter dem Fenster singt Evelyn etwas von Kaffee und Herbst, leise, als wüsste sie, was auf dem Schreibtisch liegt. Es ist der zwanzigste August, und ich habe zwei Todesanzeigen vor mir und eine Schlafanzug-Kollektion im zweiten Tab.
Bunny Levine, siebenundneunzig Jahre alt, ist gestorben. Dolly Parton, achtzig, ist tot. Beide Namen kennen Sie. Beide Namen werden Sie in dieser Woche noch kaufen.
Schauen Sie hin: Printfresh hat am zwanzigsten August seine „Gilmore Girls"-Linie auf den Markt geworfen. Pyjamas für hundertachtundvierzig Dollar, eine Tragetasche im Chilton-Karo für achtundneunzig, ein langer Morgenmantel mit Karte von Stars Hollow für hundertachtundfünfzig, ein zweites Pyjama-Set in „Luke's Diner" für nochmal hundertachtundvierzig. Alles aus „nachhaltiger Bio-Baumwolle". Alles bedruckt mit der Stadt, in der Sie zu Hause sind, obwohl Sie dort nie gewohnt haben. Lukes Diner. Das Dragonfly Inn. Lorelais Kaffeetasse. Es ist, als hätte jemand eine Fernsehstadt in Stoff graviert und in den Handel entlassen, noch bevor die Trauer die Eingangstür der Redaktion erreicht hat.
Und jetzt halten Sie durch, denn hier beginnt die Maschinerie.
Bunny Levine war Mrs. Thompson in „Gilmore Girls". Fünfundzwanzig Jahre lang war sie Schullehrerin und Bibliothekarin in Teaneck, New Jersey. Fast sechzig, wurde sie Charakterdarstellerin. Mrs. Thompson, eine alte Frau mit Brille und der Würde einer Schulbibliothek. Sie spielte in „Law & Order", in „Ugly Betty", in „La La Land" als Kinokassiererin, an der Seite von Gosling und Stone, für ein paar Sekunden auf der Leinwand, dann für immer in der Erinnerung derjenigen, die hingeschaut haben. Sie starb friedlich im Schlaf, in Tarzana, im Alter von siebenundneunzig Jahren. Fünf Tage, bevor Printfresh die Stadt, in der sie lebte, auf Stoff bügelte.
Und da ist Dolly Parton. Country-Legende, achtzig Jahre. Eine Frau mit einem „brillanten Geschäftssinn", wie das Boulevardblatt schreibt, eine Frau, die Milliardärin hätte sein können, wenn sie nicht so viel verschenkt hätte: die Imagination Library, COVID-Forschung, Erdbebenopfer. Sie wusste, was Marken sind, bevor der Begriff Marke zum Geschwür wurde. Und während ihre Beerdigung geplant wird, läuft „9 to 5" auf jedem Streaming-Dienst, der Lizenzen hält, und ihre Silhouette ziert jeden dritten Coffee-Mug-Becher in dieser Stadt.
Was passiert hier? Was passiert hier jeden verdammten Herbst?
Eine Show wird zu Warenbestand. Pyjamas. Tragetaschen. Haarschleifen. Die Fans kaufen sich die Stadt zurück, die sie im Fernsehen geliebt haben, und die Reporterin der New York Post schwärmt vom „idealen Bettzeug", während sie auf Luke und Lorelai anstößt. Es gibt Bio-Baumwolle, einen verstellbaren Gürtel, tiefe Taschen. Es ist gemütlich. Es ist nachhaltig. Es ist hundertachtundvierzig Dollar.
Und mittendrin, im Druck der Stadt, liegt eine tote Frau, die einer Bibliothekarin aus New Jersey für ein paar Folgen das Gesicht geliehen hat.
Das ist das Geschäft, Leute. Das ist der Mechanismus. Die Popkultur-Giganten wissen es seit langem: Sobald ein Mensch verschwindet, wächst die Sehnsucht nach dem Werk. Sobald eine erfundene Stadt aus dem Programm verschwindet — und „Gilmore Girls" verschwindet seit Jahrzehnten nicht, weil das Streaming sie nicht lassen kann —, wird sie zur Handelsware. Bunny Levine hat Kindern in New Jersey Bücher erklärt. Sie hat in „Friends With Better Lives" an der Seite des toten James Van Der Beek gespielt. Sie war Mrs. Polanski in ihrem letzten Film, „The Cure", im Jahr ihres Todes. Sie war die Großmutter im Hintergrund, das Gesicht, an dem man vorbeisah, ohne es zu kennen.
Printfresh druckt jetzt ihre Stadt auf Schlafanzug.
Die Frage, die niemand stellt: Wer bekommt das Geld, wenn eine tote Schauspielerin plötzlich zur Stoffgrafik wird? Wer hält die Lizenz an Mrs. Thompson? Wer besitzt die Marke Stars Hollow? Nicht die Enkelkinder einer Bibliothekarin aus Teaneck. Die Studios. Die Warner-Erben. Die Streaming-Giganten, die ihre Sieben-Staffeln-Archive vermarkten. Prime Video und Hulu sind in der New-York-Post-Geschichte gleich mit verlinkt — dreißig Tage gratis, dann zahlen Sie weiter, damit Sie in einem Pyjama liegen dürfen, den Sie gerade gekauft haben, und eine tote Frau auf der Kinoleinwand sehen, deren Stadt Sie sich jetzt auf den Körper nähen.
Dolly Parton hat das verstanden, vielleicht besser als jede andere. Sie war ihre eigene Marke. Sie hätte Milliardärin sein können. Aber sie hat weggegeben, was sie verdient hat. Das ist die Kehrseite der Medaille: Wer das Geschäft versteht, kann es auch aufkaufen. Und wer es nicht aufkauft, dessen Vermächtnis wird aufgekauft.
Gemütlichkeit ist die neue Währung. Die Toten liefern die Vorlage. Und die Maschine schnurrt weiter, warmgehalten für den Markt.
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