Börse 1937
Terminal Tribune

29. August 2026

Dossier · Digitales & Überwachung

Vierzig Billionen und die Formel der Lüge

29. August 2026 — — Ada Voss, auf Sendung

Die Drähte summen, und diesmal tragen sie Zahlen, bei denen jeder Funkoffizier aufhorcht. Vierzig Billionen Dollar. Die Vereinigten Staaten haben letzte Woche eine Marke überschritten, die wie eine Frequenz klingt, die kein Empfänger mehr sauber trennen kann — ein Rauschen, das alles verschluckt. Verdoppelt in einem Jahrzehnt. Allein seit 2022 sind weitere zehn Billionen hinzugekommen. Das ist kein Wachstum mehr, meine Damen und Herren. Das ist ein Sog.

KI-generierte Illustration zum Beitrag

Finanzminister Scott Bessent trat vor das Mikrofon von CNBC und sprach das fromme Mantra der Washingtoner Macht: Man werde sich „aus dieser Schuldenlast herauswachsen". Wachstum, immer Wachstum. Fabriken, Ausrüstung, Kapitalströme — als ließe sich ein Asteroid mit einem Spaten wegräumen. Die Natixis-Chefökonomin für die Asien-Pazifik-Region, Alicia Garcia-Herrero, antwortete ihm mit einer Ruhe, die lauter war als jeder Alarm: „Die USA haben keine Chance, ihr Schuldenproblem allein durch Wachstum zu lösen." Punkt. Keine Schminke.

Hier beginnt der eigentliche Vorgang. Denn was Washington als Investitionsprogramm verkauft, ist ein Konstrukt, in dem drei Posten die Last tragen, und alle drei sind politisch geschützt: Erstens die Rüstungsausgaben — der stille Hauptmieter jedes amerikanischen Defizits. Die Associated Press führt sie namentlich an, wenn sie erklärt, warum die Schuldenkurve nicht bricht: Verteidigung, Sozialprogramme, Zinsdienst. Verteidigung steht dort nicht zufällig an erster Stelle. Zweitens die Steuersenkungen, die Einnahmen kappen, während die Ausgaben wachsen. Drittens der Zinsdienst selbst — und hier höre ich den höchsten Ton des ganzen Orchesters.

Die durchschnittliche Verzinsung amerikanischer Staatsschulden lag 2021 bei etwa 1,5 Prozent. Heute liegt sie bei rund 3,4 Prozent. Der Ertrag der dreißigjährigen Treasury-Anleihe hat sich seit 2021 mehr als verdoppelt. Die Tauben unter den Ökonomen — jene, die lange sagten, solange die Wirtschaft schneller wachse als der Zins, könne man die Anleihen einfach weiterrollen — verstummen einer nach dem anderen. Martha Gimbel von der Yale Budget Lab sagt es offen: Das Umfeld habe sich verändert. Jared Bernstein, einst Chef von Bidens Wirtschaftsberatern, schrieb in The Atlantic, er sei „vom Tauben zum Falken" geworden. Beide aus dem linken Lager. Beide beunruhigt.

Wer profitiert, wenn die Frequenz steigt? Wer zahlt den Preis? Die Profiteure sitzen an den Rändern: Rüstungskonzerne, deren Aufträge aus dem Defizit finanziert werden; Investmenthäuser, die von höheren Zinsen leben; Steuerberater für jene, deren Tarifsenkungen gerade in Kraft sind. Die Zeche zahlt, wie immer, die Suppenküche. Höhere Steuern werden kommen — Issues Insights schreibt es unverblümt, und jeder, der die Mechanik kennt, sieht es ebenso. Standard of living, Wachstum für den einfachen Haushalt: Das sind die Posten, die in solchen Gleichungen zuerst gestrichen werden.

Wer kontrolliert das Gespräch? Die Verwaltung selbst. Weder Ausgabenkürzungen noch Steuererhöhungen stehen ernsthaft auf dem Tisch. Die Hebel liegen unberührt. Bernstein brachte es auf den Satz, der in jedes Notizbuch gehört: „Keine Seite scheint besonders motiviert, irgendetwas zu tun." Das ist keine Politik. Das ist eine Wette, gespielt mit dem Vermögen einer ganzen Volkswirtschaft, auf ein Wachstum, das höher sein müsste als ein Zinssatz, der selbst von einer KI-getriebenen Kreditnachfrage und dem Misstrauen der Investoren nach oben getrieben wird.

Vierzig Billionen Dollar. Verdoppelt in zehn Jahren. Ein Zinsniveau, das sich verdoppelt hat, während die Schulden sich verdoppelten — eine Multiplikation, die kein Buchhalter mehr als „Übergang" verkaufen kann. Die Frequenz, die nicht mehr zu ignorieren ist, ist nicht die des Wachstums. Es ist die der Kosten. Und wer in Washington noch glaubt, man könne sich herauswachsen, der sendet auf einer Welle, die längst im Rauschen verschwunden ist.

Die Drähte summen weiter. Ich bleibe dran.

❖ Ende des Artikels ❖

Prüfbare Behauptungen — 3 von 3 Behauptungen belegt
  1. ZAHL Der US-Staatsverschuldung überstieg 40 Billionen US-Dollar

    „national debt, which just surpassed US$40 trillion.“ — wörtlich im Quelltext belegt

  2. ZITAT Ökonomen sind skeptisch, dass Wachstum allein das Schuldenproblem lösen kann

    „some economists are sceptical that growth alone could absorb the country’s mountain of national debt“ — wörtlich im Quelltext belegt

  3. ZAHL Die Staatsverschuldung hat sich im Vergleich zu vor einem Jahrzehnt verdoppelt

    „one that has doubled in size from a decade ago.“ — wörtlich im Quelltext belegt

Herangezogene Quellen

3 Quellen · 3 davon belegt · 4 externe Belege · 3 prüfbare Behauptungen

Maschinell geprüft: jede Belegstelle wurde wörtlich im Quelltext gesucht. Die Bewertung der Redaktion ist nicht Teil dieser Prüfung.

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