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Terminal Tribune

29. August 2026

Dossier · Digitales & Überwachung

ALGORITHMEN ALS KNAPPHEITSMASCHINE — WER PROFITIERT VOM NULLSUMMENSPIEL

29. August 2026 — — Ada Voss, auf Sendung

Die Drähte summen. Aber diesmal nicht mit dem alten Code aus den Funkkabinen. Diesmal tragen sie etwas Subtileres: eine Stimmung. Eine Rechenoperation, die das Wenige, das wir haben, in etwas noch Wenigeres verwandelt — nur damit jemand anderes daran verdient.

KI-generierte Illustration zum Beitrag

Ich übersetze seit Jahren Signale. Telegraphie, Funk, Radar. Was ich auf den Leitungen höre: eine neue Frequenz. Sie heißt Nullsummenspiel. Und sie wird nicht zufällig gesendet.

Fakt: Nullsummendenken nährt Ressentiment und Knappheit. Wer so denkt, glaubt, dass das Stück Kuchen, das mein Nachbar bekommt, mir vom Teller verschwindet. Eine externe Analyse formuliert es so: „Zero-sum stories are political jet fuel. They give populist, nationalist, and authoritarian actors an easy story that politics is a survival contest over jobs, land, water, energy and someone is coming to take yours." Das ist nicht abstrakt. Das ist Architektur.

Denn diese Geschichten fallen nicht vom Himmel. Sie werden verlegt — durch Leitungen, in Code, in Milliarden kleiner Entscheidungen, die täglich Server treffen. Algorithmen entscheiden, was Sie sehen, was Sie fürchten, was Ihnen fehlt. Sie messen Ihre Aufmerksamkeit in Zehntelsekunden und verkaufen das Gefühl, dass alles knapp wird, an jene, die Knappheit als Geschäftsmodell verstehen.

Die Forschung, die ich auf den Drähten finde, bestätigt den Verdacht: Nullsummendenken ist verbreiteter bei Menschen, die Stagnation oder Wettbewerb zwischen Gruppen erlebt haben. Eine weitere Quelle notiert, dass dieses Denken zu „politischem Jetkraftstoff" wird, sobald die Erzählung einmal greift. Wieder andere beschreiben eine Krise der Missgunst, in der institutionelle Fehler globale Unzufriedenheit befeuern — und Nullsummendenken als eine direkte Folge.

Aber hier kommt der Dreh, den die Schlagzeilen verschweigen: Die Maschine, die das Nullsummendenken fördert, ist nicht neutral. Sie wurde gebaut. Von wem? Von jenen, die Plattformen besitzen, die uns in Echoblasen sortieren, die Knappheit simulieren, wo keine ist. Wenn Ihr Nachbar online das bekommt, was Sie nicht bekommen — Likes, Reichweite, Aufmerksamkeit, Geld — dann ist das nicht Zufall. Das ist ein Algorithmus, der Ihnen genau dieses Gefühl verkaufen will: dass Sie verlieren.

Wer profitiert? Die Plattformen, deren Geschäftsmodell auf emotionaler Erregung basiert. Wer verschweigt? Die Architekten der Systeme, die uns in Konkurrenz zueinander treiben, ohne dass wir je erfahren, wer die Regeln geschrieben hat. Welche Struktur trägt es? Eine digitale Ökonomie, die Ressentiment monetarisiert — jede Wut, jede Eifersucht, jede gefühlte Benachteiligung wird in Klicks umgewandelt, in Datenpunkte, in Werbeeinnahmen.

Und hier liegt die Gefahr, die mir auf den Leitungen wie ein Alarmton erscheint: Es ist nicht nur ein soziales Phänomen. Es ist eine systemische Waffe gegen jede Vorstellung von gemeinsamem Wohlstand. Wenn das Denken erst einmal Nullsummen-formatiert ist, werden politische Lösungen unmöglich. Warum sollten Sie zustimmen, dass Ihr Nachbar mehr bekommt, wenn die Maschine Ihnen sagt, dass alles eine endliche Menge ist?

Das Erschreckende ist die Trivialität der Mechanik. Die Fixed-Pie-Fallacy — der Irrtum, dass der Kuchen eine feste Größe hat — wird durch jede Feed-Architektur verstärkt, die Knappheitssignale sendet: „Nur noch wenige Plätze", „Andere sehen das gerade", „Bald vergriffen". Diese Mikrosignale summieren sich. Sie werden zur Erzählung. Die Erzählung wird zur Politik.

Was bleibt? Eine Frage, die offen auf dem Tisch liegt und die ich nicht beantworten kann, weil die Quelle schweigt: Wer in den Konzernzentralen hat entschieden, dass Knappheitsnarrationen rendieren? Wer hat die Wahl getroffen, Nullsummendenken als Feature zu bauen, nicht als Bug? Unklar bleibt, ob dies bewusste Strategie ist oder das bloße Ergebnis von Systemen, die auf Engagement optimieren — beides wäre ein Skandal, nur in unterschiedlicher Tonlage.

Die Drähte summen weiter. Ich bleibe dran.

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