DRAHT ZUM LABOR: WESTLICHE TECH-GIGANTEN FINANZIEREN UKRAINES KRIEGSHANDWERK
Kiew. Front und Förderplattform liegen hier dichter beieinander als anderswo. Die Ukraine empfängt nicht mehr nur — sie liefert. Die Regierung hat den Konflikt zur Starthilfe einer eigenen Verteidigungs- und Tech-Branche umgeschmiedet. Über die Plattform Brave1 laufen Hunderte Firmen mit Tausenden Projekten. Ausländische Investoren — Ex-Google-Manager, europäische Rüstungskonzerne — legen Geld in ukrainische Werkstätten. Die Frage ist nicht ob, sondern wem das Labor gehört, wenn der Rauch sich legt.
Architekt im Hintergrund: Palantir. Chef Alex Karp reiste 2022 nach Kiew und baute dem Militär einen Dataroom — Satellitenbilder, Drohnenaufnahmen, Bodenmeldungen, offene Quellen, alles verknüpft zu Lagebildern und Angriffsoptionen. Die Software kommt zunächst kostenlos. Private Tech-Konzerne gewinnen damit Einfluss auf militärische Entscheidungen, die früher allein bei Generälen lagen. Die Karten werden nicht mehr nur in Hauptstädten gemischt.
Tempo als zweites Signal: Ukrainische Drohnen iterieren alle drei Monate; westliche Firmen arbeiten in Jahreszyklen — zu langsam für dieses Schlachtfeld. Wöchentlich rollen Tausende vom Band, Einwegdrohnen mit 380 km/h, KI-gesteuerte Zielerfassung. Das Störsystem „Lima" soll 58 von 59 Kinschal-Raketen ausgeschaltet haben — wie unabhängig prüfbar diese Zahl ist, bleibt offen. Unklar auch, welches westliche Unternehmen tatsächlich „unter ukrainischen Realitäten" arbeitet; Vizeverteidigungsminister Vyskub nennt es nicht.
Die spannendste Frequenz kommt aus dem Zivilen. Swarmer, Norda Dynamics, Dwarf Engineering und Blue Arrow entwickeln Drohnen ohne GPS — autonom auch bei Störung. Circus Defence will seine zivile CA-1-Technologie militärisch weiterentwickeln und eine eigene Einheit aufbauen. Die Vereinbarung zielt auf vollautonome KI-Robotiksysteme — weltweit erste im militärischen Einsatz. Was als Notwehrsoftware beginnt, hat einen doppelten Boden: Erntehelfer, Lieferlogistik, zivile Märkte.
Die Nato testet bereits See-Drohnen aus Kiew. Aus Empfänger wird Exporteur. Bezahlt wird woanders — auf den Schlachtfeldern. Bleibt die Frage: Wem gehören die Algorithmen, wenn die Drähte kalt werden?
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