DER WALD ALS UNTERSCHRIFT — WER AN UNWISSENHEIT VERDIENT
Ich kenne diesen Stoff. Ich trage den Staub verbrannter Erde noch in den Stiefeln. Dieselbe Erde, die in Jahrtausenden den Amazonas aufgebaut hat — Regenwald, der ein Viertel aller Arten trug, Wasserkreisläufe, die fliegende Flüsse über den Kontinent trugen. Heute? Satellitensignale. Zertifikate. Zahlen, die sauber aussehen, wenn man nicht hinschaut.
Hinter den Papieren steht die alte Maschine: Konzerne, die das Klima retten wollen, brauchen Bauern, die nicht lesen, was sie unterschreiben. Kleinbauern, Indigene — ihre Namen, ihr Land wird in Register eingetragen, die sie nie sehen. Der Profit fließt anderswo hin. In den Pressemitteilungen eines Pariser Fonds stehen die Namen: Danone, Michelin, Hermès, Chanel. Was bleibt, sind 130 Millionen Hektar Plantagen — Eukalyptus für Zellstoff, Monokulturen statt Wald, Vertreibung, Wasserverlust, Arten, die verschwinden, während die Bilanz stimmt.
In Rondônia, wo die Kolonisierung ab 1970 den Wald brach, wo heute Rinder stehen, wo einst Bäume standen, arbeiten Reforest'Action und Rioterra am Projekt ReforesTerra. Zweitausend Hektar Sekundärwald sollen alten Wald zurückbringen, Habitat für bedrohte Arten schaffen — zertifiziert nach VCS und CCB. 4.212 Bäume, 37 Arten, 382 Blühpflanzen, 40 Völker stachelloser Bienen. Das muvuca-Verfahren verteilt die Saat — alt, billig, vielfältig. Das Wachstum liegt dreimal über dem Erwarteten. Registriert werden: 167 Anträge im Januar 2021, 367 im Mai 2023. Neunzig Prozent im Globalen Süden.
Offen bleibt, wem die Zertifikate am Ende gehören — den Gemeinden oder den Käufern, die ihre Emissionen damit abrechnen. Unklar, wie viele der 4.212 Bäume in zwanzig Jahren noch stehen — und wessen Unterschrift dann unter dem Papier steht.
Die Erde vergisst keine Plantage. Nur die Abrechnung.
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