Eurosur sieht alles. Es rettet niemanden
Ich öffne den Koffer unter dem Schreibtisch. Er ist noch leer. Die Listen, die ich fülle, sind es nicht.
Brüssel hat nach Lampedusa 38 Massnahmen geschnürt. Ein Bündel. Keine Antwort. Frontex-Patrouillen werden ausgebaut, Eurosur überwacht Küsten, Satelliten, Drohnen. Die Wörter klingen nach Rettung. Die Bilanz sagt: Eine vollständige Sicherung ist nicht möglich. So steht es in den Papieren, die niemand liest.
In Bukarest funktioniert etwas anderes. Rumänien führte 2.800 Blitz-Aktionen durch, zerschlug Schleppernetzwerke, unterband illegalen Aufenthalt. Österreich kooperiert operativ. Gemeinsam drückten sie die Aufgriffe an der burgenländisch-ungarischen Grenze von 3.500 pro Woche im Oktober 2022 auf 15 Fälle im Mai 2026. Über 80 Prozent Rückgang. Die Zahl steht in jedem Communiqué.
Aber wer verschwindet in dieser Zahl? Die Schlepper? Oder die Geschleppten, die jetzt andere Routen nehmen, andere Meere, andere Nächte? Der rumänische Premier ist gestürzt. Eine Übergangsverwaltung führt das Land. Die Sicherheitspartnerschaft mit Wien hängt an einer Regierung, die es gerade nicht gibt.
Parallel arbeitet Brüssel an afrikanischen Partnerschaften. Talent-Pool. Katar. Kuwait. Schöne Worte dafür, dass der Fachkräftemangel mit legalen Wegen geheilt werde — während die illegale Migration das eigentliche Schlachtfeld bleibt. Beobachter nennen es Schaufensterartikel.
Der Gemeinsame Europäische Asylpakt — die grösste fremdenrechtliche Novelle seit zwei Jahrzehnten — sei schlecht durchdacht, sagen Experten. Rückführungszentren ausserhalb der EU sollen Schutzsuchende weiter marginalisieren.
Ich sitze in Wien. Die Schwarzmeergrenze ist weit. Das Mittelmeer ist näher. Beide gehören zur selben Festung. Ich fülle weiter Formulare aus. Der Koffer bleibt leer. Noch.
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