HEGSETHS STILLER KRIEG: WENN DAS PENTAGON SICH SELBST ZERFRISST
Der Regen trommelt auf das Fenster meiner Redaktion wie ein Offizier, der dreimal klopft, bevor er seinen eigenen Posten aufgibt. Evelyn unten im Café singt etwas von verschwundenen Lieutenants. Ich habe Bourbon in der Schublade, eine Schreibmaschine vor mir und die Washington Post auf dem Schoß. Was ich dort lese, riecht nicht nach Schlachtfeld. Es riecht nach Korridor. Nach Macht, die sich nicht traut, offen zuzuschlagen.
Das Pentagon weist Berichte zurück. Pentagon weist Berichte zurück. Pentagon weist Berichte zurück. So klingt es, wenn man eine Sache drei Mal wiederholt, in der Hoffnung, die Wiederholung werde zur Wahrheit. Sprecher Sean Parnell schreibt auf X, man fordere „ehrliche militärische Beratung". Ablehnende Stellungnahmen seien „gang und gäbe". Der Verteidigungsminister sehe sie „ständig". So führe man „ein echtes Militär".
Ein echtes Militär. Wunderbar. Dann erklärt uns mal, warum ein „echtes Militär" gleichzeitig vier Sterne-Generäle und Admirale in einem geheimen Lagepapier vom 14. August genau das aufschreiben lässt, was der Minister angeblich ständig liest: dass der Iran-Krieg zu viele Soldaten, Schiffe und Flugzeuge bindet. Dass die USA dort verwundbar werden, wo sie auf andere Krisen reagieren müssten. Dass der Einsatz bis 2027 gehen soll, als wäre Zeit nur eine rhetorische Figur.
Hier beginnt das, was die Jungen „die Diskrepanz" nennen und die Alten einen Widerspruch. Der eine Bericht sagt: Hegseth ignoriert die Ratschläge seiner Top-Offiziere. Der andere sagt: Das Pentagon bestätigt solche „formellen Einwände" – und macht weiter. Beide können nicht gleichzeitig wahr sein, außer man versteht Washington. Und Washington versteht man, indem man begreift, dass dort das Gegenteil einer Lüge nicht die Wahrheit ist, sondern eine andere Lüge mit besserem Timing.
Frank Kendall, ehemaliger Luftwaffenminister, sagt es deutlicher, als ich es je könnte. Im Pentagon herrsche ein „Klima der Armut" – Verzeihung, ein „Klima der Angst". Die Menschen hätten Angst, etwas zu sagen, das nicht erwünscht sei. Mehr als zwei Dutzend ranghohe Offiziere seien „ohne Grund" aus ihren Ämtern entfernt worden. „Undenkbar", sagt Kendall. Eine „Hexenjagd" auf alle, die als zu „woke" gelten.
Man muss kein Römer sein, um die Parallele zu sehen. Man muss nur wissen, dass jede Armee, die ihre Offiziere nach Loyalität sortiert statt nach Eignung, früher oder später auf dem Schlachtfeld aussortiert wird. Und wenn die Quellen sich widersprechen – der eine sagt, der Krieg eskaliere, der andere sagt, er eskaliere nicht –, dann heißt das nicht, dass beide lügen. Es heißt, dass die Lage unbestimmt ist, und genau das ist die Gefahr. Eine unbestimmte Lage ist eine Lage, in der Dinge geschehen, ohne dass jemand sie geplant hat. Und dann sind es nicht mehr die Generäle, die entscheiden. Sondern die Schiffsingenieure, die Köche und die Sanitäter. Die, die übrig sind.
Die Marine ist besonders betroffen. Admiral Daryl Caudle, ranghöchster Offizier der US-Marine, erklärt in Norfolk, die Seeleute seien „sehr belastet". Verlängerungen lehne er „normalerweise entschieden ab". Aber der Gegner habe „ein Wort mitzureden". Das ist der Satz eines Mannes, der weiß, dass er bereits verloren hat, bevor er den Mund aufgemacht hat. Im Pazifik fehlt Schlagkraft, weil Schiffe und Flugzeuge im Nahen Osten sind. Ein Flugzeugträger, mehrere Zerstörer – nicht dort, wo man China abschrecken will, sondern dort, wo man sich selbst aufreibt.
Die 82. Luftlandedivision verlängert ihren Einsatz auf ein Jahr. Soldaten, die wussten, dass sie nach Hause gehen, gehen nicht nach Hause. Der Apparat verwaltet – Kendall nennt es „die Züge fahren weiter" –, aber er führt nicht. Armeeminister Dan Driscoll ist zurückgetreten. Sein designierter Nachfolger hat nicht die nötigen Stimmen im Senat. Das Pentagon hat keinen bestätigten Stabschef. Das Pentagon hat keinen bestätigten Minister der Teilstreitkraft. Dafür hat es einen Sekretär, der die Generäle gefeuert hat, die ihm widersprochen haben.
Wer profitiert? Das ist die Frage, die ich mir stelle, wenn Evelyn aufhört zu singen und der Bourbon zu warm wird. Wer profitiert von einem Pentagon, das seine eigene Expertise nicht mehr hört? Wer profitiert von Generälen, die schweigen, weil Schweigen Karrieren rettet? Wer profitiert von einer Marine, die ihre Flugzeugträger dorthin schickt, wo sie nicht gebraucht werden, damit man sie nicht dorthin schicken kann, wo sie gebraucht würden?
Die offizielle Antwort lautet: niemand. Es sei ein Übergang. Eine Phase. Ein vorübergehendes Tief. Aber ich habe in meinem Leben viele vorübergehende Tiefs gesehen. Die meisten von ihnen waren die Vorhöfe von Kriegen, die niemand gewollt hat und alle verloren haben.
Ich sage es so, wie ich es schreibe: Das Pentagon hat in dieser Woche nicht widersprochen, weil die Wahrheit bequemer ist als die Lüge. Es hat widersprochen, weil die Wahrheit den Rücktritt des Ministers bedeuten würde. Und der Minister sitzt dort, weil er das Pentagon nicht versteht – sondern weil er verstanden hat, wem er gehören muss.
Unklar bleibt, wer in dieser Konstellation noch den Hebel zieht, wenn die Iran-Front bricht. Unklar bleibt, welche Befehle am 14. August wirklich gegeben wurden. Unklar bleibt, welche Befehle am nächsten 14. August gegeben werden.
Was klar bleibt: In jedem Imperium, das ich studiert habe – und ich habe sie alle studiert, von Rom bis gestern –, klingt der Untergang nicht wie eine Explosion.
Er klingt wie ein Sprecher, der auf X tippt: „So führt man ein echtes Militär."
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