14 PUNKTE FÜR AMERICA — DAS DORF FRAGT NACH WATT UND WASSER
Rep. Ro Khanna hat diese Woche einen Vierzehn-Punkte-Plan vorgelegt. Wiederaufbau für America: Medicare für Alle, eine Wohngarantie mit 35, kostenlose Kinderbetreuung für Familien unter 250.000 Dollar im Jahr, eine National Industrial Bank, die hundert neue Fabriken in entindustrialisierte Städte tragen soll. Der Kalifornier sagt es selbst: Wenn Washington einen 14-Punkte-Vertrag aushandeln kann, um Iran nach einem vom Präsidenten gewählten Krieg wiederaufzubauen, dann kann Washington auch vierzehn Punkte schreiben für jedes amerikanische Gemeinwesen. Statt sich auf Übersee zu konzentrieren, soll Amerika zuerst kommen.
Das ist die politische Ansage. Was fehlt, ist die Erdung.
Die Erde, auf der diese Punkte landen sollen, gehört längst jemand anderem. Während Kongressabgeordneter Ro Khanna den großen Bogen spannt, fressen Anlagen einer ganz anderen Industrie die kleinen Städte kahl. KI-Rechenzentren. Sie verschlingen Strom, Wasser und Land in Größenordnungen, die kein Kommunalparlament dieser Republik in einer Legislaturperiode bewilligt hat. Wer die Last trägt, ist nicht Washington — es sind die kleinen Gemeinwesen, deren Wassernetze und Umspannwerke nicht für diese Last gebaut wurden.
Khannas vierzehn Punkte erwähnen kein einziges Rechenzentrum. Keine Umweltbilanz. Keine Pflicht zur Bürgerbeteiligung. Keine Schwelle, ab der ein Gemeinwesen mitreden darf, bevor der Spatenstich fällt. Das ist nicht zu wenig gelesen worden. Das ist ein Schweigen mit System.
In der Logik der großen Rede ist das Amerika der Plakate eine Baustelle mit Ambition. In der Logik der kleinen Stadt ist es ein Umspannwerk, das nicht ihr gehört, und ein Stausee, der nicht für ihre Kinder gefüllt wird. Zwischen diesen beiden Amerika klafft die Lücke, durch die der Plan hindurchfällt wie eine Depesche ohne Adresse.
Wer profitiert, wenn diese Lücke offen bleibt? Die Konzerne, die Hallen bauen, in denen Rechenleistung erzeugt wird. Sie bekommen Steuererleichterungen. Sie bekommen Grundstücke, die einmal Familien gehörten. Sie bekommen Anschlüsse, die einmal Schulen versorgten. Die Gemeinde bekommt eine Schere zur Eröffnung und einen Termin bei der Bezirksverwaltung.
Khanna fordert gleichzeitig — und das muss man ihm gutschreiben — ein eigenes Büro für Ärzte im Kongress, das über die medizinische Eignung amerikanischer Spitzenpolitiker berichten soll. Ein notwendiger Punkt. Wer über das Wohl von Millionen Versicherter entscheidet, sollte selbst auf dem Tisch liegen. Aber dieser Punkt ist einer über Führung, nicht über Lasten. Führung ohne Lastenverteilung ist Stab ohne Spitze.
Die Pointe liegt nicht in der Summe der Vorschläge. Sie liegt in dem, was in den vierzehn Punkten fehlt. Kein Meilenstein zur Energiewende, der den Strombedarf der Rechenzentren bindet. Keine Wasserbilanz. Kein Mitspracherecht der Kommunen, mehr zu bekommen als ein Band und eine Schere zur Eröffnung. Die Gemeinschaften, die KI-Rechenzentren beherbergen, verdienen mehr als eine Eröffnungsfeier — das ist nicht mein Satz, das ist die offene Akte, die auf dem Tisch liegt und nicht aufgenommen wird.
Rep. Khanna ist nach Lesart der Hauptstadtpresse 2028er-Material. Die Vorlage liest sich wie Polittechnik im klassischen Sinn: ehrgeizig, umfassend, fotogen. Sie klingt wie eine Antwort auf das, was Familien an der Theke der Suppenküche sagen. Sie deckt nicht ab, was dieselben Familien über Wasserhähne, Stromrechnungen und übernächtigte Stadtratssitzungen berichten, in denen über Rechenzentren abgestimmt wird, während die Bundespolitik nicht mit am Tisch sitzt.
Die Iran-Note der Vorlage ist der rhetorische Anker: Wenn wir vierzehn Punkte für die Wiederherstellung einer fremden Volkswirtschaft schreiben können, dann muss Amerika selbst auch vierzehn wert sein. Aber genau dieses Argument unterläuft sein eigener Text. Wer Rebuild im Maßstab von Milliarden fordert, schuldet den Gemeinwesen den Maßstab, nicht nur das Etikett.
Offen bleibt, wer die Lücke füllen wird. Die Konzerne, deren Hallen wachsen? Kaum — ihre Bilanzen sind die andere Seite dieser Medaille. Die Bundesstaaten? Vielleicht, aber nur wenn der Kongress die Tür aufstößt. Khannas eigenes Büro? Unklar, an welcher der vierzehn Stellen die Rechenzentren Platz nehmen sollen, ob überhaupt.
Vierzehn Punkte sind ein Anfang. Ein Anfang ist kein Plan, solange der wichtigste Knoten nicht geöffnet wird. Wer ein Land wiederaufbauen will, muss zuerst die Frage beantworten, wessen Land gerade verbraucht wird.
Ada Voss hört auf den Drähten. Im Augenblick rauschen sie.
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