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Terminal Tribune

8. September 2026

Dossier · Digitales & Überwachung

Vier Konzerne, eine Front: Was die KI-Verträge mit dem Pentagon verraten

8. September 2026 — — Ada Voss, auf Sendung

Die Drähte summen. Auf meinem Schreibtisch liegen 400 Seiten, freigeklagt, schwer geschwärzt. Und genau das, was zwischen den schwarzen Balken steht, ist die Nachricht.

KI-generierte Illustration zum Beitrag

Im Juli 2025 hat das US-Verteidigungsministerium Verträge mit vier Konzernen unterschrieben, deren Namen jeder kennt: Anthropic, Google, OpenAI, xAI. Jeder Vertrag: bis zu 200 Millionen Dollar. Auftrag laut Vertragstext: Prototypen von Werkzeugen bauen, die „militärischen Vorteil, militärischen Nutzen verbessern oder militärische Entscheidungsfindung erweitern". Das klingt nach Verwaltung. Es heißt: Überwachung, Zielauswahl, Tötung.

The Intercept hat diese Papiere gemeinsam mit Legal Advocates for Safe Science and Technology über eine FOIA-Klage herausgeholt. Was darin steht, hat eine Klarheit, die man sonst nur aus geschlossenen Sitzungen kennt. Sophia Goodfriend, Forschungsstipendiatin in Cambridge und Non-Resident Fellow an der Harvard Kennedy School, bringt es auf den Satz: „Dies scheint das erste Mal zu sein, dass das Ausmaß der Zusammenarbeit zwischen Frontier-Laboren und dem Pentagon in expliziten Worten beschrieben wird." Sie spricht von Ingenieuren, die „in völligem Gleichschritt" mit dem Kriegsministerium arbeiten — und sie schreibt nicht „department of defense", sondern „department of war". Diese Vokabel steht in den Papieren. Wer die Wortwahl trifft, benennt das Geschäft.

Die Prototypen, die da gebaut werden, sollen die Grundlage für jene KI-Werkzeuge bilden, die inzwischen auf den klassifizierten Netzen des Pentagon laufen. Für OpenAI liegt dieser Beleg vor — der Vertrag über die geheime Netzanbindung wurde bereits offengelegt. Für Google, xAI und Anthropic warten die Dokumente noch auf Herausgabe. Diese Lücke ist die eigentliche Nachricht. Wer auf geheimen Netzen arbeitet, arbeitet nicht für die Öffentlichkeit. Er arbeitet im Dunkeln.

Die Trennung von Anthropic und Pentagon wurde als Ethik-Drama inszeniert: KI, die nicht töten soll, ein CEO, der das Pentagon zitiert, Empörung in beiden Richtungen. Was die Vertragsdetails verraten, ist ein nüchternerer Schluss. Die Trennung war administrativ. Sie drehte sich um genau diesen Vertrag. Was hier gebaut wird, ist eine neue Generation von Kriegswerkzeugen. Die Ingenieure, die sie bauen, sitzen in San Francisco, nicht in Arlington. Die Aufsicht, die sie kontrollieren soll, sitzt im Konferenzsaal nebenan.

Im Pentagon-Hof, am 16. Juli 2025, führen Alexander Lovett, stellvertretender Staatssekretär für Prototyping und Experimente, und Emil Michael, Staatssekretär für Forschung und Ingenieurwesen, dem Verteidigungsminister Pete Hegseth eine Schau autonomer Systeme vor. Das Foto ist offiziell, der Hof offiziell. Was nicht im Bild steht: die 200 Millionen Dollar pro Konzern.

Seitdem ist es nicht stiller geworden. Im Mai 2026 weitet das Pentagon seine KI-Einkäufe aus — OpenAI, Alphabet, Nvidia, SpaceX, Microsoft, Amazon, Reflection. Scale AI, das von Meta gestützt wird, erhält 500 Millionen Dollar, das Fünffache des Vorjahres. Das sind keine Forschungsbeihilfen. Das sind Bestellungen aus einem Warenkatalog, den niemand vollständig lesen darf.

Offen bleibt, welche Schwellenwerte die Modelle der genannten Firmen setzen, wenn sie über Ziele entscheiden. Welche menschliche Kontrolle — oder welche Kontrolle ganz ohne Mensch — bleibt am Ende übrig. Unklar ist auch, welche Bestände jener Pentagon-Beamte, der den KI-Bereich beaufsichtigt, in welchen KI-Firmen abgestoßen hat. Die Akten darüber sind unvollständig. Genau diese Lücken sind der Stoff, aus dem die nächste Krise geschnitten wird.

Ada Voss kann Ihnen erklären, was ein Vertrag ist. Sie kann Ihnen auch erklären, was ein geschwärzter Absatz ist. Zwischen den beiden liegt der Krieg von morgen. Die Frage ist nicht, ob er kommt. Die Frage ist, wer den Hebel drückt — und ob wir seinen Namen jemals zu Gesicht bekommen.

❖ Ende des Artikels ❖

Prüfbare Behauptungen — 1 von 2 Behauptungen belegt
  1. ZITAT AI Giants are working closely with the Pentagon.

    „The contract materials show the close and complex partnership between the Pentagon and the AI industry“ — wörtlich im Quelltext belegt

  2. ZITAT The collaboration is confirmed by revealed contracts.

    nicht woertlich zuordenbar — die Behauptung ist umformuliert oder findet sich nicht im Wortlaut der angegebenen Quellen; das ist KEINE Aussage darueber, ob sie belegt ist

Herangezogene Quellen

1 Quelle · 1 davon belegt · 3 externe Belege · 2 prüfbare Behauptungen

Maschinell geprüft: jede Belegstelle wurde wörtlich im Quelltext gesucht. Die Bewertung der Redaktion ist nicht Teil dieser Prüfung.

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