Zwei Milliarden verschätzt — und kein Mensch erklärt den Rest
Der Rauch von Evelyns Zigarette steht waagerecht im Licht des Cafés unter mir. Sie singt etwas Trauriges über einen Mann, der nach Hause fährt und nie ankommt. Mir fällt eine passendere Melodie ein: die Hymne eines Verteidigungsministeriums, das sich verrechnet und dann so tut, als sei nichts gewesen.
Dänemarks Verteidigungsministerium hat sich um knapp zwei Milliarden Euro verschätzt. Knapp zwei Milliarden. Das ist die Zahl, die man uns heute gibt. Die Frage ist nicht, ob diese Zahl stimmt. Die Frage ist, was noch fehlt. Denn bei diesen Leuten — und ich spreche nicht nur von Kopenhagen, sondern von jedem Hauptbuch mit Uniformen — ist die Zahl, die sie zugeben, immer nur die Spitze des Eisbergs, den sie uns nicht zeigen.
Worum geht es? Um 27 F-35-Kampfjets von Lockheed Martin. Um den Ersatz für F-16, die inzwischen so verschlissen sind wie meine Schreibmaschine nach dem dritten Manuskript. Geplant waren rund 7,64 Milliarden Euro. Jetzt sind es 9,5 Milliarden. Eine Steigerung um etwa 1,9 Milliarden. Das klingt in der Pressemitteilung wie ein Rundungsfehler. In der Realität ist es das größte Vertrauensproblem, das dieser Laden je hatte.
Bevor wir weiterlesen, eine kleine Erinnerung an das, was wir nicht wissen. Die Zahl 9,5 Milliarden — wer hat sie zu verantworten? Welcher Beamte, welcher General, welcher zivile Einkäufer hat sie zuletzt unterschrieben? Wann genau ist sie gestiegen? Wer wurde informiert, wer nicht? Fragen über Fragen. Und jede einzelne davon bleibt ohne Antwort.
Werfen wir einen Blick hinter die Fassade. Die dänischen Rechnungsprüfer haben das Verfahren als „mehr als unzufriedenstellend" bezeichnet. Mette Abildgaard, die Frau mit dem scharfen Blick, sagt genau das, wofür man sie bezahlt: Bei einem Projekt dieser Größenordnung hätten die Kosten kontinuierlich überwacht und transparent dargestellt werden müssen. Genau das sei nicht geschehen. Auf Deutsch: Man hat uns nicht die Wahrheit gesagt. Man hat sie uns schlicht verschwiegen — über Jahre hinweg, in einem Vorgang, der angeblich der größten demokratischen Kontrolle unterliegt.
Und hier beginnt das Fragenstellen. Das Parlament — die netten Damen und Herren, die wir dafür bezahlen, dass sie uns vertreten — wurde erst sehr spät über die höheren Ausgaben informiert. Sehr spät heißt in diesem Fall: Februar 2026. Zehn Jahre nach der Entscheidung für die F-35. Sechs Monate vor der nächsten Wahl. Zwei Milliarden Euro verschluckt, und dann auf einmal eine Pressekonferenz. Frage an die Redaktion: Wer hat das vorher gewusst? Wer hat es wann erfahren? Wer hat geschwiegen — und warum?
Aber die Zahl 9,5 Milliarden, die jetzt so selbstbewusst in der Gegend steht, ist selbst nicht das Ende. Sie ist erst der Anfang. In dieser Summe, sagt die Prüfung, sind noch nicht einmal alle Ausgaben enthalten. Da fehlen unter anderem die Kosten für mögliche Ersatzflugzeuge. Ersatzflugzeuge! Für Flugzeuge, die noch gar nicht richtig im Dienst sind. Man plant den Ersatz des Ersatzes, bevor der Lack trocken ist. Das ist keine Buchführung mehr. Das ist Gebet — oder Glücksspiel mit öffentlichem Geld.
Und als wäre das nicht genug: Dänemark hat sich entschieden, weitere 16 F-35 zu kaufen. Sechzehn Stück zusätzlich. Abildgaard stellt laut TV 2 infrage, ob die Mittel dafür überhaupt ausreichen. Frage: Wo ist die neue Zahl? Wie teuer werden diese 16 Jets? Wie verschiebt sich die Gesamtsumme? Wann legt das Ministerium diese Zahl auf den Tisch? Der Vorgang schweigt. Die Behörde schweigt. Die Anfrage schweigt.
Carsten Bach von der Liberal Alliance nennt die Entwicklung „sehr beunruhigend". Er hat Recht. Aber Beunruhigung ist noch das Harmloseste, was mir dazu einfällt. Bach warnt, die zusätzlichen Milliarden würden anderswo im Verteidigungshaushalt fehlen. Übersetzt: Irgendetwas wird nicht gekauft. Irgendjemand wird vertröstet. Irgendwo wird gestrichen — wahrscheinlich dort, wo keine Lobby sitzt und keine Flagge weht. Die Frage ist nur wo — und warum erfahren wir das erst hinterher?
Das Verteidigungsministerium erklärt in einer schriftlichen Stellungnahme, man nehme die Kritik „ernst". Künftig wolle man... Ja. Genau da bricht der Text ab. Genau wie bei jeder unbequemen Frage, die in diesen Hallen gestellt wird.
Ich denke an die Römer, die ihre Legionen mit dem Geld der Provinzen finanzierten und den Bürgern zu Hause erzählten, es sei eine Investition in die Sicherheit. Es war eine Investition in den Profit der Lieferanten. Die Muster wiederholen sich. Nur die Währung ändert sich.
In meiner Schublade liegt ein halber Bourbon. Die Maschine tickt noch nach dem letzten Anschlag. Irgendwo über dem Atlantik fliegt eine F-35, deren tatsächlicher Stückpreis in keinem öffentlichen Haushalt steht, der je gedruckt wurde. Und in Kopenhagen sitzen Männer und Frauen, die sich „ernst" nehmen und „künftig" wollen — und die Rechnung legen sie uns trotzdem nicht vor.
Wer zahlt den Rest? Niemand sagt es. Niemand muss es sagen. So funktioniert das.
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