Börse 1937
Terminal Tribune

10. September 2026

Dossier · Krisen & Konflikte

FABRIK DER ANGST: ABBOTT KLAGT DIE BEDROHUNGSLÜGE AN

10. September 2026 — — Hagen, Oberstleutnant a.D.

Hören Sie genau hin. Denn was hier erzählt wird, hat zwei Stimmen — und nur eine davon kommt in den Abendnachrichten vor.

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Auf der einen Seite: Diane Abbott. Seit 1987 im britischen Parlament, Frau mit Dienstalter im Saal. Sie sagt, was sonst niemand sagt. Putins Bedrohung Großbritanniens, so Abbott, sei eine „NATO-Erdichtung" — eine Fiktion, ersonnen, um die wachsenden Militärhaushalte zu rechtfertigen. Die geplante Erhöhung der Verteidigungsausgaben, fügt sie hinzu, solle nicht stattfinden. Wer das Gegenteil behaupte, sei — Abbott wählt das Wort selbst — „gefährlich naiv".

Auf der anderen Seite: die Regierungslinie. Die Ukraine wird unterstützt, trotzig, mit jedem verfügbaren Kaliber. Die Bedrohung durch Russland ist real. Wer sie bestreitet, wird umgehend zum „nützlichen Idioten Putins" erklärt. Eine Ministerin verurteilt Abbotts Aussage öffentlich. Die Labour-Abgeordnete Anna Turley widerspricht offen.

Zwei Quellen, die sich gegenseitig ausschließen. Beide werden gedruckt. Beide werden gesendet. Und ich sitze hier an meinem Schreibtisch, dampfender Kaffee, alter Mann mit zwei Kriegen im Rücken, und stelle die einzige Frage, die in solchen Momenten zählt: Wer bezahlt welche Geschichte?

Schauen wir auf die Faktenlage, soweit sie belegt ist. Putin gibt auf einer Pressekonferenz in Bischkek, Kirgisistan, die Antwort auf die Frage, ob Moskau militärische Einrichtungen im Vereinigten Königreich angreifen könnte. „Das ist ein Geheimnis. Ein militärisches Geheimnis." Zwei Worte. Weder Ja noch Nein. Ein Vakuum, mit Absicht erzeugt. Psychologischer Druck, sagen Beobachter in Moskau. Soll Großbritannien weiter über die wahren Absichten des Kremls rätseln — und zweimal nachdenken, ob es die Ukraine weiterhin mit Waffen versorgt.

Deutschland seinerseits sagt inzwischen, Russland sei verantwortlich für die Drohnenattacke auf den Flughafen Leipzig im Vormonat. Putin nennt das „Beweispflanzerei". Der deutsche Innenminister spricht von einem „etablierten Muster russischer Hybridoperationen in Europa".

Wir können daraus nicht schlussfolgern, dass russische Raketen bald auf britische Ziele niedergehen. Wir wissen aber, dass die Drohkulisse gepflegt wird. Vom Kreml. Und — so Abbotts Vorwurf — von der NATO selbst.

Jetzt die Rechnung, die niemand offen vorlegt. Wenn Abbott recht hat, dann ist die Sicherheitsrhetorik dieser Tage ein industrielles Produkt. Eine Fabrik, die Ängste produziert, damit Milliarden fließen — in Rüstung, in Logistik, in Munition, in Fregatten, in Panzerwerke, in Aufträge an Baufirmen, deren Namen in keiner Schlagzeile stehen. Eine Fiktion, die jedes Jahr aufs Neue Budgets rechtfertigt.

Wenn die Regierung recht hat, dann ist Abbott eine Schuldige am Spiel des Kremls. Eine Frau, die dem Feind die Waffe liefert, indem sie die Bedrohung leugnet.

Beides kann nicht gleichzeitig wahr sein. Beides wird trotzdem gleichzeitig behauptet. Und genau diese Asymmetrie — Abbott fordert die Bremse, die Regierung tritt aufs Gas — ist der Stoff, aus dem diese Geschichte gemacht ist.

Dazwischen liegen die offenen Fragen, die kein Minister beantworten will. Warum genau jetzt die Erhöhung? Warum genau diese Summe? Warum genau diese Waffensysteme? Wer zeichnet die Bedrohungskarte, auf der die Entscheidungen basieren? Wer legt fest, welche Kaliber in die Ukraine rollen? Wessen Bilanz füllt sich am Ende des Geschäftsjahres?

Ich sage nicht, wer hier lügt. Ich sage, was ich sehe: Wer eine Erhöhung der Verteidigungsausgaben stoppen will, wird als naiv verlacht. Wer sie fordert, bekommt Sendezeit und Schlagzeilen. Die Quellen werden nicht angeglichen. Sie werden gegeneinander gefahren. Und in der Mitte steht ein Land, das nicht weiß, wofür es eigentlich bezahlt.

Ich werde weiter zählen. Divisionen, Kaliber, Verträge. Bis die Rechnung stimmt. Oder bis sie zerbricht.

❖ Ende des Artikels ❖

Prüfbare Behauptungen — 2 von 4 Behauptungen belegt
  1. ZITAT Putin's threat to the UK is a Nato fiction

    im Titel der Quelle gefunden

  2. ZITAT Diane Abbott claims 'dangerously naive'

    „Putin's threat to the UK is a Nato fiction, claims 'dangerously naive' Diane Abbott | Daily Mail Online“ — wörtlich im Quelltext belegt

  3. ZAHL Keine konkreten Zahlen gefunden

    nicht woertlich zuordenbar — die Behauptung ist umformuliert oder findet sich nicht im Wortlaut der angegebenen Quellen; das ist KEINE Aussage darueber, ob sie belegt ist

  4. DATUM Keine Daten gefunden

    nicht woertlich zuordenbar — die Behauptung ist umformuliert oder findet sich nicht im Wortlaut der angegebenen Quellen; das ist KEINE Aussage darueber, ob sie belegt ist

Herangezogene Quellen

  • 4 weitere Quellen waren beim Schreiben nicht abrufbar

5 Quellen · 2 davon belegt · 4 externe Belege · 4 prüfbare Behauptungen

Maschinell geprüft: jede Belegstelle wurde wörtlich im Quelltext gesucht. Die Bewertung der Redaktion ist nicht Teil dieser Prüfung.

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