Lockstep mit dem Pentagon — geschwärzt bis auf das Honorar
Ich höre Frequenzen, die anderen zu hoch sind. Diese hier summt seit Wochen, und jetzt liegt sie auf meinem Schreibtisch: die Geschichte eines Fadens, der aus einer FOIA-Klage kommt und in einer Branche landet, die niemals Ethik predigte, ohne ein Schlupfloch zu reservieren. Eine Quelle. Ich notiere das, weil ich vorsichtig bin — 1937 wie 2026 gilt: Wer nur einen Faden hat, sollte ihn nicht für ein Seil halten.
Doch der Faden vibriert.
Was The Intercept, gemeinsam mit Legal Advocates for Safe Science and Technology, aus einer FOIA-Klage herausgezogen haben will: mehr als vierhundert Seiten Vertragspapier zwischen dem Pentagon und vier Namen, die in jedem Funkbericht der letzten Monate auftauchen — Anthropic, Google, OpenAI, xAI. Unterschrieben im Juli 2025. Bis zu zweihundert Millionen Dollar pro Firma. Zweck, wörtlich aus den Papieren: Werkzeuge zu bauen, die "military advantage, military utility, or enhance military decision making" verbessern — quer durch alle Teilstreitkräfte, vom Warfighting über automatisierte Entscheidungsfindung bis Logistik und militärischer Aufklärung. Was dort entsteht, so die Darstellung, bildet die Grundlage dessen, was heute auf den klassifizierten Netzen des Verteidigungsministeriums läuft.
Ich frage mich, wie ein Telegraphist das nennt. Wahrscheinlich: Morsen mit zwei Händen.
Die Akten — viele davon geschwärzt — zeigen, so The Intercept, eine Intimität zwischen Big Tech und dem Kriegsministerium, die bislang hinter Hochglanz-Pressemitteilungen verschwand. Ein Vertrag, jener über OpenAIs Einsatz im klassifizierten Netz, liegt vor; die Pendants für Google, Anthropic und xAI werden von der Regierung noch erwartet. Mit anderen Worten: Was wir sehen, ist ein Ausschnitt. Das Bild im Rahmen ist größer.
Und genau da setzt mein Misstrauen ein. Die offiziellen Ankündigungen nach den Deals von 2025 waren, wie man so sagt, leicht an Details und schwer an Phrasen. "Verantwortungsvolle KI." "Ethische Leitlinien." "Feste rote Linien" — insbesondere gegen autonome Waffen und Massenüberwachung, wie Anthropic und OpenAI sie vollmundig verkündeten. Die Verträge, so die Cambridge-Forscherin Sophia Goodfriend, legten das Gegenteil offen: Ingenieure dieser Labore arbeiteten "im Gleichschritt mit dem Kriegsministerium, um KI-Systeme für Überwachung, Zielauswahl und Tötung zu entwickeln". Die Werteerklärungen — so Goodfriend weiter — seien eine Fassade; die Vertragstexte der Wahrheit näher.
Externe Berichte, etwa des AI Now Institute, schärfen das Bild: Die Konzerne waren vertraglich verpflichtet, "Risiko-Prognosen und Bedrohungs-Ideations-Übungen" zu liefern — also Vorhersagen darüber, welche Gefahren ihre eigenen Produkte dereinst bergen könnten. Wer seine eigenen Risiken voraussehen soll, der baut sie nicht aus Unwissenheit. Der baut sie wissentlich.
Und hier beginnt die Frage, die für mich über jeder Schlagzeile steht: Welche spezifischen Technologien — jenseits des Buzzwords "KI" — werden in diesen Verträgen tatsächlich vergeben? Die Papiere reden von "warfighting", von "automatisierter Entscheidungsfindung", von "Logistik", von "militärischer Aufklärung". Sie schweigen zur Mechanik. Die Schwärzung, nicht das Geschriebene, ist die Aussage.
Ich notiere, was ich weiß: dass die Chefs dieser Firmen vor Kameras Ethikkomitees ins Leben rufen, während ihre Ingenieure beim Pentagon sitzen. Dass eine Firma — Anthropic — öffentlich aus dem Pakt ausbricht, angeblich wegen Ethik, während die Vertragsbegründung, die den Bruch auslöste, im Verborgenen bleibt. Dass drei andere still weiterzeichnen. Dass die Maschinerie der Aufklärung — FOIA, Gerichte, investigativer Journalismus — nun vierhundert Seiten ans Licht zerrt, auf denen mehr Tinte der Geheimhaltung steht als der Verpflichtung.
Mein Büro riecht nach Lötzinn und kaltem Kaffee. Meinethalben riecht es nach beiden Weltkriegen. Was hier beschrieben wird, ist alt und neu zugleich: Kapital, das seine ethischen Marken auf die Stirn tätowiert, und eine Kriegsmaschine, die das Tätowiergerät bezahlt. Wer kontrolliert das? Wer profitiert? Und wer zahlt den Preis — in welcher Währung, auf welchem Kontinent, in welcher Sprache der Trauer?
Eine Quelle. Eine Geschichte. Ich drucke sie nicht als Wahrheit, ich drucke sie als Frage. Die Antwort wartet in den noch geschwärzten Seiten, in den Verträgen, die das Pentagon noch herausrücken muss, in den Protokollen der Ethikkomitees, deren Sitzungen niemand sieht. Wir bleiben dran. Die Drähte summen weiter.
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