Fortschritt aus der Druckerpresse — Das Board of Peace und sein Gaza der Träumer
Die Pressekonferenz muss groß gewesen sein. Goldene Buchstaben auf dunklem Samt, Banner mit dem Wappen des Friedens, Männer mit gesenkten Stimmen, die "Fortschritt" sagen wie andere "Amen" sagen. So sieht die Maschine aus, die uns weismachen will, in Gaza gehe es voran. Das Board of Peace — dieser von Washington gestützte Friedensrat, dessen Name nach Weihrauch klingt und nach Öl — trommelt. Laut. Sein Gesandter spricht von schnellen Fortschritten, von Planumsetzung, von einer Zukunft, die zum Greifen nah sein soll.
Auf dem Boden liegen die Scherben.
Athena Rayburn, Chefin der Association of International Development Agencies, schaut nicht auf die Banner. Sie schaut auf das, was die Kameras nicht zeigen. "Untragbar und katastrophal", sagt sie, als Steve Clemons sie fragt, wie das Leben für die über zwei Millionen Palästinenser aussieht, eingepfercht auf rund 104 Quadratkilometer, während israelische Kräfte sie konsistent bombardieren. Sauberes Wasser? Mangelware. Essen? Rationiert. Strom? Eine Erinnerung. Medizin? Eine Lotterie. Dauerhafter Schutz? Ein frommer Wunsch.
Hier bekommt die Fassade Risse. Das Board of Peace sagt Fortschritt. Rayburn sagt Untragbarkeit. Zwei Sätze, eine Wirklichkeit — und die Frage, wem wir glauben wollen, ist eigentlich eine andere: wem wir glauben dürfen. Es ist, als würde ein Feuerwehrmann das Feuer loben, während das Haus hinter ihm abbrennt.
Nickolay Mladenov, der Hohe Vertreter des Board of Peace für Gaza, sprach diese Woche beim Hili Forum in Abu Dhabi. Ein Mann im Glanz seines Amtes, der sagt, was seinem Auftraggeber nicht schmeckt, aber wahr bleiben muss: Wenn Gaza so weitergeht, wenn der Plan nicht umgesetzt wird, dann werde die Zwei-Staaten-Lösung "praktisch unmöglich". Das sagt der Mann, der sie umsetzen soll. Der Architekt, der das Fundament einreißt, während er die Fassade streicht. Mladenov gibt eine Deadline aus, die er selbst nicht halten kann — und das ist kein Geständnis, das ist ein Eingeständnis.
Draußen, in den Straßen Gazas, in den Lagern, zwischen Trümmern und Staub, zweifeln die Palästinenser an Phase Zwei der Waffenruhe. Sie haben Gründe. Sie haben Bomben als Gründe. Sie haben Vertreibung als Grund. Sie haben das tägliche Kleingedruckte des Todes als Grund. Wer soll da noch glauben, dass der "schnelle Fortschritt" des Gesandten etwas anderes ist als eine Pressemitteilung aus einer Klimakammer?
Die UN-Experten, die das Board of Peace als Institution verurteilen, sprechen Klartext. Sie sagen, dass die Schaffung und Unterstützung dieses Rates durch die UN-Sicherheitsratsresolution 2803 grundlegend gegen Prinzipien des Völkerrechts verstoße — gegen das Selbstbestimmungsrecht, gegen alles, was nach 1945 mühsam aufgebaut wurde. Sie fordern einen reparativen, rechtebasierten Ansatz. Das ist die diplomatische Sprache für: Wir sehen, was ihr treibt, und wir sagen Nein.
Und dann ist da die Sache mit der Yellow Line. Die Demarkationslinie, die im Waffenstillstandsplan als Grenze dient — jene imaginäre Linie, die bestimmt, wer wo steht, wer wohin geht, wer lebt und wer wartet. Das Board of Peace, notiert die Times of Israel, hat diese Linie verwischt. "Erhebliche Unklarheit", heißt es da. Entscheidungen "ad hoc". Eine Nachkriegsplanung, die aussieht wie eine Improvisation von Leuten, die nicht wissen, wo die Bühne endet.
Cui bono? Wem nützt dieses Durcheinander? Wem nützt eine Friedensmaschinerie, die Fortschritt behauptet, während sie Bomben verwaltet? Wem nützt ein Name wie "Board of Peace", wenn die Bilanz aussieht wie Bullen von Sèvres — schön anzusehen, nichts wert im Feuer? Wer profitiert davon, dass die Yellow Line verschwimmt, dass die Verifizierer schweigen, dass Opferzahlen im Nebel bleiben?
Denn hier ist der Kern, den die offiziellen Communiqués nicht berühren: Die Zahlen, die in den Mitteilungen zirkulieren, lassen sich nicht unabhängig bestätigen. Wer genau gestorben ist, in welchem Viertel, unter welchen Umständen — vieles davon bewegt sich im Bereich der Behauptung. Das gilt für beide Seiten, und gerade das macht die Sache so giftig. In einem Klima, in dem Zahlen zu Munition werden, wird das Schweigen der Verifizierer zur Waffe der Profiteure. Wer kontrolliert die Listen, kontrolliert die Trauer — und damit die Geschichte.
Wir schreiben das nicht aus Neutralität. Wir schreiben es, weil eine Redaktion, die sich weigert, die Fassade einzureißen, selbst zur Fassade wird. Weil Leser, die nur eine Seite hören, nicht informiert sind — sie sind regiert.
Das Board of Peace wird weiter Konferenzen abhalten. Es wird weiter "schnellen Fortschritt" fordern. Es wird weiter Gold auf Samt drapieren, während die Maschinerie surrt. UN-Experten werden weiter warnen. Mladenov wird weiter von Unmöglichkeit sprechen. Die Palästinenser werden weiter zweifeln.
Und die Yellow Line? Bleibt verwischt. So wie immer, wenn jemand nicht will, dass man genau hinschaut.
Was bleibt, ist ein Bild: Männer in Anzügen, die "Fortschritt" sagen, und ein Krankenhaus ohne Strom, in dem ein Kind schreit, das niemand hören will. Der Rest ist Bulletin. Der Rest ist die große, glänzende Fassade eines Friedens, der nicht existiert — und der Name eines Rates, der alles ist, nur nicht das, was er verspricht.
Der Frieden, den das Board of Peace verkauft, ist keiner. Es ist der Krieg im Smoking. Und wer applaudieren will, soll vorher einmal in jene 104 Quadratkilometer gehen und zuhören, wie Stille klingt, wenn Strom fehlt.
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