214.000 Briefkästen — die Schicht unter dem Geld
Die Erde schluckt. Sie kennt kein Gesetz, das Eigentum schützt. Was hineingeworfen wird, bleibt — meistens.
Die Panama Papers sind kein Sturm. Sie sind das Wasser, das nach Jahrzehnten den Hang freilegt. Darunter liegt ein Skelett aus Papier. Mossack Fonseca, eine Anwaltskanzlei in Panama, hat 214.000 Briefkastenfirmen verwaltet. Nicht erfunden. Gezählt.
Wer profitiert? Wessen Namen wiederholen sich in den Akten? Russische Amtsträger. Oligarchen. Gouverneure. Senatoren. Und ein Cellist. Sergei Roldugin, Taufpate von Putins älterer Tochter, sagt der New York Times, er sei kein Geschäftsmann. Aber er besitzt Briefkästen, durch die Millionen zwischen russischen Staatsbanken fließen. Verwaltet von Angestellten der Bank Rossija. Geleitet von Datschennachbarn des Präsidenten. Strohmann, sagten sie. Strohmann, schreit das Archiv.
Die Empörung folgte dem Drehbuch. „Schwachsinn", sagt WTB-Chef Kostin. „Giftspritze", sagt Duma-Abgeordnete Jarowaja. Kreml-Sprecher Peskow spricht von „Putin-Phobie". Offen bleibt, wessen Ruf hier verteidigt wird.
In Deutschland lief es leiser. Mindestens 28 Banken. Mehr als 1.200 Briefkastenfirmen. Allein die Deutsche Bank hat bis 2007 über 400 aufgesetzt. Dresdner, Commerzbank, BayernLB. Mehrere tausend deutsche Kunden. Die Banken beteuern das Umsteuern. Commerzbank seit 2008. BayernLB verkaufte 2013 ihre Luxemburger Tochter. Die Deutsche Bank gibt grundsätzlich keine Auskunft. Rund 50 der einst 400 Briefkastenfirmen sind noch aktiv. Unklar bleibt, was in ihnen fließt.
Die Struktur trägt sich selbst. Banken, die vermitteln. Kanzleien, die verschleiern. Strohmänner, die unterschreiben. Und Empörung, die lauter ist als jede Reform. Die EU-Kommission schweigt. Einzelne Staaten schweigen. Im Europäischen Parlament formiert sich ein Bündnis für einen Untersuchungsausschuss. Ob er greift — offen.
Was unter der Erde liegt, kommt als Staub wieder.
❖ Ende des Artikels ❖
