Sortiert nach Käufer – wie der CO2-Preis im Index verschwindet
Die Erde schreibt mit. Ich übersetze.
Bohrkerne lese ich wie andere Zeitung lesen. Auch Zahlenkolonnen sind ein Protokoll — nur wird hier nicht Erde geschichtet, sondern Verantwortung ausgespart.
Seit Januar 2021 führt der Erzeugerpreisindex ein zweites Buch. Mineralölerzeugnisse und Erdgas tragen die CO2-Bepreisung — je nach Käufer. Vollständig, teilweise, gar nicht. Drei Spalten, drei Wahrheiten. Wer an Händler oder Versorger verkauft, taucht nicht in der Spalte auf, in der die Last sichtbar wird. Diplomatie nennt es Vermeidung von Doppelbelastung. Tatsächlich ist es eine Architektur, in der dieselbe Tonne in drei Preisen erscheint.
Beim Zement wird es ernst. Bis 2040 müssen die Werke CO2-arm produzieren. Eine der Strategien heißt Verpressung: das Gas zurück in die Schicht pressen, aus der wir es geholt haben. Was bleibt, ist ein Versprechen auf später.
Der Preis ist gestiegen, auf 45 Euro pro Tonne, eine Erhöhung folgt im Januar. Die Regierung nennt das einen Anreiz. Wer an der Zapfsäule steht oder die Heizrechnung aufmacht, wartet vergebens auf das Klimageld. Es ist nicht da. Damit die Industrie nicht ins Hintertreffen gerät, baut die EU einen Klimazoll. Schutzzaun für die einen, Zoll für die anderen.
Die Grünen fordern seit Pittsburgh 2009 den Abbau der Subventionen für fossile Energien. Das Finanzministerium antwortet — und antwortet nicht. Subvention ist in seinem unveröffentlichten Bericht nur, was den Preis unter den Weltmarktpreis drückt. Dieselsteuer? Zwei Sätze, also keine. Dienstwagen mit hohem Ausstoß? Keine. Luftfracht? Wettbewerbsfähigkeit. Das Umweltbundesamt widerspricht. Das Finanzministerium behält die engere Lesart.
Wer profitiert? Die Indizes ordnen die Bepreisung so, dass sie beim Endkunden ankommt und beim Vorlieferanten verschwindet. Die Subventionsdefinition ordnet Entlastungen so, dass sie bei der Industrie bleiben. Dasselbe Prinzip: das Eigene nach vorn, die Kosten nach hinten.
Ich habe Bohrkerne gesehen, in denen eine Schicht plötzlich aufhörte und tausend Jahre fehlten. Das nennt man Diskordanz. Auch die Bücher der Republik kennen sie — nur schneidet hier kein Eis, sondern ein Federstrich.
Was aufsteigt, kommt wieder herunter. Nur nennen wir es dann Wetter.
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