PHANTOM-CREDITS UND PHANTOM-RECHTE: WER HÄLT DEN STAUB?
Im Sand von Scharm el-Scheich zittert die Luft. Nicht vor Hitze — vor dem, was nicht gesagt wird. Alaa Abd el-Fattah sitzt in ägyptischer Haft, begann einen Hungerstreik, weil die Behörden den Besuch britischer Regierungsvertreter verweigerten. Seine Schwester sprach 2022 vor der versammelten Presse auf der COP27: Die Verwundbarsten verhandeln mit den Mächtigsten. Überleben kommt von jenen, die den Preis für fremden Luxus zahlen. Sechzigtausend politische Gefangene schätzt man in jenem Land, das gerade Gastgeber der Weltklimakonferenz ist.
The air trembles in the sand of Sharm el-Sheikh. Not from heat — from what is left unsaid. Alaa Abd el-Fattah sits in Egyptian detention, having begun a hunger strike after authorities denied visits from British government representatives. His sister addressed the assembled press at COP27 in 2022: the most vulnerable negotiate with the most powerful. Survival comes from those who pay the price for others' luxury. An estimated sixty thousand political prisoners in that country — the very country now hosting the global climate conference.
Ich habe Bohrkerne gelesen, älter als jede Dynastie. Die Erde schreibt ihre Bilanzen in Staub. Der Staub über Scharm riecht nach verbrannter Erde und nach Papier — Papier, das nichts mehr bedeutet. Meine Stiefel sind noch dreckig. Das Büro merkt es nicht.
Die Phantom-Credits-Affäre zeigt, wie nötig Transparenz in Emissionszertifizierungen ist. Auf der COP29 wurde beschlossen: Reiche Länder dürfen Emissionsminderungs-Offsets von Entwicklungsländern kaufen. Das weckt Bedenken wegen Greenwashing — jenem uralten Trick, in dem Konzerne behaupten, mehr zu tun als sie tun. Die UN selbst warnt: Wer ohne glaubwürdigen Plan Netto-Null verspricht, betrügt. Wer vage bleibt, betrügt. Wer ein einzelnes Attribut betont und alles andere verschweigt, betrügt.
Die COP27 war auch eine Chance, Druck auf Kairo auszuüben. Doch die Konferenzen sind gesponsert von den Großen, die kohlenstoffintensive Projekte weiterverfolgen. Skepsis ist angebracht — nicht zynisch, sondern geologisch.
Die neuen UN-Regeln für den Kohlenstoffhandel könnten Investitionen in Entwicklungsländer lenken, wo viele Zertifikate generiert werden. Das klingt nach Geld, das ankommt. Es klingt auch nach einer Währung, in der alles gehandelt wird — nur nicht das Klima. Schlecht umgesetzte Schemata untergraben die globale Bekämpfung des Klimawandels.
Wer profitiert? Die Konzerne. Wer verschweigt? Die Regierung in Kairo. Welche Struktur trägt es? Eine, in der Klimaschutz und Unterdrückung Hand in Hand gehen — saubere Pressefotos, schmutzige Bilanzen.
Die Atmosphäre vergisst nichts. Sie akkumuliert nur.
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