Big Tech unter Strom: Bußgelder, Urteile, Zerschlagung
Brüssel zieht die Drähte straff. Siebenundvierzig Millionen Euro gegen Lantmännen, weil Ethanol-Benchmarks manipuliert wurden. Rabobank sechsundzwanzig Millionen, weil Euro-Bonds unter der Hand verteilt wurden. Handgranaten-Kartell, Pharma-Kartell, Starterbatterien-Kartell. Die Kommission legt die Akten offen — Summaries, Final Reports, Opinions, alles abrufbar nach Datum und Fallnummer. Sichtbarkeit als Waffe gegen Absprachen. Das ist die Architektur der Ernsthaftigkeit.
Wer profitiert? Die Verbraucher, sagt man. Wer zahlt? Einer, dessen Name seit Wochen durch alle Frequenzen rauscht: Google. In Virginia urteilte Richterin Leonie Brinkema, der Konzern habe seine Stellung im Online-Werbemarkt vorsätzlich errungen und gehalten. Im August hatte ein anderes US-Gericht ihm bescheinigt, als Suchmaschine Wettbewerber systematisch kleinzuhalten. Zwei Monopole unter einem Dach. Das US-Justizministerium feiert das Urteil als bahnbrechend gegen die Monopolisierung des digitalen Raums. Sundar Pichai saß noch auf Trumps Ehrentribüne — die Nähe half nicht.
Die Struktur dahinter kenne ich. Auch in Brüssel sammelt sich die Macht: Milliardenstrafen gegen Tech-Konzerne, Bußgelder gegen Banken, Vergleiche mit Rüstungsfirmen. Wettbewerbsrecht wurde nicht für Algorithmen geschrieben, doch es wird darauf angewendet. Ethanol-Benchmarks, digitale Werbeplätze — beides Preismechanismen, beides manipulierbar.
Unklar bleibt, wer am Ende den Netzwerkvorteil hält. Internationale Kooperation zwischen Kartellbehörden wächst, ja. Aber Datenströme kennen keine Grenzen, und KI-Modelle werden mit Nutzerdaten gefüttert, deren Herkunft selten beleuchtet wird. Was die Kommission veröffentlicht, ist dokumentiert. Was die Konzerne verschweigen, ist das eigentliche Geschäftsmodell — und wer darin welche Fäden zieht.
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