BUCHHALTUNG ÜBER ERDE: WER SCHREIBT, WER ZÄHLT IM NEUEN CO2-REGISTER
Dezember 2024. Brüssel setzt einen Stempel unter Verordnung 2024/3012. Freiwillig, sagen sie. 2026 stillschweigend Referenz. Alte Masche: erst Freiwilligkeit verkaufen, dann über den Markt zur Pflicht machen. Wer zahlt am Ende? Nicht Brüssel.
Die Erde kennt keine Zertifikate. Sie kennt Kohlenstoff, seit Jahrtausenden in Mooren, Schwarzerde, alten Wäldern gebunden. Nun soll er verwaltet werden — in drei Körben: dauerhafte Entnahme, Carbon Farming, Speicherung in langlebigen Produkten. Saubere Trennung. Zu sauber für meinen Geschmack.
CRCF spricht nicht allein. Er interagiert mit CSRD, mit SBTi V2, mit VCMI Claims. Was heißt das für den Einkauf in DACH-Konzernen? Wer heute alte Zertifikate bunkert, bunkert Risiko. Wer sein CO2-Portfolio nicht vor dem nächsten Audit gegen die CRCF-Kategorien prüft, dem brennt das Greenwashing-Etikett auf der Stirn. Die Handelsblatt-Kamera ist geduldig, das Gericht weniger.
Moorrenaturierung, Agroforstwirtschaft, Pflanzenkohle — die delegierte Rechtsakt-Methodik der Kommission deckt das ab. Drei Verfahren. Beschlossen nach öffentlicher Konsultation, gestützt auf die Expertengruppe Kohlenstoffentnahmen. Mindeststandards aus Implementing Regulation 2025/2358. Wer sein Schema anerkennen lassen will, geht durch dieses Tor. Wessen Tor?
Den Auditoren nützt es — endlich wissen sie, wonach sie greifen. Den Händlern, die ihre Lager umetikettieren. Den Landwirten, falls die Prämien ankommen — offen bleibt, wer zwischen Zertifizierer und Feld die Marge nimmt. Die Kommission spricht von Biodiversität, Landschaftsresilienz, Ernährungssicherheit, Bodengesundheit. Schön. Im selben Atemzug wird die Integration der Senken in den EU-Emissionshandel als strategisch wichtig verkauft. Aus Boden wird Bilanzposten.
Die Erde steht nicht am Ende der Tabelle. Was der Boden nicht bindet, lässt die Atmosphäre nicht mehr los.
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