Palantir bleibt — das Schweigen bleibt auch
Es gibt Abende, da lese ich Parlamentsprotokolle wie andere Leute Karten lesen — auf der Suche nach dem Weg, den niemand benennt. Londons Weg mit Palantir ist so einer. Die Firma, deren Manifest Aufrüstung und autonome Waffen fordert, sitzt weiterhin an den Datensträngen des NHS. Man diskutiert. Man empört sich. Man kündigt den Vertrag nicht.
Die Abgeordneten prüfen aus nachvollziehbarem Misstrauen. Remilitarisierung, Waffensysteme, autonome Schläge — das gehört nicht in dieselbe Akte wie Patientenakten. Und doch gehört es. Weil Verträge in der Pandemie geschlossen wurden, als jede Aufmerksamkeit fraß. Weil seither niemand die Klauseln offenlegt. Öffentliche Sicherheit, heißt es dann. Immer öffentliche Sicherheit.
Die Struktur ist alt. Wer profitiert? Die bereits Eingewachsenen — Sicherheit, Gesundheit, kritische Netze. Palantir ist nicht mehr Projekt, sie ist Schicht. Eine Schicht über europäischen Systemen, über London, über das, was wir Gemeinwohl nennen. Die laufende Untersuchung zeigt es: Integration trotz Bedenken, Präsenz jenseits des Krisenmodus, eine Architektur, die mit jedem Monat schwerer zu entfernen ist.
Unklar bleibt, wer in Whitehall diese Abhängigkeit zementiert hat. Welche Berater welche Türen öffneten. Die Dokumente fehlen. Auskunftsersuche dauern. Antworten kommen ausweichend.
London steht vor keiner isolierten Vertragsfrage. Frankreich baut eigene Chatbots für die Verwaltung, investiert in eigene KI, will die Datenhoheit zurück. Das ist europäischer Trend — und Großbritannien sitzt formal draußen, faktisch mitten im Netz. Die Kündigung kommt nicht. Zu teuer, zu verästelt, zu tief. Die wahren Gründe stehen in Seiten, die niemand zu sehen bekommt.
Ein Unternehmen mit Waffenfantasien im Kopf und Patientendaten in der Hand. Ein Parlament, das sich windet, ohne zu kappen. Das Schweigen bleibt.
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