Methan-Slip — die Rechnung der Erde
Die Rechnung kommt am 1. Januar 2026. Mit der Zahl 28. So viel wiegt Methan im Klimabudget der EU, multipliziert mit dem GWP100 über hundert Jahre. Was bislang durch die Zylinder der Schiffsmotoren schlüpfte — ungenutzt, ungemessen, in den Bilanzen der Reedereien als Randnotiz geführt — wird ab dann mit Lachgas ins EU-ETS integriert. Brüssel berät über die Architektur.
Kreuzfahrtschiffe, Fähren, kleine Frachter. Ihre langsamen Otto-Dual-Fuel-Motoren weisen Methanschlupf um drei Prozent auf. Klingt wenig. Multipliziert mit 28 wird daraus ein zusätzlicher Ausstoß von 0,28 Tonnen CO₂eq pro Prozentpunkt Schlupf pro Tonne Brennstoff. Bei drei Prozent schlägt der Schlupf mit rund einem Viertel der klimarelevanten Last zu Buche. Die „grüne Alternative" LNG verliert in der Buchhaltung ihren Glanz. Wer hat den Schlupf jahrelang als Wartungsproblem verkauft? Die Antwort steht in Geschäftsberichten, nicht in Pressemitteilungen.
Parallel berät die EU-Kommission, ob das ETS dauerhafte CO₂-Entfernung integriert — und welche Technologien zugelassen werden. DACCS und BECCS stehen im Fokus; mehr als hundert Unternehmen fordern tech-offene Standards. Wer den Katalog eng hält, sichert etablierten Verfahren Marktanteile. Wer ihn öffnet, ermöglicht Innovation. ETS ist Hebel: Er lenkt Investitionen, verteuert Verschmutzung, schiebt hochemittierende Kraftwerke an den Rand. Aber der Hebel greift nur bei stabilen Zertifikatspreisen und verlässlicher Politik. Beides ist fragil. Die Strommarktstruktur entscheidet, ob der Preis Signal oder Rauschen ist.
40 Milliarden Tonnen fossiles CO₂ pro Jahr, wachsend. Irland steht vor 20 Milliarden Euro Strafzahlung bis 2030. Offen bleibt, wer die 28-fache Last 2026 zuerst spürt — und wer sie weiterreicht.
Ich stehe auf einem Pier, rieche Heizöl. Die Stiefel sind dreckig. Die Erde hat Methan in Schiefer gepresst, Kohleflöze gefaltet. Wir holen in Jahrzehnten, was sie in Jahrtausenden lagerte.
Die Erde kündigt nie. Sie kippt.
❖ Ende des Artikels ❖
