Wenn Tanks stille stehen: 82 Prozent im Oman und keiner ruft zurück
1937, sage ich. Damals drückte ich noch Morsetaste und jagte das Wetter über den Ärmelkanal. Heute höre ich andere Drähte — sie summen leiser, aber sie lügen lauter.
Die Meldung dieser Stunde ist eine Kette. Indien, China, Russland — drei Namen, ein Händedruck, dahinter rollt kein Panzer, sondern eine Preisanzeige: Rohöl über hundert Dollar das Fass. Indien ist Russlands größter Abnehmer — 1,8 Millionen Fass täglich, 36 Prozent seiner Rohölimporte. Vor dem Ukraine-Krieg waren es zwei Prozent. Das ist kein Zufall, das ist ein Geschäft.
Wer profitiert? Russland, das seinen Abnehmer fand. Indien, das billig einkauft, was der Westen nicht will. China, das die Karten still hält. Die Verlierer stehen weiter hinten — Entwicklungsländer, deren Rechnungen unbezahlbar werden, und am Ende der Konsument. Denn die Ölnachfrage ist kurzfristig starr: wer den Hahn aufdreht, kann ihn nicht zudrehen, wenn der Preis steigt. Die Quittung kommt später, aber sie kommt.
Die Kette reißt an anderer Stelle. Im Golf von Oman stehen 37 Flüssiggastanker — 82 Prozent über der Norm. Irans Wort, kein Schiff passiere ohne Zustimmung, hat die Hormuz-Straße verengt. Durch sie fließen zwanzig Prozent des Weltöls. Fast tausend Schiffe melden GPS-Störungen, die Frachtraten steigen, die Risikoprämien klettern. Offen bleibt, wessen Kasse die Stille füllt.
Die Zentralbanken sehen die Rechnung. Die US-Notenbank justiert nach, die Eurozone fürchtet neue Inflation — besonders wenn Russland das Gas vollständig abdreht. Die EU füllt ihre Speicher: strategisch, sagt man. Verteidigend, meine ich.
Die Konsequenz ist alt und neu. Solar, Wind, Wasserkraft — gebaut wird, was vorher unbequem war. Nicht weil die Sonne moralisch wurde, sondern weil das Öl seine Zuverlässigkeit verlor. Die Abhängigkeit hat ein Ende, es heißt nicht Verzicht, sondern Umschichtung. Wohin das Geld fließt, lesen wir an den Auftragsbüchern ab. Wer die Drähte hält, hält den Takt.
Ich hebe die Tasse. Der Kaffee ist kalt. Die Drähte summen weiter.
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