CSDDD light — Die Richtlinie, der man die Zähne zog
Brüssel hat unterschrieben. Die CSDDD steht auf dem Papier wie ein Versprechen, das einmal groß war und nun in der Schreibtischschublade der Konzerne schmort. Ich lese den Text. Ich lese, was nicht mehr drin steht. Das ist der Beruf.
Die Corporate Sustainability Due Diligence Directive sollte das deutsche Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz mit Zähnen ausstatten — vor allem im Umweltbereich, wo das LkSG bislang Lücken ließ. Sorgfaltspflichten sollen ins Risikomanagement integriert werden. Unternehmen sollen Pläne vorlegen, die ihr Geschäftsmodell mit der 1,5-Grad-Grenze versöhnen. Risikoanalysen, Prävention, Behebung — gegen Kinderarbeit, Entwaldung, Wasserverschwendung, verseuchte Böden. Das alles steht noch im Text. Aber genau da, wo es wehtun würde, wurde gefeilt.
Die vorläufige politische Einigung vom 14. Dezember 2023 hat den Anwendungsbereich gestutzt. Unternehmen ab 1.000 Beschäftigten greifen erst 2027, ab 500 ab 2028, die kleineren ab 2029. Bußgelder bis fünf Prozent der Nettoumsatzerlöse — das klingt nach Beißzange, ist aber ein Schwert ohne Griff: Die zivilrechtliche Haftung wurde eingeschränkt. Wer geschädigt wurde, soll schwerer klagen können als zuvor gedacht. Verwaltungssanktionen werden begrenzt. Die Buchhalter in den Vorstandsetagen haben sich durchgesetzt — sie wollten einen Maulkorb für die Kläger, sie haben ihn bekommen.
Dabei ist das Ziel auf dem Papier klar: nachhaltige Geschäftspraktiken verbindlich machen, Rechtssicherheit schaffen, faire Wettbewerbsbedingungen auf EU-Ebene. Doch wer das Kleingedruckte liest, sieht die Handschrift derer, die Verantwortung in Paragraphen verstecken, statt sie zu tragen. Für mich bleibt die offene Frage: Welche Lobby floss zwischen Konzernzentralen und dem Rat? Welche Namen stehen in den Anlagen, die nicht veröffentlicht werden? Der Text schweigt. Er schweigt über die Kanäle.
Die Erde kennt keinen Stichtag. Sie kennt keinen Schwellenwert von 500 Mitarbeitern. Die Wurzeln trinken kein Wasser nach Tabelle. Wer den Wald verbrennt, schuldet dem Wald die Antwort — heute, nicht 2029.
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