Wer den Garten bewässert, zählt jetzt zu den Gefallenen
Zweitausendachthundert. Verwundete und Tote, gezählt durch zwei Linsen in einer Videobrille. Irgendwo in der Steppe ein Finger am Abzug, ein Auge, das durch das Auge einer Drohne sieht. Danielle Bell vom UN-Menschenrechtsbüro nennt das schockierend. Schockierend ist die Zahl nicht. Schock wäre, wenn sie fiele.
65 Prozent mehr als im Vorjahr. Wer soll da noch zählen. In Kuschuhum fahren die Bauern nur noch drei Hektar pro Tag ein statt dreißig — der Acker ist Tontaubenstand geworden. Die Polizei bildet jetzt Leute aus, die Bauern und Brückenklempner schützen sollen. Kleine Jäger, die das fliegende Vieh vom Himmel pflügen, bevor es den Mann köpft, der seine Tomaten gießt.
Wer profitiert hier? Sicher nicht der Bauer. Sicher nicht der Hund, der nicht mehr Gassi geführt wird. Wer liefert die Brillen, wer die Komponenten, wer das Wissen? Welche Pipeline läuft weiter, während die Vereinten Nationen ihre Listen addieren? Selenskyj fordert Flugabwehrraketen aus europäischer Produktion. Berechtigt. Aber wer baut sie, wer bezahlt, wer kontrolliert die Kette? Das wird in Brüssel und Washington verhandelt. Nicht in Kuschuhum.
In Lwiw trifft es ein historisches Gebäude. Kultur als Kollateralschaden — oder als Posten in einer Bilanz. Wer trifft ein Museum, eine Oper? Wer hat die Bestände längst gesichert, digital und geräuschlos, bevor die Wand splittert? Das Eisenbahnnetz wird angegriffen. Logistik ist ein Nerv. Schneide ihn, und das Land atmet langsamer.
Die eine Antwort: mehr Raketen, mehr Abschussrampen, mehr Aufträge. Eine Industrie nennt es Verteidigung. Sie wächst. Die andere Antwort wäre, nicht zu fliegen. Aber wer verzichtet schon auf das, was fliegt?
Die Kurve zeigt nach oben. Sie tut es seit Jahren. Was schneller wächst als die Opferzahlen, ist die Nachfrage nach dem, was sie abwehren soll.
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